Der neue «Kulturhighway» führt vom Steghof in Luzern über das Neubad und den Südpol zum Mattenhof in Kriens.
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Der neue «Kulturhighway» führt vom Steghof in Luzern über das Neubad und den Südpol zum Mattenhof in Kriens.

Der Highway nur für Velofahrer

6min Lesezeit

Der neue Veloweg ist offiziell eröffnet: Vom Steghof in Luzern zum Mattenhof in Kriens führt der autofreie «Velohighway». Doch es wird nicht nur gefeiert: Man plant bereits weitere Projekte, wehrt sich gegen ein langsames Image und rüstet sich gegen politischen Widerstand.

Pascal Zeder

Der neue Velo- und Fussweg von Luzern nach Horw ist diesen Freitag offiziell eröffnet worden. Auf dem ehemaligen Zentralbahntrassee entstand über den Sommer ein gut zwei Kilometer langer, komplett autofreier «Velohighway». Markierungen teilen die Strasse für Fussänger und Fahrradfahrer auf. Trotz winterlicher Temperaturen radeln schon die ersten Velofahrer über die neu gebaute Strasse.

Die Stadt Luzern spricht von einem «Meilenstein zur Förderung des Fuss- und Veloverkehrs». Sie teilt mit, es sei absehbar, dass beim Bau die budgetierten Kosten von 4,8 Millionen Franken sogar unterschritten werden, dank preiswerten Offerten und Wiederverwendung des Bahnschotters.

Rot eingezeichnet ist der neue Velo-/Fussweg. Die rosa Pfeile zeigen an, wohin die Velofahrt anschliessend weitergeführt werden kann (Bild: Google Maps/zentralplus).
Rot eingezeichnet ist der neue Velo-/Fussweg. Die rosa Pfeile zeigen an, wohin die Velofahrt anschliessend weitergeführt werden kann (Bild: Google Maps/zentralplus).

Freude beim Südpol

Patrick Müller, künstlerischer Leiter im Südpol, ist erfreut über seinen neuen Arbeitsweg. «Bei uns benützen ihn wohl alle Mitarbeiter, der Weg ist schnell, sicher und weniger gefährlich als der Zugang über die Arsenalstrasse. Durch die neue Belichtungsanlage kann der Weg auch abends gut befahren werden.» Denn die Strecke wird beleuchtet sein. Das Spezielle am System: Über Sensoren wird die Helligkeit der LED-Leuchten angepasst, wann immer ein Velofahrer oder Fussgänger in der Nähe ist. So wird Energie gespart und die Belastung für die Anwohner verringert.

Die wichtigsten Facts zum «Kulturhighway»

  • Der Velo- und Fussweg führt vom Steghof in Luzern bis zum Mattenhof in Kriens.
  • Die Bauarbeiten sind gut ein halbes Jahr früher fertig als geplant.
  • Der «Highway» wird wohl etwas weniger kosten als die budgetierten 4,8 Millionen Franken.
  • Bund und Kanton übernehmen einen Teil der Kosten.
  • Die Umgebungs- und Markierungsarbeiten sowie der Einbau des definitiven Deckbelags dauern noch bis Frühling 2017 an.
  • Im Mai 2017 wird die Fertigstellung mit einem Fest gefeiert.

Auch Besucher des Südpols profitieren vom direkten Weg zum Veranstaltungshaus, von daher ist der «Highway» für das Kulturzentrum ein Gewinn. Sicher wird es auch die Leute des Luzerner Nachtlebens erfreuen, dass die Verbindung von Tribschen bis Südpol nun auf direkter Strecke, gut beleuchtet und abseits des Strassenverkehrs möglich ist.

Umweltpolitische Weichenstellung

Auch von Adrian Borgula, Luzerner Stadtrat (Grüne), gab es lobende Worte. Solche Projekte seien ein wichtiger Teil der städtischen Umweltpolitik, welche vorsieht, den Energieverbrauch und den Ausstoss von Treibhausgasen deutlich zu senken. Er rechnet vor: Mit der Energiemenge, die ein E-Bike für die gesamte Strecke braucht, fahre ein Auto gerade einmal 30 Meter.

