Anhalten oder nicht? Der verwirrende Stopp an der Kreuzung Bruch-/Pilatusstrasse.  (Bild: jwy)
Gesellschaft Verkehr

Anhalten oder nicht? Der verwirrende Stopp an der Kreuzung Bruch-/Pilatusstrasse.  (Bild: jwy)

Velofahrer verunsichert: Stopp aufgehoben – nun wieder da

4min Lesezeit

Glückliche Radler, murrende Autofahrer: Seit einer Woche hat Luzern eine Velostrasse. Und jetzt, wo man sich langsam an die geänderten Vortrittsregeln gewöhnt hat, sorgt eine vermeintlich aufgehobene Stoppstrasse für Verwirrung. Was gilt denn jetzt?

Man hat sich nach einer Woche an die neue Veloachse auf der Bruch- und Taubenhausstrasse gewöhnt: Als Velofahrer geniesst man jetzt zwischen Eichhof und Kasernenplatz freie Fahrt, ohne bremsen zu müssen (ausser natürlich an den Fussgängerstreifen). Die Velostrasse ist Teil eines nationalen Pilotprojekts bis 2017 (zentralplus berichtete).

An zwei Kreuzungen hat die Stadt deshalb Stoppstrassen aufgehoben: Wo zuvor der Verkehr von rechts Vortritt hatte, geniesst man seit 1. August auf der Bruchstrasse immer Vortritt gegenüber Einfahrten. Das ist eigentlich schon alles, was sich hinter dem neuen Verkehrsregime verbirgt. Trotzdem musste man angesichts der gehässigen Diskussion in Kommentarspalten und auf Social Media um den Frieden auf Luzerns Strassen fürchten (zentralplus kommentierte).

Alle halten an

Doch wie fast immer bei Veränderungen: Man arrangiert sich mit der neuen Situation. Und nun aber dies: Auf der Kreuzung Bruch-/Pilatusstrasse ist die zuvor verschwundene weisse Stoppmarkierung auf der Strasse plötzlich wieder sichtbar. Weisse Pflastersteine signalisieren «Stopp». Das sorgte auf der Kreuzung am Montagmorgen für etliche Missverständnisse, wie zentralplus beobachtete.

Ein Pöstler fährt mit dem Töff die Bruchstrasse runter – und hält beim vermeintlichen Stopp an. Das Auto, das gleichzeitig von rechts kommt, tut das Gleiche, es hat schliesslich keinen Vortritt. Was gilt denn jetzt? Einige Sekunden bleiben beide stehen – bis der Pöstler merkt, dass er fahren kann. Diese Szene wiederholte sich mit wechselnden Protagonisten. Gefährlich wurde es nie, da ja eher zu viel als zu wenig gebremst wurde.

Stadt hat das Problem erkannt

Die Erklärung: Die weisse Stopp-Markierung wurde zum Start der Velostrasse mit dunkler Farbe übermalt und so aufgehoben. Doch diese Massnahme hat anscheinend statt bis im Mai 2017 nur gerade eine Woche durchgehalten – die Farbe ist grösstenteils wieder weg.

So hat es am Anfang noch ausgesehen: Die Stopps sind dunkel übermalt.  (Bild: jwy)
So hat es am Anfang noch ausgesehen: Die Stopps sind dunkel übermalt.  (Bild: jwy)

Bei der Stadt Luzern ist das Problem bekannt und erkannt. Martin Urwyler, Veloverantwortlicher beim Tiefbauamt, sagt: «Wir sind dran und schauen, wie wir das wieder hinbekommen.» Das kann heissen: Man nimmt eine bessere Farbe, oder aber man raut die weissen Pflastersteine etwas auf, damit die Farbe besser haftet. Für die Stadt ist klar: Es muss schnell gehen, weil die Situation unbefriedigend ist.

2017 wird eh gebaut

Doch wieso hat man die weissen Pflastersteine nicht einfach durch dunkle ersetzt und so die Markierung dauerhaft entfernt? «Wir möchten es auf möglichst einfache Art und Weise lösen, es soll keine bauliche Massnahme sein», sagt Urwyler. Der Grund: 2017 wird man auf der Bruchstrasse Leitungsarbeiten durchführen und dann wird die ganze Strasse ohnehin aufgerissen und die Pflastersteine ersetzt.

Und was zieht Martin Urwyler nach einer Woche Velostrasse für ein erstes Fazit? «Es gab nicht wahnsinnig viele Rückmeldungen, aber abgesehen von der einen Kreuzung sind wir zufrieden.»

Was ist eine Velostrasse?

Die Stadt Luzern beteiligt sich an einem nationalen Pilotprojekt des Bundesamts für Strassen (ASTRA). Von August 2016 bis Mai 2017 ist auf der Bruch- und auf der Taubenhausstrasse neu eine Velostrasse signalisiert und markiert. Velostrassen sind gegenüber den einmündenden Quartierstrassen vortrittsberechtigt – Velofahrer geniessen dadurch eine zügigere und sichere Fahrt.

Die Bruch- und Taubenhausstrasse sind für den Versuch prädestiniert, weil der Anteil an Velos am Gesamtverkehr heute schon deutlich über 50 Prozent liegt. Bewähren sich die Pilotversuche, werden auf Bundesebene die Gesetze danach angepasst. Neben der Stadt Luzern beteiligen sich die Städte Bern, Basel, Zürich, St. Gallen und La Chaux-de-Fonds am Projekt. Für Fussgänger bedeutet die Velostrasse keine Veränderung: Diese haben auf den Zebrastreifen nach wie vor Vortritt.

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