«Man könnte glatt fünfmal heiraten»: Sabrina Albisser und Nina Sonderegger und ihren jeweiligen Verlobten steht der perfekte Tag noch bevor. (Bild: Mirjam Oertli)
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«Man könnte glatt fünfmal heiraten»: Sabrina Albisser und Nina Sonderegger und ihren jeweiligen Verlobten steht der perfekte Tag noch bevor. (Bild: Mirjam Oertli)

Ja, ich kaufe! Alles für den perfekten Tag

9min Lesezeit

Freie Zeremonie statt Kirche und alles für den perfekten Body im Hochzeitsoutfit: Neben klassischen Ausstellern von Brautmode, Schmuck und Fotografie sind an der Hochzeitsmesse Luzern auch neue Trends auszumachen. Zwei Klassiker bleiben allerdings völlig unangefochten.

Mirjam Oertli

Hier Kutschen, Blumengestecke und Ringe, da Fotografen, Caterings und eine Stretch-Limo. Dazwischen immer wieder Brautkleider in tüllenen und glitzernden Ausführungen, dass selbst Disney-Prinzessinnen neidvolle Blicke werfen würden: Es ist Hochzeitsmesse. Die rund 90 Aussteller machen am 14./15. Januar in der Halle 4 der Messe Luzern wieder einmal deutlich: Eine ganze Industrie macht sich die Idee der Hochzeit als schönsten Tag im Leben zunutze.

Wer das «Ja, ich will!» also effektvoll in Szene setzen möchte, muss zuerst nicht wenige «Ja, ich bestelle, buche, kaufe!» aussprechen. Und auch wenn nicht alle heiratswilligen Paare dem Mythos vom perfekten Tag huldigen: Wer keine romantischen Gefühle dem Ja-Wort gegenüber hegt, der werfe den ersten ..., nun ja, vielleicht nicht den Brautstrauss.

Sinn für Romantik und Budget mit Obergrenze

Ob sie ein klassisches Brautstrausswerfen machen will, muss sich Jasmin Huber zwar noch überlegen. Sinn für Romantik hat sie aber auf alle Fälle: Dass ihre Robe weiss und prinzessinnenmässig sein soll, weiss sie bereits. Sie ist mit ihrem künftigen Ehemann Roger Berger an der Hochzeitsmesse. Für beide muss der Hochzeitstag nicht DER perfekte Tag werden: «Aber ein perfekter Tag, das schon.»

Jasmin Huber und Roger Berger
Jasmin Huber und Roger Berger (Bild: Mirjam Oertli)

Zwischen dem Heiratsantrag und dem Hochzeitsdatum liegt ein Jahr für die Planung, im September ist es so weit. Die Locations, einen Bauernhof für den Apéro und einen festlichen Raum für die Feier, haben sie bereits gebucht. Auch bei den Ringen sind sie nun heute an der Messe fündig geworden: Platin, soviel sei verraten. «Jetzt brauchen wir nur noch Musik und Kleider», so Huber, die künftig Berger heissen wird, trotz neuem Namensrecht, das keinen gemeinsamen Familiennamen mehr verlangt. Sie möchte die Ehe damit auch «nach aussen sichtbar» machen. Geheiratet wird, «weil es einfach stimmt».

«Es gibt nicht mehr nur Brautmode, Fotografie und Schmuck, sondern eben auch freie Zeremonien oder Fitnessprogramme.»

Patrik Haf, Hochzeitsmesse-Inhaber

Gerechnet hatten sie dabei ursprünglich mit einem Budget von 7000 Franken. Inzwischen mussten sie es auf maximal 20’000 Franken erhöhen, auch wenn das Fest einfach gemütlich werden soll. Vor allem müsse es ihnen entsprechen, nicht den Gästen. Geheiratet wird denn auch nicht in der Kirche, sondern mit einer freien Trauung.

Freestyle-Hochzeit versus Kirchen-Klassiker

Damit entspricht das Paar gemäss Hochzeitsmesse-Inhaber Patrik Haf einem deutlichen Trend: «Vor fünf Jahren hatten wir unter den Ausstellern noch die Landeskirchen. Heute sind es eher freie Theologen oder ehemalige Standesbeamte, die auf das Paar abgestimmte Zeremonien anbieten.»

Überhaupt sei die Branchenvielfalt einiges grösser geworden. «Es gibt nicht mehr nur Brautmode, Fotografie und Schmuck, sondern eben auch freie Zeremonien oder Fitnessprogramme.» Ein perfekter Body kann nicht schaden, wenn es darum geht, einen perfekten Tag zu erleben. Die neuen Zeremonieangebote sieht Haf darin begründet, dass vielen das Korsett der Kirche zu eng geworden ist.

Dennoch: «Noch wählen 60 bis 70 Prozent der Paare hier die kirchliche Trauung», so Haf. Ob der klassische Weg zum Altar der Verwandtschaft zuliebe oder aus eigenem Antrieb genommen wird, lässt er offen.

