Hat 60 Personen angezeigt: Jolanda Spiess-Hegglin. Viele davon zeigten sich bei der Verhandlung reuig. (Bild: Archiv)
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Hat 60 Personen angezeigt: Jolanda Spiess-Hegglin. Viele davon zeigten sich bei der Verhandlung reuig. (Bild: Archiv)

Jolanda Spiess Hegglin macht Wutbürgern ein «Weihnachtsangebot»

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Eine Chance zum «Ausderweltschaffen einer Dummheit»: Jolanda Spiess-Hegglin hat auf Facebook alle Personen zu einer Spende aufgerufen, gegen die sie Strafanzeige eingereicht hatte. Sie würde ihre Anzeige dann zurückziehen. Das sei keine Erpressung.

Jolanda Spiess-Hegglin hat auf Facebook ein «Weihnachtsangebot an (fast) alle Wutbürger» ausgerichtet, gegen die sie Strafanzeige eingereicht hatte. Wer sich mit einer «grossen» Spende in ihrem Verein «Netzcourage» beteilige, gegen den würde sie ihre Anzeige fallen lassen. «Es ist ein Vorschlag zum Ausderweltschaffen einer Dummheit», schreibt sie darunter, «keine Erpressung.»

Als solche könnte es von der empörungsgesteuerten Kommentarwelt allerdings verstanden werden. Darf man das überhaupt – Anzeige fallen lassen gegen Geld? «Wenn das Angebot aus juristischer Sicht falsch wäre, würde ich es sofort vom Netz nehmen», sagt Jolanda Spiess-Hegglin. «Aber das ist nichts anderes als das Angebot, das ich auch bei der Staatsanwaltschaft vorbringe – und das fast alle angezeigten Personen auch annehmen.»

«Möglichkeit der Wiedergutmachung»

Gegen 60 Personen hatte Spiess-Hegglin Strafanzeige eingereicht – sie hatten sich im Netz mutmasslich strafbar gegen Spiess-Hegglin geäussert. Ein Drittel der Verhandlungen sei schon geführt. «Und wenn wir dann vor der Staatsanwaltschaft sitzen, dann ist es am Ende fast immer so, dass diese Leute ihre Tat bereuen. Das sind ja meistens schwache fünf Minuten, in denen sie so etwas schreiben.»

Die Spende an den Verein sei eine Möglichkeit der Wiedergutmachung, ohne dass der ganze juristische Apparat bemüht werden müsse. «Ich will nicht jedes mal die Schlichtungsbehörde für eine Stunde besetzen, wen das Resultat fast immer dasselbe ist.»

500 bis 1000 Franken

Wie gross genau die Spende sein müsse, orientiere sich am Aufwand der Verhandlung, die geführt werden müsste, wenn Spiess-Hegglin die Anzeige nicht fallen lassen würde. «Also rund 500 bis 1000 Franken. Der Vorteil für die Angeklagten ist, dass sie keinen Eintrag im Strafregister haben. Es gab aber auch schon Leute, denen war das egal.»

«Juristisch gesehen ist es mir überlassen, was ich mit dem Geld mache, das ich bei Vergleichsverhandlungen erziele – ich könnte das auch privat verwenden.»

Jolanda Spiess-Hegglin

Es gehe ihr dabei nicht um finanzielle Bereicherung, im Gegenteil, sagt Spiess-Hegglin: «Juristisch gesehen ist es mir überlassen, was ich mit dem Geld mache, das ich bei Vergleichsverhandlungen erziele – ich könnte das auch privat verwenden», sagt Spiess-Hegglin. «Ich möchte es aber für einen guten Zweck für die Gesellschaft einsetzen, und das kann ich mit unserem Verein Netzcourage.»

Jolanda Spiess-Hegglin hat den Verein zusammen mit Irina Studhalter gegründet. Der Verein hat zum Ziel, Wutbürgern im Netz entgegenzutreten (zentralplus berichtete). «Wir leisten da ehrenamtliche Arbeit, aber brauchen etwas Kapital für den Aufbau.»

Die Angezeigten hätten bis jetzt gut auf diese Möglichkeit reagiert. «Viele sind froh, dass sie die Sache so aus der Welt schaffen können.» Die Verhandlungen würden meistens mit einem freundlichen Händedruck enden, so Spiess-Hegglin. «Es sind auch Kontakte in solchen Verhandlungen entstanden, die immer noch bestehen und fast zu Freundschaften geworden sind.»

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