Jesus Turino (rechts), Leiter Soziales und Genossenschaftskultur bei abl, informiert Interessierte über das Bauprojekt an der Bernstrasse. (Bild: giw)
Gesellschaft Raumplanung

Jesus Turino (rechts), Leiter Soziales und Genossenschaftskultur bei abl, informiert Interessierte über das Bauprojekt an der Bernstrasse. (Bild: giw)

Gemeinnütziger Wohnungsbau wird zum Architekten-Härtetest

8min Lesezeit

An der Bernstrasse planen zwei Baugenossenschaften eine ambitionierte Überbauung – ökologisch und günstig zugleich sollen die Wohnungen werden. Das stellt die Teilnehmer des kommenden Architekturwettbewerbs vor sportliche Herausforderungen. Gleichzeitig können die Quartierbewohner auch bei den Bus-Verbindungen mit Neuerungen rechnen.

Im und um das verkehrsgeplagte BaBel-Gebiet tut sich einiges: An der oberen Bernstrasse entsteht neuer günstiger Wohnraum, und es wird eine neuartige Busspur auf der Spitalstrasse bis zum Kreisel Kreuzstutz gebaut (zentralplus berichtete).

Vertreter aus Verwaltung, Quartieren und den Baugenossenschaften informierten am Dienstagabend die Quartierbewohner im Rahmen eines öffentlichen Informations-Rundganges des Vereins BaBeL über die anstehenden Projekte.

Autoarm und ökologisch

«Mindestens 150 gemeinnützige Wohnungen entstehen an der oberen Bernstrasse», erklärt Jesus Turino, Leiter Soziales und Genossenschaftskultur bei der allgemeinen Baugenossenschaft Luzern (abl). Der Einzug ist «spätestens im Frühjahr 2022 geplant», so Turino. Die Überbauung soll für 2000-Watt-kompatibles Bauen realisiert werden, das heisst, sie wird auch autoarm sein. Ausserdem setzt man auf eine kulturelle und altersmässige Durchmischung.

«Es ist architektonisch das herausfordernste Projekt der abl.»

Jesus Turino, abl

Für Turino ist die Überbauung «das Leuchtturm-Projekt der Bernstrasse». Und günstig soll es auch werden: Geplant ist ein Mietzins von 1845 Franken monatlich für eine 4,5-Zimmer-Wohnung mit 103 Quadratmeter Nutzfläche. Die Mehrheit der Wohnungen werden jedoch 3,5-Zimmer-Wohnungen sein, wie Turino erklärt. Keine einfache Sache für die Wettbewerbsteilnehmer, gesteht er ein: «Es ist architektonisch das herausfordernste Projekt der abl. Die Vorgaben sind sehr sportlich.»

Die bestehende Siedlung an der oberen Bernstrasse im Überblick.
Die bestehende Siedlung an der oberen Bernstrasse im Überblick. (Bild: zvg)

Areal nun doch zusammenhängend

Ursprünglich waren nur 135 gemeinnützige Wohnungen geplant (zentralplus berichtete). Denn ein Liegenschaftsbesitzer inmitten der geplanten Überbauungszone wehrte sich mit Händen und Füssen gegen den Verkauf (siehe Plan). Dieser ist jedoch inzwischen verstorben und die Projektpartnerin der abl, die Baugenossenschaft Matt, erwarb das Grundstück an der Bernstrasse 84 im letzten Jahr. Der schmerzhafte Schnitt mitten durch die Überbauung bleibt den Bauherren also erspart.

Auf dem bestehenden Areal an der oberen Bernstrasse befinden sich insgesamt 13 Liegenschaften. Davon sind fünf unbebaut. Auf den restlichen Grundstücken stehen alte, baufällige Wohnhäuser, welche zurzeit alle vermietet sind. Für die bisherigen Bewohner gab es zwei Möglichkeiten: Entweder sie wurden Mitglieder bei der abl und die Genossenschaft suchte für sie eine Alternative. Oder sie verzichteten auf die Mitgliedschaft: «In diesem Fall erfolgt die reguläre Kündigung vor Baubeginn. Die meisten bisherigen Mieter haben sich für die erste Variante entschieden», so Turino.

Die bestehende Treppe durch die projektierte Überbauung bleibt laut abl erhalten.
Die bestehende Treppe durch die projektierte Überbauung bleibt laut abl erhalten. (Bild: giw)

Baubeginn auf Ende 2018 geplant

Eine Teilnehmerin des Anlasses erkundigte sich nach der oft genützten Treppe, welche die Bernstrasse mit der weiter oben gelegenen Stollbergerhalde und der Udelbodenstrasse verbindet: «Die wird auf jeden Fall bestehen bleiben», versichert abl-Vertreter Turino. Bis auf eine Ausnahme liegen alle Parzellen in der viergeschossigen Wohnzone.

