Bruno Affentranger führt als Hauptakteur durch den 125-Jahre-Jubiläumsfilm von Luzern Tourismus. (Bild: Videostill / Luzern Tourismus AG)
Gesellschaft Porträt

Bruno Affentranger führt als Hauptakteur durch den 125-Jahre-Jubiläumsfilm von Luzern Tourismus. (Bild: Videostill / Luzern Tourismus AG)

Umtriebiger Verleger provoziert die Luzerner Politik

8min Lesezeit

Bruno Affentranger, Journalist und Verleger, steht mit seinem neusten Werk, dem Magazin «Stadtsicht», in der Kritik. Wer ist der 50-Jährige, der in Luzern nicht wenige Fäden zu ziehen scheint? Eine Annäherung an den umtriebigen Verleger und Blatter-Biograph.

Kürzlich: Die hiesige Prominenz feiert das Jubiläum von Luzern Tourismus. Gerade eben wurde die Werbekampagne von Schweiz Tourismus mit Stuntman Bruno in der Hauptrolle präsentiert. Direktor Marcel Perren hält eine Rede und überschüttet Touri-Freunde mit Lob. Eine Person im Saal hebt er mit dem Hinweis – «auch wir haben unseren Bruno» – besonders hervor: Bruno Affentranger.

Das jüngste Kind des umtriebigen Verlegers, Journalisten und Blatter-Biographen ist das Magazin «Stadtsicht». Affentranger ist Chefredaktor, sein Partner Angel Gonzalo wichtigster Redaktor. Auflage: 50’000 Exemplare – gratis verteilt an alle Haushalte der Stadt. Die erste Ausgabe erschien im Sommer 2016. Als Partner werden unter anderem die Musegg Parkhaus, die City Vereinigung Luzern oder der Wirtschaftsverband der Stadt Luzern aufgeführt.

Bruno Affentranger präsentierte am «City Talk» 2017 die dritte Ausgabe des Magazins «Stadtsicht».
Bruno Affentranger präsentierte am «City Talk» 2017 die dritte Ausgabe des Magazins «Stadtsicht». (Bild: zvg / Cityvereinigung)

Wurden Fondsgelder zweckentfremdet?

Wie die Auftraggeber, so der Inhalt – das Hochglanzmagazin wirbt in den Augen einiger Linker für das Parkhaus Musegg. Im rund 50-seitigen Magazin findet sich ein längerer Artikel, der sich aus Sicht von Kritikern zu positiv zum umstrittenen Musegg-Parkhaus äusserte. Pikant: Das Magazin wird vom ALI-Fonds mitfinanziert, in den die Parkgebühren der Stadt Luzern fliessen. Affentrangers neuster Coup: Propaganda mit öffentlichen Geldern?

«Herr Affentranger ist hervorragend vernetzt in Luzern, das zeichnet ihn aus.»

Marcel Perren, Direktor Luzern Tourismus

Prompt provozierte das einen Vorstoss: Links-Grün will im Februar vom Stadtrat wissen, ob die Gelder damit nicht zweckentfremdet wurden. Nein, hält die Regierung Mitte März fest. Man habe bereits ähnliche Publikationen mit politischen Inhalten finanziert, es handle sich nicht um ein Novum.

Ganz anderer Meinung ist Yannick Gauch, der den Vorstoss namens der SP/Juso-Fraktion einreichte: Für Gauch ist die erste Ausgabe ein «Propaganda-Blatt» für das Parkhaus Musegg. Mehrere Bekannte hätten Gauch gegenüber Bedenken geäussert, weshalb sie als Stadtbürger Werbung für die private Musegg Parking AG mittragen sollten. Ganz anderer Meinung ist naturgemäss Bruno Affentranger (siehe unser Interview). Für den Verleger handelt es sich um einen ausgewogenen Beitrag. Der Noch-Juso-Präsident stellt rhetorisch die Frage, weshalb die «Musegg Parking AG denn ein Interesse daran haben könnte, ein angeblich unabhängiges journalistisches Magazin mitzufinanzieren».

«Sinn für das Unternehmerische»

Wenige Tage nach der Tourismus-Feier im März tritt Affentranger gleich nochmals in die Öffentlichkeit, er wirbt am City Talk der Cityvereinigung Luzern für «Stadtsicht» (zentralplus berichtete). Anwesend ist unter anderem die neue Finanzdirektorin der Stadt Luzern, Franziska Bitzi Staub, die anschliessend selbst ans Rednerpult tritt. Während der Detailhandelsexperte Sascha Jucker von Credite Suisse und die Stadträtin über die Zukunft des Detailhandels in der Altstadt referieren, darf Affentranger am Anlass 15 Minuten Werbung in eigener Sache machen.

Für Tourismusdirektor Marcel Perren ist es kein Zufall, dass der Mann derzeit scheinbar überall in Erscheinung tritt: «Bruno Affentranger ist hervorragend vernetzt in Luzern, das zeichnet ihn aus», bestätigt Perren. «Er spürt die Trends und hat einen Sinn fürs Unternehmerische.»