Mit dem «Velohighway» besteht neu eine Schnellverbindung in ein Gebiet, das sich in den nächsten Jahren rasant entwickeln wird. Thomas Glatthard erläutert, dass im Raum Luzern Süd in naher Zukunft 15’000 Wohn- und Arbeitsplätze entstehen. Wenn man es nicht schaffe, das Velo als attraktive Alternative zum Auto zu etablieren, werde es auf den Strassen noch enger, als es heute bereits ist.

Feiern die Eröffnung, von links nach rechts: Adrian Borgula (Luzerner Stadtrat), Thomas Glatthard (Gebietsmanager Luzern Süd) und Cyrill Wiget (Gemeindepräsident Kriens)
Feiern die Eröffnung, von links nach rechts: Adrian Borgula (Luzerner Stadtrat), Thomas Glatthard (Gebietsmanager Luzern Süd) und Cyrill Wiget (Gemeindepräsident Kriens)

Nicht blosse Unfallprävention

Trotz der Freude über den neuen Veloweg: Für Cyrill Wiget, Gemeindepräsident von Kriens, sind die Anstrengungen für eine progressive Velopolitik längst nicht abgeschlossen. «Es ist keine Einzelmassnahme, sondern es geht um ein Gesamtkonzept, das weiterverfolgt werden soll», so Wiget. Die Velostrasse soll also kein Unikum bleiben, es sollen weitere ähnliche Projekte folgen. Wiget zeigt sich beispielsweise interessiert an den Plänen rund um das geplante Hochhaus am Bundesplatz, eine Verlängerung der Velostrasse vom Neubad zum Bahnhof zu prüfen.

«Es ist keine Einzelmassnahme, sondern geht um ein Gesamtkonzept.»

Cyrill Wiget, Gemeindepräsident Kriens (Grüne)

Wigets Botschaft ist klar: Es geht um die Umlagerung des Verkehrs auf das Velo. In seinen Augen wird das Potenzial von solchen «Highways» viel zu wenig stark gewichtet. «Es geht nicht bloss um Unfallprävention», betont er. Wenn man mit anderen Städten wie Stockholm oder Amsterdam vergleiche, so würden die Chancen von autofreien Velostrassen hier viel weniger stark wahrgenommen, so Wiget. Er wolle wegkommen vom Image des «Langsamverkehrs», das dem Velo anhaftet. Das Fahrrad sei zusammen mit dem öffentlichen Verkehr die schnellste Form der Fortbewegung in der Stadt.

Politische Herausforderung

Wiget kündigt an, dass man sich nicht auf diesem Erfolg für das Velo ausruhen, sondern den Schwung gleich mitnehmen will. Eigentlich sei vorgesehen, den Veloweg bis zum Luzerner Bahnhof fortzuführen und sowohl Horw wie Kriens bis in die Quartiere hinein für Fahrräder zu erschliessen. Er räumt jedoch ein, dass es politisch weiterhin nicht ganz einfach werden dürfte für velofreundliche Projekte – nicht zuletzt aufgrund der Kosten. Für den «Velohighway» sei es ein grosser Vorteil gewesen, dass der Bund und der Kanton einen finanziellen Beitrag leisteten (siehe Box).

Das Geld ist aber nur ein Punkt. Der Widerstand gegen Velostrassen sei unterschiedlicher Natur, sagt Wiget. So sei Horw grundsätzlich für solche Investitionen ins Boot zu holen, allerdings sei die Gemeinde vor allem an Projekten interessiert, die auf ihrem Territorium umgesetzt werden. Ein konkretes Projekt in Kriens ist die Fortsetzung der Velostrasse durch das Luzerner Bruchquartier, die heute an der Taubenhausstrasse endet. «Dort ist der politische Widerstand aber noch nicht gebrochen», so Wiget.

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