Noch legen viele Handwerker Hand an, damit der Anker im Dezember eröffnet werden kann. (Bild: Christine Weber)
Gesellschaft Gastgewerbe

Noch legen viele Handwerker Hand an, damit der Anker im Dezember eröffnet werden kann. (Bild: Christine Weber)

Anker: Wo die Linken palaverten, flanieren bald die Gäste

9min Lesezeit

Der Umbau des geschichtsträchtigen «Anker» ist weit fortgeschritten. Mitte Dezember wird das Traditionshaus am Pilatusplatz unter neuer Führung wieder eröffnet. Ein exklusiver Augenschein auf der Baustelle zeigt: Das neue Hotel mit 40 Zimmern und einem öffentlichen Restaurant im Erdgeschoss wird ein Bijou.

Das ehemalige Volkshaus wurde 1913 eröffnet und war während Jahrzehnten das Stammlokal der SP (zentralplus berichtete). Da, wo früher die linken Genossinnen und Genossen ihre visionären Gedanken ausheckten, schlendern bald Hotelgäste durch die grosszügige Lounge oder verköstigen sich im dazu gehörenden Restaurant. «Wir sind auf Kurs. Der Neueröffnung Mitte Dezember steht nichts im Weg», sagt Bastian Eltschinger, Geschäftsführer Remimag und Projektleiter Anker.

Gute Lösung ist wichtiger als kleine Zeitverzögerung

Die Remimag Gastronomie AG mit Sitz in Rothenburg hat den Anker 2012 gekauft. Nach diversen Zwischennutzungen – unter anderem hatte auch das «La Fourmi» hier eine provisorische Heimat gefunden – haben die Umbauarbeiten 2014 begonnen. Das künftige Boutique-Hotel hat 40 Zimmer und ein öffentliches Restaurant. Die Zimmerpreise bewegen sich je nach Standard und Saison um 100 bis 250 Franken, was in etwa einem Mittelklasse-Hotel entspricht. Ganz oben in der Turm-Suite wird es dann allerdings teurer; doch davon später.

Bastian Eltschinger führt zusammen mit seinem Bruder die Remimag AG und ist Projektleiter des Anker.
Bastian Eltschinger führt zusammen mit seinem Bruder die Remimag AG und ist Projektleiter des Anker. (Bild: Christine Weber)

Die Eröffnung wäre schon für diesen Frühling geplant gewesen. Die zeitliche Verzögerung habe unter anderem mit der aufwendigen Asbestsäuberung und baulichen Herausforderungen zu tun. «Für uns war es prioritär, die besten Lösungen zu finden. Der Umbau soll für die nächsten paar Jahrzehnte bestehen können – das ist wichtiger als eine kleine Zeitverzögerung», sagt Eltschinger, der zusammen mit seinem Bruder der Remimag AG als Geschäftsleiter vorsteht.

«Die alten Strukturen werden so mit dem modernen Ausbau verbunden, dass der Charme des Gebäudes so richtig zur Geltung kommt.»
Bastian Eltschinger, Geschäftsführer Remimag AG Luzern

Noch wuseln Dutzende Handwerker über die sechs Etagen des denkmalgeschützten Gebäudes und legen Hand an. Maurer, Spengler, Gipser, Elektriker – sie alle tragen mit ihrem Knowhow dazu bei, dass dieses Haus auch innen wieder wird, was es mal war: ein städtebauliches Prunkstück. Dass dies gelingt, zeichnet sich im derzeitigen Umbaustadium schon deutlich ab.

Zwar ist der grosszügige Eingangsbereich noch halbwegs im Rohbau und überstellt mit Werkzeug und Maschinen. Aber auch für das Auge von Laien ist klar: Die Raumstruktur des denkmalgeschützten Gebäudes ist vor über hundert Jahren grandios angelegt worden und wird durch den Umbau wieder sicht- und fühlbar gemacht.

Das denkmalgeschützte Hotel Anker am Pilatusplatz Luzern wird im Innern totalsaniert.
Das denkmalgeschützte Hotel Anker am Pilatusplatz Luzern wird im Innern totalsaniert. (Bild: zentral+)

«Die alten Strukturen werden so mit dem modernen Ausbau verbunden, dass der Charme des Gebäudes so richtig zur Geltung kommt», sagt Eltschinger. Er bahnt sich einen Weg durch herumstehende Gipserkübel und aufgerollte Kabel und zeigt diese Idee am Beispiel eines Eckpfeilers im Erdgeschoss. «Die alten Backsteine bleiben bruchstückhaft sichtbar und geben einen guten Kontrast zur modernen Innenarchitektur», erklärt er.

Stützsäulen sind optimal in Szene gesetzt

Im Erdgeschoss befindet sich der Empfangsbereich für die Hotelgäste und in einem nur leicht abgetrennten Bereich das Restaurant, das für rund 80 Gäste Platz bietet. Mittendrin steht ein Cheminee, das für Gemütlichkeit sorgen wird, während auf dem – für die Gäste sichtbaren – Grill feine Speisen gebrutzelt werden. Der grosszügige Raum ist etwa sechs Meter hoch und durch vier Säulen unterteilt. «Das war eine grosse Herausforderung beim Umbau! Wie werden die Säulen integriert, damit die Atmosphäre stimmt und es dennoch praktisch für Gäste und Personal bleibt?», sagt Eltschinger.

