Das neue Eingangstor im Norden der Stadt: Die Buvette ist ab diesem Samstag offen.
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Das neue Eingangstor im Norden der Stadt: Die Buvette ist ab diesem Samstag offen.

Sommerbar als gemeinsames Projekt von Luzerner Gastronomen

9min Lesezeit

Diesen Samstag feiert der «Nordpol» Eröffnung. Die Sommerbar am Reusszopf soll nicht nur ein neues Aushängeschild von Luzern Nord sein, sondern auch für einen gemeinnützigen Verein. Betrieben wird die Bar von mehreren Luzernern rund um das «Drei Könige» und die «Metzgerhalle».

Elia Saeed

Die Sommerbar-Saison ist eröffnet – und das Angebot an Luzerner Buvetten ist dieses Jahr nochmals gestiegen. Nach den etablierten Standorten am See öffnet diesen Samstag der «Nordpol» seine Tore direkt am Fluss.

Betrieben wird die Buvette am Reusszopf von Manuel Kaufmann vom Restaurant «Drei Könige», Mike Walker und Dominik Schmid von der «Metzgerhalle» und den Brüdern Morris und Lior Etter. Für die Etter-Brüder gibt es sogar doppelten Grund zum Feiern: An der «Nordpol»-Eröffnung können sie zugleich auf das fünfjährige Bestehen des Vereins «Wasser für Wasser» (WfW) anstossen (siehe Box).

Im Norden für den Süden

Als Mike Walker, Geschäftsführer des «Nordpol», von der geplanten Buvette am Reusszopf erfuhr, war er sofort Feuer und Flamme für die Idee. Davor arbeitete bereits einmal in der «Volière» beim Inseli und entdeckte dabei seine Freude am Konzept Sommerbar. Zusammen mit seinem Geschäftspartner Dominik Schmid machte er sich auf die Suche nach einem passenden Team.

«Wir mussten alles von Grund auf neu denken.»

Mike Walker

Gleichzeitig war Walker auf der Suche nach einer Zivildienst-Stelle – und fand sie bei WfW. Die Geschäftsführer der Non-Profit-Organisation, Morris und Lior Etter, waren bereit, beim Buvetten-Projekt mitzumachen. Bei der Suche nach einem passenden Koch war den Jungs schnell klar, wen sie für diesen wichtigen Job wollen.

Willkommene Abwechslung

«Für mich ist Manuel Kaufmann ein Vorbild», sagt Walker. «Alles, was er bisher machte, war erstklassig.» Der Wirt des «Drei Könige» hatte Freude, als er vom Jobangebot für den «Nordpol» erfuhr. «Es ist ein gutes Team. Wir sind alle unterschiedlich, harmonieren aber und können gut miteinander arbeiten.»

Besonders der Aspekt, dass sich der «Nordpol»-Betrieb auf die Sommermonate beschränkt, gefällt ihm. «Die Buvette gibt eine willkommene Abwechslung zu meiner angestammten Arbeit.» Beim «Nordpol» ist Kaufmann für die kulinarischen Aspekte der Buvette verantwortlich.

Das Nordpol-Team (von links): Lior Etter, Morris Etter, Manuel Kaufmann, Mike Walker und Dominik Schmid.
Das Nordpol-Team (von links): Lior Etter, Morris Etter, Manuel Kaufmann, Mike Walker und Dominik Schmid. (Bild: zvg)

Auf Nachhaltigkeit gerichtet

Das Angebot des «Nordpol» ist auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. Statt Coca gibt es Vivi-Cola, statt Rivella selbstgemachten Eistee. Zum Mittagessen gibt es ausschliesslich vegetarische oder vegane Teller – Fleisch ist nur bei den Zwischenverpflegungen zu finden. Nur in Ausnahmefällen werden Produkte aus dem Ausland, beispielsweise Zitronen, gekauft. Zudem wird das Essen, das im «Drei Könige» zubereitet wird, mit einem Cargovelo zum «Nordpol» transportiert.

 

«Das Nachhaltigkeitskonzept fing damit an, dass wir kein Flaschenwasser hier wollen», erklärt Mike Walker. Eine besondere Herausforderung war die komplette Neugestaltung des Reusszopf. Walker: «Wir mussten alles von Grund auf neu denken. Wo machen wir die Anschlüsse, wo steht die Box?»

Die Buvette selbst wurde unter der Leitung von Renato Fontana und Kevin Walker zusammen mi dem ganzen Norpol-Team selbst gebaut. «Beim Bau gab es andere Arbeiter, die unser Dach beschädigten», erzählt Dominik Schmid mit einem Lächeln, «das mussten wir in letzter Minute wieder reparieren.» Die Sommerbar solle etwas Einzigartiges werde – und sich trotzdem am Erfolg der bisherigen Sommerbars orientieren.

Lior und Morris Etter feiern fünf Jahre «Wasser für Wasser».
Lior und Morris Etter feiern fünf Jahre «Wasser für Wasser».

