Daniel Brunner vor dem von ihm gegründeten Archiv Doku-Zug an der St. Oswaldsgasse 16 in Zug. (Bild: Marc Benedetti)
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Daniel Brunner vor dem von ihm gegründeten Archiv Doku-Zug an der St. Oswaldsgasse 16 in Zug. (Bild: Marc Benedetti)

Der «rote Dani» lässt sich von Zuger Prominenz umgarnen

9min Lesezeit

Das Dokumentationszentrum Doku-Zug steht an einem Scheidepunkt. Der Gründer Daniel Brunner hat es die letzten 20 Jahre alleine finanziert. Nun soll eine Stiftung den Weiterbestand garantieren. Das Patronatskomitee liest sich wie ein Who is Who der Zuger Politszene und des Bildungsbürgertums – und ist sehr breit abgestützt.

Doku-Zug war am Anfang ein improvisiertes Weiterbildungsangebot für linke Politiker. Gegründet vom «roten Dani» Daniel Brunner. Er wollte, dass die Linken wenigstens gut informiert und dokumentiert seien – wenn sie schon nichts zu sagen hatten im traditionell bürgerlichen Zug (siehe Kasten zur Person). Das ist schon über 20 Jahre her.

Heute ist das von Brunner gegründete Dokumentationszentrum Doku-Zug als Zuger Institution anerkannt, die einen Dienst für die Allgemeinheit erbringt. Das «Zug» im Namen suggeriert, dass das Zentrum eventuell von der öffentlichen Hand mitgetragen wird, dem ist aber nicht so. Es ist zwar öffentlich zugänglich und nutzbar. Finanziert wird das Zentrum seit seiner Eröffnung durch den Gründer.

Bisher ausschliesslich privat finanziert

Rund 20 Millionen Franken seines Vermögens habe er bisher investiert, erklärte Daniel Brunner uns vor einem Jahr (zentralplus berichtete). 1,3 Millionen Franken kostet ihn der Betrieb mit seinen Angestellten jährlich (7,5 Stellen). Brunner gehört die Liegenschaft, die er dem Zentrum zur Verfügung stellt, dadurch fallen zumindest diese Kosten weg.

Ende dieses Jahres erreicht Brunner das 60. Altersjahr. Er hat schon früh signalisiert, dass er das Zentrum nicht mehr lange ganz alleine tragen will – und kann. Die letzten zwei Jahre hat er deshalb seine Beziehungen spielen lassen und unzählige Leute aus Stadt und Kanton Zug kontaktiert und «bearbeitet».

Hugo Bütler, NZZ-Chefredaktor 1985 bis 2006: Warum Doku-Zug wichtig ist from zentralplus on Vimeo.

Breites Patronatskomitee

Am Montag wurde an einer Medienorientierung das Resultat präsentiert, wie «Doku-Zug» auch für künftige Generationen erhalten werden soll (siehe auch den Beitrag mit Stimmen von Prominenten). Die Lösung heisst Private Public Partnership (PPP), eine in Zug beliebte Lösung, bei der Wirtschaft und öffentliche Hand eine Partnerschaft eingehen.

Diese Tage soll die gemeinnützige «Stiftung Doku-Zug» gegründet werden. Diese Stiftung, welche durch die öffentliche Hand sowie Einzelpersonen, Firmen und Organisationen getragen wird, soll die Zukunft des Zentrums sichern. Ein breit abgestütztes Patronatskomitee will sich für den Erhalt der wichtigen Zuger Institution einsetzen.

«Ich hoffe natürlich, dass uns das alles hilft, die Finanzierung für Doku-Zug sicherzustellen.»
Daniel Brunner, Gründer von Doku-Zug

«Who is Who» von Zug

Doku-Zug wird zur breit aufgegleisten «PPP» umfunktioniert – mit diversen bekannten Zugern im Komitee. Dani Brunner steckt also sein Herzensprojekt auf professionellere Beine. Das Komitee liest sich wie ein Who is Who von Zug: Rund 50 Namen von Personen aus Bildung, Wirtschaft, Kultur, auch einige Journalisten. Zum Beispiel der frühere «NZZ»-Chefredaktor Hugo Bütler oder Röbi Koller vom Schweizer Fernsehen

Wer ist Daniel Brunner?

