In Basel ging am «White Dinner» mit über 5500 Leuten die Post ab. In Luzern ist das anders geplant. (Bild: Pro Innerstadt Basel)
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In Basel ging am «White Dinner» mit über 5500 Leuten die Post ab. In Luzern ist das anders geplant. (Bild: Pro Innerstadt Basel)

Magisches Dinner: In Luzern charmant, in Basel gratis

7min Lesezeit

Schlemmen unter freiem Himmel und in romantischer Atmosphäre. Die Kulinarik-Anlässe ganz in Weiss gibt es von Paris über New York bis Basel und neuerdings auch mitten in Luzern: Der «Friendly Dinner Club Luzern» lädt an die spezielle Tafel. Wo der kulinarische Event über die Bühne geht, bleibt bis am Vorabend geheim.

Das lässt die Herzen von Romantikern höher schlagen: Eine lange, weiss gedeckte Tafel mit üppiger Blumendekoration und Kerzen drauf. Aufgestellt unter freiem Himmel, an einem wunderschönen Ort mitten in Luzern. Platz nehmen können dort bis zu hundert Leute und sie alle sind natürlich weiss gekleidet – das ist schliesslich auch das Motto dieses speziellen Anlasses, der nächstes Wochenende über die Bühne geht: «White Dinner».

«So viel kann ich verraten: Getafelt wird an einem wunderschönen und zentralen Platz in der Stadt.»
Simone Müller-Staubli, Organisatorin «White Dinner»

Ebenfalls zum Konzept gehört, dass erst am Tag vorher verraten wird, wo das gediegene Essen stattfindet. «So viel kann ich ausplaudern: Getafelt wird an einem wunderschönen und zentralen Platz in der Stadt», sagt Simone Müller-Staubli, die zusammen mit Robert Zupan diesen Event organisiert. Die beiden Gastro-Leute haben nach ähnlichem Konzept bereits in der kalten Jahreszeit die «Friendly Dinners» auf die Beine gestellt: Auch diese gingen an speziellen Orten, die erst kurz vor dem Anlass bekannt gegeben wurden, über die Bühne. «Allerdings haben diese Events nie im Freien und auch nicht mit weissem Dresscode stattgefunden», lacht Müller-Staubli.

Gastro-Duo: Simone Müller und Robert Zupan stecken hinter dem «White Dinner Club Luzern».
Hinter dem «White Dinner Club Luzern» steckt das Gastro-Duo Simone Müller und Robert Zupan. (Bild: Manuel Rickenbacher)

Eine Romantikerin sei sie selber nicht unbedingt. «Aber ich mag ästhetische Sachen. Und eine solche Tafel ist einfach umwerfend – schon nur zum Anschauen», sagt sie. Falls es regnen sollte, ist vorgesorgt: «Es gibt eine Schlechtwetter-Variante. Aber es wäre natürlich extrem schade für den Anlass.» Nebst einem 4-Gang-Menü – das mit vielen weissen Komponenten gespickt ist – gibt es für die Teilnehmenden auch optische und musikalische Unterhaltung. Ob das White Dinner auf Anklang stösst, können die Initianten Müller-Staubli und Zupan nur erahnen. «Die Leute müssen sich über unsere Website anmelden und der Freitag ist jedenfalls schon ausverkauft.»

5500 Leute am magischen Picknick in Basel

Die magischen Dinner haben ihren Anfang in New York genommen. Ursprünglich waren es spontane Picknicks, die irgendwo kurzfristig in der Stadt lanciert wurden. Unterdessen hat sich das zum Kult gemausert, auch in der Schweiz gibt es in diversen Städten diese weissen Schlemmereien.

«Ein solcher Mega-Anlass wird das hier natürlich nicht. Das würde auch punkto Organisation aus dem Ruder laufen.»