Mit verschiedenen Boni bei der Ausnützung sind auf dem Areal fünf Vollgeschosse plus Attika oder ausgebautes Schrägdach erlaubt. Bevor mit dem Bau begonnen werden kann, startet im Sommer der Wettbewerb. «Wir haben 10 Architekturbüros eingeladen.» Der Baubeginn ist auf Ende 2018 oder Anfang 2019 geplant.

Auf diesem Areal an der Bernstrasse entstehen die 135 Wohnungen. Das gelb umrahmte Gebiet wird von der abl im Baurecht übernommen. Die blau und violett markierten Grundstücke werden von der Matt Baugenossenschaft gebaut.
Auf diesem Areal an der Bernstrasse entstehen die 135 Wohnungen. Das gelb umrahmte Gebiet wird von der abl im Baurecht übernommen. Die blau und violett markierten Grundstücke werden von der Matt Baugenossenschaft gebaut. (Bild: Screenshot / Stadt Luzern)

 

Bus ahoi!

Der Leiter Tiefbauamt Daniel Meier informierte, untermauert vom konstanten Strassenlärm, am Informationsanlass unter anderem über die Pläne auf der Spitalstrasse. Dort verkehren täglich durchschnittlich 11’000 Fahrzeuge – das bedeutet vor allem eines: Viel Stau – davon sind auch die Busse zwischen den Haltestellen Kantonsspital und St. Karli betroffen. So beträgt die durchschnittliche Zeit der Störhalte im September 2015 drei Minuten. In den Spitzenzeiten benötigt der Bus bis zu 10 Minuten für diesen 400 Meter langen Abschnitt.

Auf dem rot markierten Abschnitt soll die elektronische Busspur zum Einsatz kommen.
Auf dem rot markierten Abschnitt soll die elektronische Busspur zum Einsatz kommen. (Bild: google.maps)

Mit einem für die Innerschweiz fast noch unerprobten System soll sich diese Wartezeit «auf wenige Minuten» verkürzen. Konkret wird auf dem Abschnitt in Richtung Kreuzstutz/Baselstrasse eine sogenannte elektronische Busspur realisiert. Schweizweit gibt es wenige Beispiele für elektronische Busspuren, wo der Rückstau auf der Gegenfahrbahn überholt werden kann.

So funktioniert die elektronische Busspur auf der Skizze. Zur Anwendung kommt das System während den Spitzenzeiten zwischen 16 Uhr und 18 Uhr auf der Spitalstrasse in Richtung Schulhaus St. Karli.
So funktioniert die elektronische Busspur auf der Skizze. Zur Anwendung kommt das System während den Spitzenzeiten zwischen 16 Uhr und 18 Uhr auf der Spitalstrasse in Richtung Schulhaus St. Karli. (Bild: Screenshot / Stadt Luzern)

So funktionierts

− 18 Uhr, wir befinden uns im Bus auf der Spitalstrasse Richtung Kreisel Kreuzstutz. Nichts geht mehr, alles steht still. Bereits geht der Rückstau ab dem Kreisel über den Bereich St.-Karli-Schulhaus hinaus.

− Nun darf der Buschauffeur per Knopfdruck die elektronische Busspur auslösen. Damit bewirkt er, dass auf dem Bereich Trüllhofstrasse bis St. Karli alle Ampeln auf Rot gestellt werden – auch für den Gegenverkehr. Diese Rotphase dauert 70 Sekunden. Mit der Folge, dass sich die Gegenfahrbahn entleert.

− Nun kann der Bus auf die linke Gegenfahrbahn wechseln, den Stau überholen und vorne beim St. Karli wieder auf die rechte Fahrbahn einfädeln. Das spart Zeit und Nerven. Zumindest für die Buspassagiere. Alle anderen kostet es Zeit und Nerven. Wobei das nicht ganz richtig ist: Für die Velofahrer gibt’s eine separate Velospur, teils muss dafür an einzelnen Stellen das Trottoir schmäler gemacht werden.

Bernstrasse profitiert ebenfalls

Die Bernstrasse wird ebenfalls an neue Busverbindungen angeschlossen, wie Meier erklärte. So soll ab 2022 die bisherige 12er-Linie durchgängig bis zum Würzenbach verkehren. Bei dieser neuen Durchmesserlinie drei kommen grosse Fahrzeuge zum Einsatz, mit möglichen Folgen für das Ortsbild: «Es ist noch nicht klar, ob an der Bernstrasse Fahrleitungen montiert werden müssen oder ob die Batterien des Busses ausreichen werden, um die Steigung nach Littau zu bewältigen.» Die ÖV-Planung sieht weiter eine neue Buslinie 18 Littau Tschuopis–Kantonsspital–Ebikon Bahnhof vor. Die Einführung ist auf Dezember 2018 geplant. Die Buslinie 19 bedient weiterhin die Verbindung Friedental/Kantonsspital–Bahnhof Luzern. Der Takt wird gegenüber heute halbiert (neu 7,5-Minuten-Takt).

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