Daniel Brunner ist als reicher Linker eine seltene Spezies in Zug. Vater Andreas Brunner-Gyr war als Industrieller und FDP-Nationalrat lange eine einflussreiche Persönlichkeit. Daniel Brunner ist ein Landis & Gyr-Erbe, war in den 90er Jahren als Verleger tätig, machte linke Politik von 1986 bis 1998 im Grossen Gemeinderat. Tempi passati. Aus der Politik hat sich Brunner schon lange zurückgezogen. Er kämpft als Anwohner noch für Tempo 30 an der Grabenstrasse. Aber sonst ist er in Zugs Mitte angekommen: Die Stadt Zug ehrte ihn 2016 offiziell mit einem Lebkuchen des Klosters Frauenthal; der Stadtrat vergibt diesen an Personen, die für die Bevölkerung der Stadt Zug Aussergewöhnliches geleistet haben.

Der Zuger alt Ständerat Rolf Schweiger (FDP) ist darunter, der linke alt Regierungsrat Hanspeter Uster, alt Stadträtin Andrea Sidler Weiss (CVP), aber auch heutige Politiker aus dem gesamten politischen Spektrum. Der ehemalige Stadtschreiber Albert Müller unterstützt die Sache ebenso wie Johannes Stöckli, Präsident der Theater- und Musikgesellschaft Zug – oder Kabarettist Marco Rima aus Oberägeri.

Wie hat es Brunner, dessen Name in Zug lange ein Reizwort war, geschafft, das Bürgertum einzubeziehen – und was erhofft er sich davon? «Ich arbeite seit zwei Jahren intensiv an dieser Lösung und hoffe natürlich, dass uns das alles hilft, die Finanzierung für Doku-Zug sicherzustellen.» Viele Personen hätten ihre Arbeitszeit zur Verfügung stellt, allen voran Rolf Schweiger. Das Patronatskomitee sei nicht an der Finanzierung beteiligt, das Renommee helfe aber beim Geldsammeln.

Stiftung kann gegründet werden

Eine wichtige Rolle spielt Rolf Schweiger, alt Ständerat, Anwalt und Notar. Er hat die Gründung der Stiftung vorbereitet und Abklärungen getroffen. Laut Schweiger hat er einen Vorbescheid vom Kanton erhalten, dass die Stiftung steuerbefreit sein wird. Die Stiftung wird demnächst gegründet. Wer Präsident wird, steht noch nicht fest.

Sara Marty (Mitte) und Bea Dugarte (r.) leiten das Zentrum seit Ende 2016. Sybilla Schmid (l.) übergab die Geschäftsführung damals nach elf Jahren an ihre Nachfolgerinnen.
Sara Marty (Mitte) und Bea Dugarte (r.) leiten das Zentrum seit Ende 2016. Sybilla Schmid (l.) übergab die Geschäftsführung damals nach elf Jahren an ihre Nachfolgerinnen. (Bild: Benni Weiss CH-Zug/Archiv)

Bisher eine Zusage der Stadt Zug

Bei der Finanzierung wird es laut Schweiger darum gehen, die jährlichen 1,3 Millionen Franken für den Betrieb sicherzustellen. «Dieses Jahr wird Daniel Brunner noch voll zahlen», erklärt Schweiger. Ab 2018 stelle man sich folgende Aufteilung vor: 650’000 Franken von der öffentlichen Hand (Zuger Gemeinden, Bürgergemeinden und Korporationen), 450’000 Franken aus der Wirtschaft (grosse Unternehmen, aber auch KMU) und die restlichen 200’000 Franken würde der Stifter Daniel Brunner tragen.

Noch etwa vier Jahre wolle er das tun. Brunner habe aber die Stiftung bereits als Universalerbin seines Vermögens bestimmt. Mit der Möglichkeiten von Legaten an seine Lebenspartnerin.

