Der Luzerner Karim Taha zeigt sein Heer von Legofiguren. (Bild: Natalie Ehrenzweig)
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Der Luzerner Karim Taha zeigt sein Heer von Legofiguren. (Bild: Natalie Ehrenzweig)

Eine Liebe zu Plastiksteinen, die nicht nachlässt

6min Lesezeit

Wenn Karim Taha Legosteine zusammenbaut, versinkt er in einer eigenen Welt. In über 13 Jahren hat der Luzerner farbige Klötze im Wert von schätzungsweise 100’000 Franken gesammelt. Was fasziniert einen 26-Jährigen an Plastikspielzeug, das in der Regel Kinderaugen strahlen lässt?

Es gibt wohl kaum jemanden, der die bunten Spielzeugklötzchen nicht kennt. «Leg godt» – dänisch für «spiel gut» – ist der Ursprung des Namens Lego. Das dänische Unternehmen, viertgrösster Spielzeughersteller weltweit, stellt seit 1958 die typischen Bausteine mit dem ausgeklügelten Steckprinzip her. Eine eigentlich simple Idee beflügelt seither die Fantasie von Generationen von Kindern auf der ganzen Welt – und auch einigen Erwachsenen. Wie zum Beispiel Karim Taha aus Luzern.

Ein gutes Renditeobjekt – nicht für ihn

Karim Tahas vier Jahre älterer Bruder war als Kind ein Lego-Enthusiast. «Am Sonntagmorgen stand er auf und baute im Wohnzimmer seine Lego-Sachen zusammen. Ich durfte ihm jeweils helfen und die Teile suchen, die er brauchte», erinnert sich der Luzerner. Der Bruder wurde älter, verlor allmählich das Interesse an den farbigen Bauklötzchen, doch bei Karim liess diese Liebe nie nach. «Als ich 12-jährig war, hab ich wirklich richtig gesammelt. Als ich älter wurde, haben sich meine Interessen verändert, andere Sammelleidenschaften kamen dazu. Doch Lego blieb immer», meint er lächelnd.

«Mit den Lego kann ich mir eine eigene Welt erschaffen.»

Karim Taha, Legosammler

Karim Taha gehört aber nicht zu den Sammlern, die mit ihrem Hobby einen finanziellen Gewinn damit erzielen möchten. Er packt die Sets aus, baut Burgen oder Piratenschiffe, stellt sie auf. «Mit den Lego kann ich mir eine eigene Welt erschaffen. Ich habe mir früher auch Charaktere überlegt, Turniere oder Abenteuergeschichten gespielt», erzählt der Pflegefachmann.

Der 26-Jährige in seinem Zimmer: Karim Taha besitzt Lego im Wert von rund 100'000 Franken.
Der 26-Jährige in seinem Zimmer: Karim Taha besitzt Lego im Wert von rund 100'000 Franken. (Bild: Natalie Ehrenzweig)

Der 26-Jährige ist gerade daran, in eine eigene Wohnung zu ziehen. Das stellt den leidenschaftlichen Lego-Sammler vor einige schwierige Entscheidungen. Welche Bauten nimmt er auseinander? Was macht er mit Sets, die er mehrfach hat? Wie räumt er sein neues Legozimmer ein?

Sein aktuelles Zimmer enthält ein ausgeklügeltes Schubladensystem, so dass er seine Legos logisch versorgen kann. Er öffnet eine Schublade, in der die Legomännli Schulter an Schulter aufgereiht sind. «Eine dieser Figuren kostet so zwei bis vier Franken. Frankenstein könnte ich wohl für bis zu 15 Franken verkaufen», sagt Karim Taha. Ab und zu verkauft er etwas über Ricardo. Und auf der Online-Auktionsplattform kauft er auch die meisten Legos, wenn er sie nicht per Zufall von jemandem geschenkt bekommt. «Total habe ich wohl Lego im Wert von etwa 100’000 Franken», schätzt er den Wert seiner Sammlung.

Das fehlende Teil

Lego hat im Laufe der Jahre unzählige Sets, Linien und Designs herausgebracht. Nicht immer sind die eingefleischten Fans begeistert. «Mir gefallen die alten Legos am besten, gerade auch die alten Farben», betont Karim Taha. Auch vielen Kindern gefallen die alten Legos besser, denn es sei einfacher, mit den alten Bausteinen kreativ zu sein. Die Lego-Welt ist inzwischen riesig. Doch alles zu sammeln wäre Karim Taha zu krass. «Ich konzentriere mich auf die drei Szenarien Ritter, Space und Piraten.»

«Meine Mutter sammelt Schafe. Mein Vater sammelt Feuerzeuge.»

Karim Taha, Legosammler

Wie alle Sammler hat auch der 26-Jährige einen grossen Wunsch: Er möchte die Lego-Unterwasserstation, die 1997 nur für kurze Zeit produziert wurde. Er versucht zurzeit, das letzte Teil, das er für die komplette Aquazone braucht, auf Ricardo zu ergattern. «Im Moment kostet es 25 Franken. Vernünftigerweise würde man nicht mehr als 80 Franken zahlen», meint er lachend.

Sein Motiv?

Obwohl man im Zimmer von Karim Taha den Eindruck bekommen könnte, dass sich sein ganzes Leben um Lego dreht, ist das nicht der Fall. Zum einen hat er durchaus auch andere Dinge gesammelt: Muscheln, Kassetten, Aufkleber, Pokemon-Figuren. Zum anderen beeinflusst Lego sein Leben nicht wahnsinnig. Er war noch nie im Legoland, hat keine besondere Beziehung zur Firma und war auch nicht speziell traurig, als Lego sein Werk in Willisau 2006 schloss. Karim Taha trifft sich auch nicht in einem Lego-Sammler-Club: «Manchmal les ich in Foren auf dem Netz, aber auch eher selten.»

Mit dem Sammeln aufhören? Hat Karim Taha schon überlegt, geht aber nicht.
Mit dem Sammeln aufhören? Hat Karim Taha schon überlegt, geht aber nicht. (Bild: Natalie Ehrenzweig)

Ab und zu denkt Karim Taha darüber nach, mit dem Sammeln aufzuhören. Weil ihm der Platz fehlt, weil ihm die neuen Legos nicht gefallen. Doch es dürfte ihm schwerfallen. Einerseits, weil er das Sammeln im Blut hat: «Meine Mutter sammelt Schafe. Mein Vater sammelt Feuerzeuge.» Und andererseits, weil ihn die Legos sichtlich begeistern. «Manchmal komme ich nach Hause und öffne die Schublade, in der ich alle meine Ritterfiguren habe – um die mich viele Sammler beneiden würden. Dann schaue ich mir die Figuren an und freue mich», verrät er. Die Freude daran – Karim Tahas wichtigstes Motiv fürs Sammeln von Lego.

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