Sähe doch gut aus: Uni in Zug für Weltraumzeug und Quantendingens. (Bild: Montage zentralplus)
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Sähe doch gut aus: Uni in Zug für Weltraumzeug und Quantendingens. (Bild: Montage zentralplus)

12min Lesezeit

Wir malen uns die Welt, so wie sie uns gefällt. Und wünschen uns fürs kommende Jahr Sachen, die Wirklichkeit werden könnten – wie den Meistertitel für den EV Zug. Oder: Rüsselbarben für alle. Und besonders: Eine neue Zuger Universität für wirklich wichtige Dinge.

Markus Mathis

Erstens und wichtigstens: Der EV Zug soll wieder mal Schweizer Meister werden. Das wünscht sich wohl nicht nur die Zuger Redaktion von zentralplus. Zeit wärs jedenfalls und dieses Jahr sind wir näher dran als in vielen andern Jahren seit 1998. Und dann haben wir noch ein paar andere Wünsche auf Lager. Denn 2017 soll richtig gut werden.

Josh Holden, schiess den EV Zug zum Meistertitel!
Josh Holden, schiess den EV Zug zum Meistertitel! (Bild: zvg)

Endlich mal Public Wifi

Markus Mathis: Nach all dem Gerede um Bitcoins und die digitale Zukunft für Zug wünsche ich mir, dass mal etwas gemacht wird, das jedermann und jedefrau auch wirklich brauchen kann: WLAN für alle, Public Wifi. Jede Stadt, die etwas auf sich hält, hat Public Wifi: London, Paris, Barcelona hat es, sogar Luzern – und Pforzheim. Sind wir etwa rückständiger als Pforzheim? Und wo liegt das überhaupt?

Vor meinem geistigen Auge sehe ich, dass 2017 zwischen Altstadt, Metalli und Eisstadion Public Wifi eingerichtet wird. Baar will sich natürlich nicht lumpen lassen und schafft kurzerhand Public Wifi zwischen Bahnhof, der Kirche St. Martin und dem Rathaus. Schliesslich erinnert man sich auch bei den Zugerland Verkehrsbetrieben daran, dass die Zeit nicht stillsteht und die letzte Evaluation eines kostenfreien WLANs in den Bussen vier Jahre zurückliegt ...

Sonst wünsche ich mir eigentlich nur, dass die Oesch-Wiese in der Stadt Zug nächstes Jahr endlich mal Badi wird. Ist ja ohnehin für die Zukunft geplant. Ausserdem hätte ich dort gern ein kleines Schwimmstadion mit 50-Meter-Becken. Nicht ganz so gross wie im Lido in Lugano, aber ähnlich. Wenn die Atmosphäre im vergrösserten Strandbad Zug so toll wird wie im Strandbad Thun, dann kann der Sommer kommen. 

Auch das Strandbad in Zug ist seit Samstag wieder geöffnet. Es gilt laut Heimatschutz als eine der schönsten Badis der Schweiz.
Strandbad Zug: Fast so südlich wie Lugano, fast so tolle Aussicht wie Thun. Jetzt brauchen wir es einfach noch viel grösser. (Bild: badi-info.ch)

Ach, einen utopischen Wunschtraum hege ich auch noch. In meiner Fanstasie hören Planer und Politiker 2017 auf, Haltebuchten und Bushaltestellen zurückzubauen. Denn sie erkennen: Künstlichen Verkehrsstaus nerven ungemein. Ausserdem finden sie heraus, dass man statt kostenintensiven Aufpflästerungen auch Schwellen aus Plastik zur Verkehrsberuhigung montieren und so viel Geld sparen könnte.

Ein «Tim Hortons» für Zug

Valeria Wieser: Wie wärs mit einem Asylzentrum mitten in Baar? Täte ja auch mal gut, aus dem Bünzlitrott herauszukommen und einem Kind Deutsch beizubringen, während es einem beibringt, wie man auf eritreisch flucht. Oder Danke sagt. Wir mögen zwar besorgt sein um das Wohlergehen der Geranien unserer Hochparterre-Wohnung und um unseren vergilbten Gartenzwerg. Aber sind wir mal ehrlich. Ist es nicht eh Zeit, sich davon zu verabschieden? Item. Ein Asylzentrum in Baar. Das tät uns gut.

