Das Gesicht hinter Radio James FM: der Hünenberger André Sidler. (Bild: Fotolia/zVg)
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Das Gesicht hinter Radio James FM: der Hünenberger André Sidler. (Bild: Fotolia/zVg)

Spiel Musik, James! Aber kein Festplattengedudel, bitteschön

5min Lesezeit

Mehr Musik und kaum Geschwafel. Das erklärten sich zwei Hünenberger zum Ziel und gründeten vor einem Jahr «Radio James FM». Noch ein Radio mehr, ist das nötig? Und wie kann man sich so was überhaupt leisten?

In Zeiten des Internetradios können selbst die Muotathaler das grönländische «Kalaallit Nunaata Radioa» oder das Fantasyradio «Rivendell» empfangen.

Tausende von Radiosendern aus aller Welt, das reicht nicht, befand ein Hünenberger. André Sidler sagt: «Klar gibt es etablierte Radiostationen wie Radio Pilatus, die lokal sind und rundum informieren. Zudem gibt es auf relativ kleinem Platz sehr viele Radios. Die Schweiz ist also bereits gut abgedeckt.»

Der Butler legt auf

Und er relativiert seine Aussage sogleich. «Was uns gefehlt hat, war ein Radio, das in erster Linie Musik bringt. Und zwar Perlen, die sonst niemand spielt, Evergreens und melodiöse Hits von heute», erklärt André Sidler. Die Idee für das «Leidenschaftsprojekt» Radio James FM war geboren. Der Hünenberger Betriebswirtschafter und Marketeer begann mit einem Freund, den geplanten Radiosender konzeptionell und technisch aufzubauen. «Und das Ganze sollte gleichzeitig emotional gestaltet sein», so Sidler. Seit Anfang 2016 ist der Sender im Netz hörbar, es folgten Aufschaltungen bei Quickline, UPC, Swisscom TV und DAB+ in der Zentralschweiz.

Der Name James FM rühre laut Sidler daher, dass der Butler James die Hörer quasi mit guter Musik versorgen und stimmungsvoll durch den Tag begleiten solle.

Das klingt einfach. Die persönliche iTunes-Bibliothek auf Random stellen und fertig. «Genau dieses Festplattengedudel wollen wir aber nicht. Wir wollen bewusst ein anderes Radioprogramm als etwa Radio Swisspop. Deshalb bewirtschaften wir unser Musikprogramm sehr intensiv. Im Musikkatalog, der uns zur Verfügung steht, befinden sich Zehntausende Lieder. Diesen haben wir sorgfältig durchforstet. Wir wollen den Hörern eine Vielfalt bieten, die andere nicht haben», erklärt Sidler.

«Es geht nicht, dass wir zuerst Paul Ankas ‹Diana› spielen und danach gleich etwas Zeitgenössisches.»

«Ausserdem stimmen wir die Abfolge der Songs so ab, dass die Lieder ideal aufeinanderpassen. Es geht nicht, dass wir zuerst Paul Ankas ‹Diana› spielen und danach gleich etwas Zeitgenössisches. Es braucht eine sachte Annäherung und sorgfältige Abstimmung zwischen den Hits.»

Mercury, The Hollies und The BossHoss

Wir sind neugierig geworden und hören bei James FM rein. Ein Mann mit sonorer Stimme wünscht gerade auf Englisch einen schönen Abend. Und dann schlagen auch schon die Achtziger zu mit Freddy Mercurys «Love Kills». Gefolgt von ein wenig Kitsch mit The Hollies und «The Air that I Breathe». Und einem Jingle, der ebenso gut bei einem Privatradiosender auftauchen könnte. Mit The BossHoss’ «Personal Song» gelangen wir wieder in unsere Zeit. Zwischendurch ertönen Zeitansagen. Es sind Stimmen, die einem irgendwie vertraut vorkommen. «Tatsächlich konnten wir für unser Projekt bekannte Stimmen wie etwa Marco Castellaneta oder Lorenz Knecht gewinnen.»

Eine grosse Auswahl will das Radio also bieten. Dennoch sucht man bei James FM Genres wie Heavy Metal vergebens. «Wir spielen nur Musik, die etwa ein Geschäft im Hintergrund laufen lassen kann und die nicht stört.» Herr Sidler, machen Sie etwa Liftmusik? «Nein. Wir machen mit Leidenschaft ein hochemotionales Radioprogramm, mit welchem wir unseren Hörern im hektischen Alltag und der allgemeinen Informationsüberflutung eine Auszeit bieten wollen.»

«Ich habe das Glück, dass meine Frau sehr grosszügig und geduldig ist.»

Das alles klingt nach viel Aufwand. «Tatsächlich ist es – zumal ich das Ganze nur als Hobby betreibe – sehr zeitintensiv. Doch ich habe das Glück, dass meine Frau sehr grosszügig und geduldig ist. Obwohl auch sie schon gefragt hat, wie lange mich das Projekt noch so auslasten wird.»

Trotz Zeitaufwand: Das grosse Geld machen lässt sich mit Radio James FM nicht. «Radio machen ist unsere Passion. Mit den Einnahmen wollen wir in erster Linie unsere Betriebskosten decken.»

Ein altes Flair fürs Radio

Geld generiert der Sender vor allem mit sogenannten Sponsoren. Dreimal täglich während eines Monats werden diese bei der Stundenansage genannt. «Damit können wir einen Teil der Kosten bereits decken.»

Woher kommt eigentlich diese Affinität zum Radiomachen? Sidler schmunzelt und erklärt dann: «Vor fast dreissig Jahren war ich einmal bei Radio Sunshine angestellt. Die Passion hält bis heute an, auch wenn ich beruflich an einem ganz anderen Ort gelandet bin.»

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