Prostituierte eines Escort-Service mit ihrem Kunden. (Bild: Dmitri Maruta)
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Prostituierte eines Escort-Service mit ihrem Kunden. (Bild: Dmitri Maruta)

Jimmy, wie geht das mit dem Sex-Business in Zug?

6min Lesezeit

Jimmy betreibt einen Escort-Service in Zug. Der ehemalige Rechtsanwalt erzählt, wie sein Geschäft funktioniert. Und wieso er glaubt, damit etwas Gutes getan zu haben.

Als der geizige Freier in Zug die Prostituierte bezahlen sollte, kam ihm eine gute Idee: Er könnte den Sex ja auch gratis haben. «Weisst du, dass das illegal ist, was du da machst? Ich geh’ jetzt einfach und sag dafür der Polizei nichts. Einverstanden?», bot der Freier der Escort-Dame an. Ein Deal, den die Frau besser annehmen sollte, denkt man. Statt leer auszugehen, ruft die Frau jedoch selber die Polizei. Der geizige Schlauberger bezahlt seine Schuld vor den Augen der Beamten.

Sex anbieten und dafür bezahlt werden, ist nicht illegal. Nicht einmal in Zug. Geschlechtsverkehr haben und nicht bezahlen dagegen schon, zumindest dann, wenn sonst alle Papiere in Ordnung sind. Und das ist der Knackpunkt.

Papiere sind in Ordnung

Dass die Papiere in Ordnung sind, dafür sorgt Jimmy*, ein ehemaliger Rechtsanwalt, der in Zug seit einigen Jahren zusammen mit seiner Ehefrau Flora einen Escort-Service mit der gleichen Ernsthaftigkeit betreibt, wie er früher seine Klienten in Steuerfragen beriet. «Es muss doch möglich sein, im Sexgeschäft ohne die milieu-typische Kriminalität zu arbeiten», sagte sich Jimmy vor rund vier Jahren und hat es inzwischen bewiesen: Es geht.

Jimmy braucht weder Kampfhund noch Klappmesser in der Tasche, um seine «Girls» zu beschützen. Stattdessen überlässt er den Schutz jenen, die dafür da sind: der Polizei. Zechprellerei bei Prostituierten ist nämlich nicht besser, als wenn einer im Dorfladen die Milch nicht bezahlen will.

«Wir wollen langfristig erfolgreich sein.»
Jimmy, Escort-Service-Betreiber aus Zug

Er kassiert Provisionen von seinen freien Mitarbeiterinnen

Die Frauen bei Jimmys «Luxescort.ch» werden vom Gesetz geschützt. Damit das so klappt, schafft Jimmy den Rahmen: Er zieht Internet-Seiten auf, holt Bewilligungen ein, schaltet Werbung, meldet die Frauen beim Zuger Migrationsamt an und pflegt den Dialog zu den zuständigen Behörden. Dafür erhält er eine Provision von seinen freien Mitarbeiterinnen, die in der Regel jeweils nur eine Woche in Zug sind. Trotzdem: Ein Haufen Arbeit und Investitionen für ein Metier, das sonst schweren Jungs das schnelle Geld verspricht.

«Andere setzen Zehntausende Franken um im Monat. Mit Dutzenden Frauen in kleinen Wohnungen.» Oftmals ohne Papierkram, mit illegal heruntergeladen Fotos aus dem Playboy und sonstigen  Tricks. Jimmy sagt, er halte von solchen Methoden nicht viel. Er argumentiert in fliessendem Business-Slang: «Wir wollen langfristig erfolgreich sein. Wir wollen das Beste für unsere Girls und das Beste für unsere Gäste. Und das geht nur mit ehrlicher Arbeit. Deshalb sind wir die wahrscheinlich beliebteste Adresse für beide Seiten. Ich weiss von niemandem, der das sonst so macht.»

«Die Mehrheit der Leute schätzt korrektes Verhalten.»
Jimmy

Keine Drogen, keine falschen Fotos

Im gleichen Duktus könnte man auch ein Handy-Abo verkaufen. Das überrascht nur im ersten Moment. «Schlussendlich ist es ein Geschäft wie jedes andere.» Zufriedene Kunden und zufriedene Mitarbeitende sind der Schlüssel zum Erfolg, das weiss bereits jeder Erstsemester-BWL-Student. Deswegen hält Jimmy an seinen Qualitätsansprüchen fest: maximale Diskretion, keine Drogen, keine falschen Fotos der Frauen im Internet und die Natelnummern aggressiver Freier werden gesperrt. «Die Mehrheit der Leute schätzt korrektes Verhalten.» Auch in Ungarn, von wo die Frauen bei Jimmy herkommen, habe sich das herumgesprochen.

Das Geschäft mit der Verführung läuft auch in Zug bestens.
Das Geschäft mit der Verführung läuft auch in Zug bestens. (Bild: Fotolia)

Als Jimmy 2013 nach Zug kam herrschte «ein Vakuum» in der Zuger Sexbranche, erzählt er. Das Erotik-Milieu, das vorhanden war, lief über mehr oder weniger anonyme Telefonnummern in Kleininseraten. « Kurz nachdem wir mit unserem Angebot starteten, kamen einige Kunden, die seltsame Fragen stellten.» Fragen, die einen Freier eigentlich nicht interessieren. Die Konkurrenz interessierte sich für den Neuen, vermutet Jimmy.

«Ökonomischer Druck existiert»

Legale Prostitution mit hohen Qualitätsansprüchen: Ist das wirklich ein Doppelsieg für Freier und Freudenmädchen? Denn egal wie man’s dreht und wendet, die eine Partei verkauft dabei ihren Körper, die andere bezahlt: Freiwilligkeit in der Prostitution bleibt Verhandlungssache.

«Natürlich ist das kein einfacher Job.»
Jimmy

«Der ökonomische Druck existiert einfach», stellt Jimmy pragmatisch fest. Es sei nun mal eine Tatsache, dass Männer Prostituierte wollten, so Jimmy. Zudem verdiene man in der Schweiz etwa zehnmal so viel wie durchschnittlich in Ungarn.

«Natürlich ist das kein einfacher Job. Ich sehe mich als Dienstleister, der die Prostitution mit maximaler Sicherheit ermöglicht.» Die Alternativen seien Strassengangs und Kriminalität. «Wenn jeder das Geschäft so betreiben würde wie ich, hätten wir viel weniger Probleme.» Jimmy meint, wenn er abends einschläft, habe er das Gefühl, etwas Gutes getan zu haben. Aber seiner Grossmutter könnte er das wahrscheinlich trotzdem nicht erzählen.

*Name der Redaktion bekannt

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