Die Historikerin Gisela Hürlimann über Doku-Zug from zentralplus on Vimeo.

Die Gemeinden und Firmen wurden noch nicht kontaktiert. Bis auf die Stadt Zug: Laut Rolf Schweiger hat man bereits eine Zusage des Stadtrats über einen Jahresbeitrag von 150’000 Franken erhalten, mit dem die Exekutive in den Grossen Gemeinderat Zug gehen wird. Laut Dani Brunner ist dies aber noch nicht definitiv. Der Stadtrat will wissen, wieviel Doku-Zug effektiv über die Stadt Zug sammelt und will, dass Synergien mit der Bibliothek und dem Stadtarchiv aufgezeigt werden.

Gesammelte Infos über Zug einzigartig

Auch auf die politische Seite kommt Rolf Schweiger zu sprechen. Viele würden sich wohl die Frage stellen, wie es möglich sei, dass ein «Ultraliberaler» wie er und ein «Linker» wie Brunner zusammen arbeiteten. Politisch habe es da «eine grosse Klarstellung» gegeben, sagt der langjährige FDP-Politiker.

Der Zuger Alt-Ständerat Rolf Schweiger (FDP) setzt sich für die Zukunft von «Doku-Zug» ein. Er hat die Gründung der Stiftung vorbereitet.
Der Zuger Alt-Ständerat Rolf Schweiger (FDP) setzt sich für die Zukunft von «Doku-Zug» ein. Er hat die Gründung der Stiftung vorbereitet. (Bild: zVg)

Der Wert der Institution Doku-Zug sei in den letzten Jahren von vielen Leuten entdeckt worden und werde geschätzt. «Nationale und internationale News bekommt man mittlerweile überall», sagt Schweiger. Doch das Einmalige an Doku-Zug sei ja, dass dieses neben Schweizer Themen lokale und regionale Themen in Themendossiers aufbereite, was eine einmalige Fundgrube darstelle. Mittlerweile seien es Millionen von Dokumenten; bisher in Papierform, aber eine Digitalisierung ist geplant.

«Als Zuger bin ich ein wenig stolz, dass wir jetzt über alle politischen Schranken und Grenzen hinweg etwas für den Erhalt dieser Institution tun und so viele mitmachen.»
Rolf Schweiger, alt Ständerat Zug

Als Anekdote erzählt Schweiger, dass sogar SVP-Nationalrat Thomas Aeschi den Wert von Doku-Zug entdeckt habe, als er zum 25-Jahr-Jubiläum der SVP Zug 2016 eine Festschrift verfassen wollte. «Innerhalb von drei Wochen hatte Aeschi mit Hilfe des Teams von Doku-Zug alle Informationen über die Geschichte der SVP beisammen.»

Aeschi ist ebenfalls im Patronatskomitee. Ein Unterstützer der ersten Stunde war Parteikollege Philip C. Brunner.  Auch andere Zuger Politiker wie CVP-Präsident Gerhard Pfister, Ständerat Peter Hegglin und alt Ständerat Peter Bieri geben der Sache ihren Support.

Lösung über alle (Polit)-Grenzen hinweg

«Als Zuger bin ich ein wenig stolz, dass wir jetzt über alle politischen Schranken und Grenzen hinweg etwas für den Erhalt dieser Institution tun und so viele mitmachen», sagt Rolf Schweiger. «Doku-Zug bildet seit über zwanzig Jahren die politische, wirtschaftliche und soziale Geschichte Zugs und der Schweiz ab.»

Das private Dokumentationszentrum an der St. Oswaldsgasse 16, schräg gegenüber der Zuger Bibliothek, umfasst über 2,5 Millionen fotokopierte Medienartikel, die in 4’600 Themendossiers abgelegt sind. Themen sind unter anderem Politik, Wirtschaft, Umwelt und Bauen, aber auch das Gesundheits- und Sozialwesen und die Bildung. Dazu kommt eine Freihand-Bibliothek mit Sachbüchern, welche die Dossiers ergänzen und erweitern, 3’800 Broschüren und 557 Zeitschriftentitel.

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