Afrikanischer Vibe ohne Folklore

Am Betrieb des «Nordpol» arbeiten rund zehn Leute regelmässig mit. Vom Umsatz der Sommerbar fliessen fünf Prozent an die Non-Profit-Organisation, die sich im Gegenzug verpflichtet, die Kommunikation zu gestalten. Dazu gehören Webpage, Menükarte oder Bebilderung.

Sechs Linien in gestreckter Wellenform zeigen den Anfangsbuchstaben des «Nordpol». Das Logo zieht sich ikonographisch über alle Illustrationen. Die Farben sind in rot, grün, gelb und blau gehalten und sollen in Kombination mit dem Muster «afrikanischen Vibe» verbreiten. Die Grafik stammt von «Büro Zwoi» der Luzerner Designer Yannick Gauch und Andrin Stocker. «Bei der visuellen Gestaltung wollten wir afrikanische Muster aufnehmen, ohne dass es folklore-mässig wirkt», erzählt Morris Etter. Letztlich erwies sich der Foto-Fundus aus Sambia als Schatztruhe.

«Wir wollen nicht, dass es eine Verdrängung von bisherigen Nutzern gibt.»

Lior Etter

Die Promotions-Bilder stammen aus den WfW-Projektgebieten in Lusaka. «Dabei geht es uns ganz bewusst darum, ein positives Bild zu zeigen», erklärt Lior Etter, der die Sujets persönlich einfing. «Das sind alles Bilder aus ärmsten Gebieten – aber man sieht Menschen mit glücklichen Gesichtern und einem grossen Selbstverständnis.»

Dass dabei Verwirrung entstehen kann, nehmen die beiden bewusst in Kauf. Es gehe nicht darum, dass diese Menschen bedürftig seien – ganz im Gegenteil, betont Lior Etter: «Die geben uns Power!» Sie sollen die zwei Herzen von WfW zeigen: «Wir arbeiten im Norden für den Süden, aber auch im Süden für den Norden.»

Von ostafrikanischem House bis nigerianischen Pop

«Der Name der Buvette ist eine Anlehnung an den ‹Südpol›», sagt Morris. «Nordpol» verleite zum Gedanken, es sei sowas wie die Kulturstätte im Norden der Stadt – ist es aber nicht. Gleichwohl wird ein besonderer kultureller Aspekt betont, denn die Playlist der Sommerbar enthält ausschliesslich Musik aus Afrika. «Das sind 55 Länder», so Lior. «Von ostafrikanischem House bis nigerianischem Pop gibt es ganz unterschiedliche Welten und Stil-Einflüsse – dem möchten wir einen Platz geben.»

Vielfalt ist denn auch das Ziel bei der Belebung des Reusszopfs. Der Nordpol solle ein Ort für alle sein – das betonen die Betreiber. «Wir wollen nicht, dass es eine Verdrängung von bisherigen Nutzern gibt», sagt Lior Etter und unterstreicht: «Dort sollen sich alle wohlfühlen.» Die Durchmischung des Platzes ist auch explizites Ziel der Stadt, der Manuel Kaufmann ein grosses Kompliment ausspricht. «Alle, die an der Gestaltung dieses Ortes beteiligt waren, haben tolle Arbeit geleistet. Es ist ein wunderschöner Ort.»

Die Sommerbar hat täglich bei schönem Wetter geöffnet (11 bis 24 Uhr).

Rückkehr in die Gesellschaft

Die neu eröffnete Sommerbar ist ein Meilenstein für den Verein «Wasser für Wasser» (WfW). Seit der Gründung im Mai 2012 ist der Verein exponentiell gewachsen. Allein für dieses Jahr rechnet der Verein mit einem Spendenvolumen von rund einer Million Schweizer Franken. Inzwischen gehen bis zu zehn Menschen jede Woche im Büro an der Brünigstrasse 24 in Luzern ein und aus. Zusammen mit Vereinsorganen und Beiräten gibt es zusätzlich ein aktives Helfer-Netzwerk von rund 30 Ehrenamtlichen.

Doch obwohl die Situation heute stabil ist, war der Anfang alles andere als einfach. Denn Basil, der dritte der drei Etter-Brüder, erkrankte an Krebs. «In der Zeit, als wir Basil pflegten, haben wir uns intensiv mit dem Thema ‹Leben und Tod› auseinandergesetzt», schaut Lior zurück. Basil ist der mittlere der drei Etter-Brüder. Nachdem er verstarb, verarbeiteten Morris und Lior seinen Tod auf Reisen. «Wir konnten die Energie, die er uns mitgab, in etwas anderes umwandeln, eine neue Welt suchen», erinnert sich Morris.

Am Beispiel Wasser sahen die beiden, wie soziale Ungleichheit zu problematischer Unterversorgung führt. «Wir sahen die Gründung des Vereins als ersten Versuch, wieder in die Gesellschaft zurück zu kommen», erzählt Lior. Deshalb fingen sie nach ihrer Wiederkehr sofort mit dem Aufbau der Organisation an.

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