Bald nur noch Fassade: Die traditionsreiche Hauptpost soll geschlossen werden.
Die traditionsreiche Hauptpost braucht dringend eine belebende Zwischennutzung.

Und sonst wär ja noch die 24. Etage des «Park Towers» frei. Da wäre bestimmt Platz für das ein oder andere Kajütenbett, eine Gemeinschaftsküche, und einen öffentlich nutzbaren Aussichtsraum, in dem die Zivilbevölkerung mit den Iranern Teezeremonien abhalten könnte. Apropos leerstehender Raum. Zug braucht auch dieses Jahr eine Zwischennutzung wie «d'Wohnig». Am allerliebsten im Hauptpostgebäude, mitten in Zug, mit Kunstausstellungen, Tangokursen, Senioren-Yoga, äthiopischen Kochabenden und Jazz-Konzerten auf dem Dach.

Und sonst? Eine vernünftige Sauna, die nicht 37 Stutz kostet, weniger Algen im See, die Freilassung der Volière-Vögel in der Stadt Zug und auf die Gefahr hin, in den Verdacht zu geraten, riesige Ketten zu befürworten: Einen «Tim Hortons» in der Stadt. Kennen Sie nicht? Tim Hortons ist das kanadische Kaffeehaus schlechthin. Dieses spannt seit einigen Jahren zu Burger King zusammen und hat darum seinen europäischen Hauptsitz in Zug. Wenn schon, denn schon, finde ich. Da dürft’s also gern auch ein (einziges) solches Café geben. Günstiger, gar nicht so scheusslicher Filterkaffee für lange Arbeitsstunden bis spät in die Nacht, funktionierendes W-Lan, und Jesses, haben Sie schon einmal dieses «Timbits»-Gebäck probiert? Grossartig!

Die Geschmäcker sind verschieden: Valeria Wieser wünscht sich leckeres Gebäck von «Tim Hortons».
Die Geschmäcker sind verschieden: Valeria Wieser wünscht sich leckeres Gebäck von «Tim Hortons». (Bild: flickr/Michael Gil)

Kein Gestank, mehr Strassenkünstler

Marc Benedetti: Ich wünsche mir, dass 2017 in Zug der geruchsfreie Bahnhof erfunden wird, in dem die Bratbuden genauso gut riechen wie die Apotheke oder der Blumenladen.

 

Und dann wünsche ich mir, dass einfach viel mehr los ist in Zug. Keine Tage mehr mit Tote-Hose-Stimmung, an denen vieles geschlossen bleibt. An Sommerabenden wünsche ich mir definitiv mehr Leben auf den Strassen und für die Jugend, dass im öffentlichen Raum mehr Innovatives und Spannendes passiert.

Rüsselbarben für alle!

Lionel Hausheer: Ach, Zug hat schon so viel, aber es gibt immer noch Luft nach oben: Vier Vorschläge, wie man Zug noch «greater again» machen könnte.

Eine Wagenladung siamesischer Rüsselbarbe (ein algenfressender Fisch) in den Zugersee kippen, damit das Kunstwerk «Seesicht» endlich mal wieder Sinn macht. Stellt euch vor, wie unfassbar sauber unser See würde? Und wenn man der südamerikanischen Rüsselbarbe einen roten Bauch malen würde, ginge er sogar als echter Zuger Rötel durch. Jedenfalls für Leute, die den Unterscheid zwischen Forelle und Barsch sowieso nicht schmecken, also die meisten. Und ganz ehrlich: wen interessiert das schon, ist der Fisch erstmal auf dem Teller?

Ein Siamesischer Rüsselbarbe, ein wenig Wachsmalfarbe und schon siehts aus wie der traditionelle Zuger Rötel!
Ein Siamesischer Rüsselbarbe, ein wenig Wachsmalfarbe und schon siehts aus wie der traditionelle Zuger Rötel! (Bild: Montage)

Eine Ausschank-Pflicht für Immobilien mit schöner Aussicht und/oder diesem hippen Altbau-Stil, für den Zuger momentan zwei mittlere Monatslöhne als Miete hinblättern müssen. Die Lieblingsbar in der Altstadt mit Seesicht geht zu? Kein Problem: Klingle einfach in der Altbauwohnung darüber oder im stylischen Anwaltsbüro nebenan, die Eigner würden Ihnen mit Freuden müssten Ihnen Bier oder Kaffee servieren.