Für die optimale Einbindung der Säulen wurde eine Lösung gefunden. Und genauso auch für die vielen anderen Eigenheiten, die den schönen Bau auszeichnen. So wurde etwa der Aufzug in die oberen Stockwerke versetzt, damit durch den ehemaligen Liftschacht ein guter Lichteinfall im Treppenhaus herrscht.

Bald weicht die provisoriche Garderobe der Handwerker und es ziehen Gäste in die Zimmer ein.
Bald weicht die provisorische Garderobe der Handwerker und es ziehen Gäste in die Zimmer ein. (Bild: Christine Weber)

Kein Lärm trotz exponierter Lage

Im ersten Stock befand sich früher der Anker-Saal. Dort wurden neun Zimmer realisiert, die in freistehenden Boxen in den Raum eingepasst sind. Auffallend ist das viele Glas, das eingesetzt wurde – sei es als Unterteilung oder um alte Elemente sichtbar zu lassen. Die Zimmer haben teils freie Sicht auf den Pilatus oder den stark belebten Pilatusplatz. Dank guter Fenster ist der Lärm kaum hörbar und die exponierte Lage gibt dem Hotel einen städtischen Charakter: Hier läuft wortwörtlich etwas.

«Das macht es für die Gäste spannend: Auch bei mehrmaligem Besuch entdecken sie wieder andere Details.»
Bastian Eltschinger

Die Zimmer sind in einer schlichten Eleganz gestaltet, der teils schon vorhandene Farbanstrich in dezenten Tönen gesetzt. Fast in jedem Raum gibt es wieder eine Besonderheit: Hier eine seltsame Biegung, in die ein Schrank eingepasst wird, oder da eine Ecke, die als Beobachtungsposten für Aussicht genutzt werden kann. «Wir versuchten, für alle Eigenheiten eine sinnvolle Verwendung zu finden. Das macht es für die Gäste spannend: Auch bei mehrmaligem Besuch entdecken sie wieder andere Details», sagt Eltschinger.

Die Ausstattung ist schlicht und elegant, die Farbtöne sind dezent gesetzt – auch in den Nasszellen.
Die Ausstattung ist schlicht und elegant, die Farbtöne sind dezent gesetzt – auch in den Nasszellen. (Bild: Christine Weber)

Noch sind die Zimmerpreise nicht konkret festgelegt. «Sie bewegen sich jedoch im Rahmen eines Drei-Sterne-Hotels, je nach Zimmer etwa ab 100 bis 250 pro Nacht», sagt Eltschinger. Bezüglich Preisgestaltung wolle man flexibel sein und saisonale Unterschiede machen. Klar ist: Je höher das Stockwerk, umso attraktiver die Zimmer. Von hier schweift der Blick über die Altstadt auf die Museggtürme. Die rückseitigen Zimmer sind teils denn auch mit grossen Fenstern und Balkons bestückt.

Die Eigenheiten kommen durch die Verbindung von Alt und Neu gut zur Geltung, wie hier auf einem Zwischenboden.
Die Eigenheiten kommen durch die Verbindung von Alt und Neu gut zur Geltung, wie hier auf einem Zwischenboden. (Bild: Christine Weber)

Ein Rundum-Zimmer im Turm

So richtig gediegen wird es in der Turm-Suite. Das teuerste Zimmer kostet pro Nacht voraussichtlich um die 700 Franken und ist zweistöckig. Beziehungsweise: ein Rundum-Zimmer im Turm, inklusive Wendeltreppe. Sehr hübsch, sehr charismatisch. Und auch sonst sind die Gäste dieser Suite privilegiert: Die Dachterrasse gehört mit zum Zimmer und wird nicht von den anderen Gästen mitgenutzt. «Das war anfangs eine Überlegung. Die Bewirtschaftung einer Bar auf dem Dach wäre jedoch viel zu kompliziert, darum gehört das Dach jetzt zur Turm-Suite.»

Die Turm-Suite ist zweistöckig und die Dachterasse gehört auch dazu, inklusive Whirlpool.
Die Turm-Suite ist zweistöckig und die Dachterasse gehört auch dazu, inklusive Whirlpool. (Bild: Christine Weber)

Bei der Remimag AG freut man sich auf die Eröffnung diesen Dezember. Lange geht das nicht mehr – macht das die Betreiber nervös? «Jein. Natürlich gibt es noch viel zu tun, aber bis zu dem Zeitpunkt haben wir alles unter Dach und Fach und werden den Gästen ein schönes Hotel und eine gute Gastronomie präsentieren können», sagt Eltschinger.

Hinweis: Mehr Bilder vom Anker finden Sie hier in der Bildergalerie:

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