In Basel etwa platzte das Picknick bei der Durchführung im letzten Herbst aus allen Nähten: Über 5500 Leute haben daran teilgenommen. Mitgebracht haben sie alles selber, vom Geschirr über den eigenen Stuhl und das Picknick bis hin zur weissen Serviette, mit der dann alle gleichzeitig winkten. «Ein solcher Mega-Anlass wird das hier natürlich nicht. Das würde auch punkto Organisation aus dem Ruder laufen.»

In Luzern müssen die Gäste das Portemonnaie zücken

Auch sonst läuft das White Dinner in Luzern ziemlich anders ab: In Luzern bringen die Gäste ihr Picknick nicht selber mit, dafür das Portemonnaie: Der Abend kostet inklusive Essen und Champagner-Schlürfen und Unterhaltung 128 Franken. Dass so viele Leute wie in Basel anrücken werden, ist damit wortwörtlich vom gediegenen Tisch.

Ein solcher Publikumsaufmarsch ist für Luzern am «White Dinner» nicht geplant. (Bild: Pro Innerstadt Basel)
Ein solcher Publikumsaufmarsch ist für Luzern am «White Dinner» nicht geplant. (Bild: Pro Innerstadt Basel)

Die Gastrofrau ist kein unbeschriebenes Blatt

Die 32-jährige Gastronomin Simone Müller-Staubli ist in Luzern kein unbeschriebenes Blatt und hat schon ein paar aussergewöhnliche Sachen angerissen. So zum Beispiel das Projekt «9mal9»: Dabei wurde jeden 9. des Monats ein 9-gängiges Essen für 9 Gäste aufgetischt. Angerichtet wurde zuerst im Abbruchhaus B16 an der Bundesstrasse, das unterdessen abgerissen wurde. Seither geht es mit neuem Konzept im «Bodoni» an der Sentimattstrasse weiter: Dort, wo früher die Druckmaschinen ratterten, wird im Februar an 9 Tagen ein Abend in 9 Akten stattfinden.

«Wir stellen immer alles von A bis Z selber auf die Beine. Das ist anstrengend, macht aber auch Spass.»

Solche Pop-up-Projekte kommen beim Publikum gut an, organisatorisch sind sie jedoch aufwendig. «Wir stellen immer alles von A bis Z selber auf die Beine. Das ist anstrengend, macht aber auch Spass», sagt Müller, die bei ihren Projekten mit jeweils unterschiedlichen Leuten zusammenarbeitet. Seit diesem Juni betreibt sie gemeinsam mit dem Mill'Feuille-Gründer Samuel Vörös auch das Restaurant «Zur Werkstatt» an der Waldstätterstrasse 18 in Luzern (zentralplus berichtete). Auch hier läuft alles etwas anders als in einem gewöhnlichen Gastbetrieb. «Es gibt eine Koch- und Barwerkstatt. Die Gäste können unter Anleitung auch selber ausprobieren und Apéros oder andere Sachen zubereiten.»

Das Restaurant «Zur Werkstatt» an der Waldstätterstrasse 18 hat im Juni eröffnet. (Bild: zVg)
Das Restaurant «Zur Werkstatt» an der Waldstätterstrasse 18 hat im Juni eröffnet. (Bild: zVg)

Die verschiedenen Projekte halten die umtriebige Gastro-Frau auf Trab, einen Unterschied zwischen Arbeit und Freizeit gibt's darum nicht bei ihr. «Ein 08/15-Job ist es natürlich nicht. Ich bin viel unterwegs und da vermischen sich Freitzeit und Arbeit.» Am Herzen liegt Simone Müller alles, was mit Konzept zu tun hat. «So ein roter Faden macht es einfacher, Geschichten zu erzählen. Dadurch können Gäste einen Anlass mit allen Sinnen erleben», sagt sie. Genau das findet sie denn auch an den «White Dinner»-Anlässen faszinierend – dass hier der rote Faden weiss ist, versteht sich von selbst.

Bereits ausverkauft ist das magische Dinner am Freitag, 19. August. Für den darauffolgenden Samstag hat es noch Plätze (siehe Links zum Artikel).

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