Zuger Lokalpolitiker dürfen nur noch in Filmzitaten beliebter Hollywood-klassiker argumentieren. Ich bin mir sicher, der Ton im Zuger Parlament würde sich schlagartig ändern. Und die Debatten würden sehr viel gehaltvoller werden.

Nur noch Filmzitate: Die Gesprächskultur im Zuger Kantonsparlament bekäme einen völlig neuen Drall.
Nur noch Filmzitate: Die Gesprächskultur im Zuger Kantonsparlament bekäme einen völlig neuen Drall. (Bild: montage zentralplus)

Einen Freizeit-Park für Zug. Natürlich nicht einfach so ein paar Wiesen und Bäume, wenn schon, dann richtig. Quasi das Disneyland der Zentralschweiz. Man könnte die Rössliwiese bepflanzen und dort den Themenpark «Waldschratt unchained» einrichten, die Altstadt könnte man unkompliziert zum Geisterhaus umbauen und eine Achterbahn um den Park-Tower würde bestimmt auch ganz gut aussehen.

Eine Uni für Weltraum-Quanten-Dingens

Falco Meyer: Alright, hier meine Wünsche für 2017. Nummer eins: Mehr brennende Visionen mit Herzblut und Courage. Ich weiss. Habe ich mir schon mal gewünscht. Aber nicht bekommen. Wir hatten den Stadttunnel, der gilt. Aber das wars dann auch. Und der war schon vierzig Jahre alt. Der roch schon. Wo bleiben die Verrückten, die uns ihre Träume für die Stadt Zug anzudrehen versuchen? Mehr davon.

Wir legen schon mal vor: Ein Genossenschafts-Wohnhaus für unverhofft vermögenslose Senioren und hoffnungsvolle aber schlechte Kantischüler im alten Postgebäude in der Stadt Zug! Eine neue Uni mit einem Lehrstuhl für was wirklich Wichtiges, zum Beispiel Philosophie! Literatur! Weltraumzeug! Quantendingens! Damit wir auch ein bisschen angeben können. Sonst klingt das immer so berechnend: Wir haben in Zug auch eine Hochschule imfall, wir sind auch wer. Für was? Für äh, (kleinlaut) Finance und Rohstoffhandel und Informatik.

Sähe doch gut aus: Uni in Zug für Weltraumzeug und Quantendingens.
Sähe doch gut aus: Uni in Zug für Weltraumzeug und Quantendingens. (Bild: Montage zentralplus)

Dann wünsche ich mir: Die Weisung, für jedes aus dem Boden gestampfte Bürogebäude ein altes Zuger Haus liebevoll zu renovieren. Oder, wenn es wegen der schon vorgefallenen Zerstörung nötig würde, das Haus nachzubauen. Und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Und zwar als Besetzung für anarchische Jugendliche. Damit die es dann wieder kaputt machen können.

Und dann Wunsch Nummer drei, und jetzt aufgepasst: Mehr Interesse für dich, lieber Kanton. Du bist den Leuten ein bisschen egal geworden. Wahrscheinlich, weil man immer dachte, dir geht es eh gut, so reich und wohlbehütet und im Altersheim und so. Und jetzt wo es dir schlechter geht, da fehlt schlicht die Liebe. Weil du immer so grummlig bist und ein wenig zu selbstbezogen und weil wir alle auch noch was anderes zu tun haben. Und dann fehlt dir nur einmal das Geld und die Hälfte der Leute geht nicht mal abstimmen, wenn du knallhart mit der Sparflamme drohst. Und die andere sagt erst noch «Nein». Das geht dir an die Leber. Dabei hast du uns doch alle gern. Auch wenn du uns die Prämienverbilligung wegnimmst. Deshalb wünsche ich dir: Mehr liebevolles Engagement an der Idee, die du bist. Ein Stück freie Selbstregierung mitten in einer Welt voller noch viel grösserer und egozentrischerer Mächte.

Und viertens wünsche ich dir: Dass du bald damit klarkommst, dass du nicht mehr so reich bist. Das ist wirklich nicht so schlimm.

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