Demo gegen Walfang vor der Galvanik Zug. Anwesend sind neun Aktivisten, zwei Polizisten, zwei Wachleute, drei Zaungäste und ein Journalist. (Bild: mam)
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Demo gegen Walfang vor der Galvanik Zug. Anwesend sind neun Aktivisten, zwei Polizisten, zwei Wachleute, drei Zaungäste und ein Journalist. (Bild: mam)

«Hoffentlich haben wir Negativwerbung gemacht»

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Am Freitagabend protestierten neun Tierschützer vor der Galvanik gegen den Walfang und den Auftritt der färöischen Heavy-Metal-Band «Tyr» in Zug. Die meisten Konzertbesucher merkten nichts davon. Als der Metal-Abend begann, waren die Demonstranten längst weg.

Markus Mathis

Es könnte abends um 17 Uhr in Thorshavn sein: kühler Westwind, Regen fällt, kaum Fussgänger unterwegs. Doch die neun überzeugten Tierschutzaktivisten stehen am Choller in Zug. Mit Transparenten protestieren sie gegen den Walfang auf den Färöer-Inseln, ein Kreuz erinnert an den Tod der grossen Säuger (zentralplus berichtete). Sie haben Kerzen angezündet.

Blaues und grünes Neonlicht gleisst auf dem nassen Asphalt, die Ausfallstrasse ist vom Feierabendverkehr verstopft. Zwei Polizisten machen ihre Runde. «Alles ruhig hier. Hoffentlich bleibt es so.» Später hält einer einen Schwatz mit den Demonstranten, der andere unterhält sich mit den zwei Wachleuten, welche die Galvanik im Auge halten. Die Türe des Konzerthaus bleibt geschlossen. Drei versprengte Zaungäste linsen neugierig zu den Aktivisten rüber.

Demo gegen Walfang vor der Galvanik Zug. Anwesend sind neun Aktivisten, zwei Polizisten, zwei Wachleute, drei Zaungäste und ein Journalist.
Demo gegen Walfang vor der Galvanik Zug. Anwesend sind neun Aktivisten, zwei Polizisten, zwei Wachleute, drei Zaungäste und ein Journalist. (Bild: mam)

«Richtige Männer»

So verläuft am Freitag die Demonstration gegen den Auftritt der färöischen Heavy-Metal-Band «Tyr» in Zug. Ihr Frontsänger Heri Joenson hatte auf den Inseln im Nordatlantik an der ebenso traditionellen wie blutrünstigen Jagd auf Grindwale teilgenommen. Er postete ein Foto davon auf Facebook und schrieb: «Richtige Männer töten ihr Fleisch selber.» (zentralplus berichtete)

Seither sitzen ihm die Tierschützer im Nacken. Und versuchen Auftritte seiner Band zu verhindern. «In Deutschland hat das gut geklappt», sagt Angie Neuhaus, Tierschützerin aus dem Aargau. In der Galvanik klappte es nicht, weil sich die Verantwortlichen nicht erpressen lassen wollten. Neuhaus ärgert das. «Ich hoffe, wir haben für einige Negativwerbung gesorgt», sagt sie und bezieht sich auf den Shitstorm, der im Vorfeld des Abends auf die Galvanik-Leute niedergeprasselt ist. Dass dabei die Netiquette und die Persönlichkeitsrechte der Kulturveranstalter nicht immer gewahrt blieben, gibt sie zu. «Aber wir waren das nicht», sagt sie, «da haben Leute aus vielen Ländern mitgepostet.»

Über Facebook vernetzt

«Wir» bezieht sie auf die Demonstranten – eine kleine Schar Menschen gemischten Geschlechts und Alters. Sie tragen T-Shirts und Caps von Tierschutzvereinigungen. Sie seien aber nicht von einer Organisation, sondern als einzelne Aktivisten untereinander vernetzt, etwa über Facebook.

«Wir tun das ja auch für uns selbst.»

Monica Benoni-Schärer, Tierschützerin

Auf den Färöern sei sie noch nie gewesen, sagt Angie, wohl aber viele ihrer Freunde. «Dem brutalen Gemetzel zuzusehen, das würde ich nicht aushalten.» Sie setzt sich nicht nur für Wale ein, sondern für Tiere allgemein. So habe sie und ihre Freunde gegen die Delphinhaltung im Freizeitpark Connyland im Thurgau protestiert. «Das Delphinarium wurde geschlossen», sagt sie stolz.

Beim Fussballspiel hatte es mehr Publikum

Aus dem Thurgau ist auch Monica Benoni-Schärer angereist. «Wir wollen hier ein Zeichen setzen», sagt sie. «Wir tun das ja auch für uns selbst.» Damit sie sich später nichts vorwerfen müsse, wenn es dereinst keine Wale mehr geben sollte.

Dass die Zahl der Demonstranten überschaubar bleibt, ist für die Tierschützer nicht so schlimm. «Wenigstens haben die Medien über unser Anliegen berichtet», sagt Angie Neuhaus und schaut ein wenig missmutig auf den menschenleeren Vorplatz der Galvanik. «Letzten Sonntag beim Fussballspiel der Schweiz in Luzern gegen die Färöer, da konnten wir mit vielen Passanten sprechen. Sogar ein Polizist hatte Sympathien für uns.»

Es gibt keine schlechte Werbung

Ob sie nicht das Gefühl habe, mit ihrem Aktivismus gleichzeitig Werbung für die Metal-Band Tyr zu machen, gegen die sie eigentlich protestiere? «Nein, das glaube ich nicht.»

«Der Vorverkauf lief viel besser als gedacht.»

Eila Bredhöft, Galvanik Zug

Eine Stunde später sind die neun Aktivisten verschwunden, haben kurz vor 19 Uhr ihre Transparente eingerollt. In der Galvanik legt «Relicseed» als erste von fünf Bands los. Die drei Jungs aus Lettland bearbeiten energisch ihre Instrumente, als Bühnenbild dient das neuste Albumcover von Tyr. Die Färinger spielen erst viel später, Galvanik-Geschäftsführerin Eila Bredhöft kann frische Luft schnappen. «Das war nun ein extrem aufwendiger Abend, der im Vorfeld auch viele Nerven gekostet hat», meint sie. Aber wer weiss, vielleicht habe der Wirbel und die Öffentlichkeit der Galvanik auch genützt. «Jedenfalls lief der Vorverkauf viel besser als gedacht.»

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