Als Location besonders gefragt seien aktuell Orte am Wasser. «Schöne Räumlichkeiten rund um den Vierwaldstättersee sind an Wochenenden teilweise über ein Jahr ausgebucht.» Eher rückläufig ist die Nachfrage nach eigentlichen Wedding Plannern, die von A bis Z die Organisation übernehmen. «Das ist vielen Leuten zu kostspielig.»

Patrik Haf
Patrik Haf (Bild: Mirjam Oertli)

Stattdessen geht man zur Messe: 2500 bis 3000 Besucherinnen und Besucher erwartet Haf. «80 Prozent davon sind Paare.» Von ihnen sei etwa ein Drittel entweder in Erwartung oder bereits Eltern – auch aus diesem Grund findet parallel zur Hochzeitsmesse zum zweiten Mal die «Babyworld» statt. Die restlichen 20 Prozent der Besucherinnen und Besucher seien Frauen, die mit Freundinnen kommen, oder Töchter mit Müttern. «Männer allein sieht man selten», sagt Haf. Auch schon, sagt er schmunzelnd, habe er Männer gesehen, die zum Besuch gezwungen worden seien. Dennoch mag er das verbreitete Klischee, dass die Hochzeitsplanung oft ganz in Händen der Braut liegt, nicht hundertprozentig bejahen.

Eine Hochzeit für 200’000 Franken? Locker möglich.

Ohne Männer sind auch die Freundinnen Sabrina Albisser und Nina Sonderegger an die Messe gekommen. Nun, wie Bridezillas – eine Mischung aus «bride» für Braut und dem Filmmonster «Godzilla» – die absolutistisch über die Vorbereitungen herrschen, sehen sie nicht aus. Sie seien zufällig ohne künftige Gatten hier, ansonsten werde gleichberechtigt geplant. Sonderegger fährt im Oktober am Wasser in den sprichwörtlichen Ehehafen, genauer auf einem edlen Gutshof am Bielersee. 150 Personen sind zum Apéro geladen, rund 60 zum Fest.

«Warum wir heiraten? Aus Liebe. Rational begründen lässt sich das nicht.»

Nina Sonderegger

Heute will sie sich nach einem Kleid umsehen. «Eines aus Chiffon, nicht aus Tüll, und weiss, das schon», sagt Sonderegger. Ihre Freundin hat noch etwas mehr Zeit, ihr Tag der Tage ist auf 2018 geplant. Dennoch spüren beide den Organisationsstress, auch Albisser: «Wir haben die Location noch nicht. Das wollen wir jetzt in Angriff nehmen.» Sie habe zwar schon geträumt, dass sie ihre eigene Hochzeit verpasse. Doch zu sehr stressen lassen will sie sich von der Planung nicht.

«Warum wir heiraten? Aus Liebe. Rational begründen lässt sich das nicht», sagt Sonderegger, die sich für eine kirchliche Trauung entschieden hat. «Uns geht es darum, mit einem Fest zu zeigen: Wir gehören zusammen», so Albisser. Die beiden lachen. Und fügen hinzu: «Selbst wenn es nicht in jedem Fall für immer gelten mag. Dann ist es halt unser Ziel, die Statistik zu verbessern.»

Auch bei ihnen liegt die Budget-Schmerzgrenze bei 20’000 Franken. «Das ist schnell erreicht», sagt Albisser. «Man könnte locker 200’000 Franken ausgeben. Zudem gibt es so viele Angebote, dass man glatt fünfmal heiraten könnte.»

Heiraten aus Liebe! What else?

Nur einmal heiraten wollen auch Friederike Felber und Christoph Schärer. Sie haben sich ein halbes Jahr Zeit genommen für die Planung. Nun rückt der grosse Tag, der 7. April, näher. Auch Friederike Felber wird den Namen ihres künftigen Mannes annehmen: «Manches machen wir ganz traditionell. Anderes nicht», sagt sie. So werden auch sie nicht in der Kirche getraut – «das ist uns zu verstaubt» –, sondern machen eine freie Zeremonie.

Friederike Felber und Christoph Schärer
Friederike Felber und Christoph Schärer (Bild: Mirjam Oertli)

In einer Scheune in Egerkingen werden sie den Bund fürs Leben schliessen. «Wir mögen das Rustikale, da waren wir von Anfang an sicher», sagt Felber. Und schlicht soll es sein, auch das Kleid, zumindest «in Richtung weiss» gehen. Auch angesichts des riesigen Angebotes wollen beide sich nicht verunsichern lassen. «Es soll natürlich ein schöner Tag werden. Aber wir wollen uns diesen nicht mit Geld kaufen.» Dass die Planung bei Felber und Schärer voll in Händen der künftigen Ehefrau liegt, daraus macht der Bräutigam keinen Hehl. Auf die Frage, warum geheiratet wird, kommt die Antwort: «Warum nicht?» Und auch hier der Nachtrag, natürlich: «Aus Liebe!»

 

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Und: Nicht immer ist es an der Hochzeitsmesse so idyllisch. Unsere Autorin Barbara Schnyder hat in ihrer Reportage von der Hochzeitsmesse Zug ganz anderes erlebt: Zweideutige Angebote an der Zuger Hochzeitsmesse.

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