«Eine angenehme Persönlichkeit»

Affentranger ist nicht nur in der Rolle als Verleger in die Luzerner Tourismus-Vermarktung verwickelt, er ist ebenfalls persönlich involviert, wie Perren bestätigt: «Herr Affentranger engagiert sich als Mitglied im Tourismus Forum.» Dieses bezweckt die Förderung des Tourismus in der Stadt Luzern und in der Zentralschweiz und lobbyiert für die Anliegen der regionalen Tourismuswirtschaft. Laut Einschätzung von «lobbywatch.ch» vermögen Luzern Tourismus und das Forum gar in Bundesbern Pflöcke einzuschlagen. Trotzdem, für Perren bleibt Affentranger ein «Journalist, der unternehmerisch tätig ist». Und menschlich scheint die Chemie auch zu stimmen: «Er ist eine angenehme Persönlichkeit, kreativ und immer sehr professionell – wir hatten bis jetzt immer sehr gute Erfahrungen gemacht.»

Affentranger, ein Hansdampf in allen Gassen also? Die Xanthippe-Verlegerin Yvonne-Denise Köchli beschreibt Affentranger als «humorvoll, umgänglich und einen begnadeten Schreiber». Sie hat ihn für die Biographie über den Fifa-Präsidenten aus dem Wallis angefragt, nachdem er in der «Bilanz» zwischen 2003 und 2004 drei Porträts über Blatter veröffentlicht hatte. Affentranger sei sehr originell und differenziert: «Seine Fähigkeit, vorurteilsfrei auf Menschen zuzugehen, ist sicher eine Stärke von ihm.»

Die Blatter-Biographie von Bruno Affentranger.
Die Blatter-Biographie von Bruno Affentranger. (Bild: zvg)

Kommerzieller Misserfolg

Dass Affentranger mit berühmten Persönlichkeiten in Kontakt kommt und sein Netzwerk erweitert, scheint eine Konstante in seiner Biografie zu sein. Einer, der Affentrangers Weg mitverfolgt hat, ist Albert Schwarzenbach. Der langjährige Ringier-Journalist und Inhaber einer Kommunikationsagentur meint zum Blatter-Buch: «Ein relativ wohlwollendes Werk. Als er das Buch geschrieben hatte, war der Ruf des Wallisers bereits in Verruf geraten.»

Zu jener Zeit habe die Öffentlichkeit jedoch einen Blatter-Verriss erwartet, gesteht die Verlegerin Yvonne-Denise Köchli selbstkritisch ein. Mit Folgen: «Kommerziell war das Buch ein Reinfall, unter anderem, weil das Buch zu differenziert war, Zwischentöne zeigte und auf Schwarz-Weiss-Malereien verzichtete», so Köchli rückblickend. Trotzdem: Affentranger gilt daraufhin als Fifa- und Blatter-Experte und kommentiert die turbulenten Fifa-Jahre, die folgen, für diverse Medien in der Schweiz.

«Als Medienmanager gescheitert»

Während Affentranger als freier Journalist und Autor Erfolge feiert, versucht Affentranger auch als Verleger Fuss zu fassen. Er ist bei der UD Medien AG aktiv – unter anderem Herausgeberin des «Luzerner Anzeiger» und des «Insider». CVP-Grossstadtrat Albert Schwarzenbach war Aktionär des Unternehmens. Er erinnert sich: «Affentranger war als Delegierter des Verwaltungsrates, später als CEO des Unternehmens dabei, als der Verlag und die Druckerei Schiffbruch erlitten.» 2010 muss das Unternehmen den «Luzerner Anzeiger» verkaufen, zahlreiche Mitarbeiter verlieren ihre Stelle. Die Unternehmung ist heute nur noch ein Schatten ihrer selbst.

Bruno Affentranger, der Autor des Buches «Sepp – König der Fussballwelt».
Bruno Affentranger, der Autor des Buches «Sepp – König der Fussballwelt». (Bild: zvg)

Scheitern – auch das ist Teil von Affentrangers Berufs-Biographie: «Er ist ein erfolgreicher Journalist, aber als Medienmanager ist er bis jetzt gescheitert», sagt Albert Schwarzenbach. Er denkt dabei auch an das von Affentranger gegründete «beiUns»: «An das Konzept von «beiUns» habe ich nie geglaubt, die Autoren und die Inhalte des Community-Portals waren zu beliebig.» Das Ende kam im Dezember 2016, da hat er das Portal an die NZZ-Mediengruppe veräussert (zentralplus berichtete): «Es ist mir schleierhaft, weshalb die beiUns gekauft haben», sagt Schwarzenbach. Hat hier Affentranger ein weiteres Mal von seinem Luzerner Netzwerk profitiert?

Bruno Affentranger im Gespräch mit zentralplus: Hier geht's zum Interview.


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