Blick in die Zukunft: Das Modell zeigt, wie der Fels beim Gletschergarten künftig genutzt werden soll. (Bild: PD)
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Blick in die Zukunft: Das Modell zeigt, wie der Fels beim Gletschergarten künftig genutzt werden soll. (Bild: PD)

Gletschergarten-Frischzellenkur kommt in Fahrt

6min Lesezeit

Die Baubewilligung liegt vor, 17 von 20 Millionen Franken sind beisammen: Jetzt sieht es gut aus für den ambitionierten Totalumbau des Gletschergartens. Doch der Direktor warnt und verweist auf viel, viel Arbeit, die noch bevorsteht.

Luca Wolf

Der Luzerner Gletschergarten beim Löwendenkmal ist eher ein Erlebnis der ruhigen Art. Er wirkt etwas verstaubt und angejahrt – nicht mehr zeitgemäss. Das wird sich nun ziemlich sicher ändern, und zwar von Grund auf.

Denn der Gletschergarten soll bis 2018 komplett erneuert werden. Die Kosten für die Umbauten für das Projekt «Fels» in der Museums- und Parkanlage betragen satte 20 Millionen Franken. Kernstück ist ein Erlebnisrundgang im Felsen. Konkret ist geplant:

  • Fels: Thematischer Erlebnisrundgang im Felsinnern mit unterirdischem Bergsee, vertikalem Gartenhof und Projektionsraum;
  • Park: Weiterentwicklung des denkmalgeschützten Geländes inkl. Erweiterung oberhalb der Felsmauer (Sommerau);
  • Schweizerhaus: Freistellung des denkmalgeschützten Gebäudes durch Rückbau der Annexbauten.

Die Baubewilligung liegt bereits vor. Eine wichtige Hürde hat das ambitionierte Projekt nun diesen Donnerstag im Luzerner Stadtparlament genommen. Die Politiker sorgten mit ihrem einstimmigen Ja zu einem 3-Millionen-Franken-Kredit für einen wichtigen Meilenstein. Auch der Kanton zahlt 3 Millionen ans Projekt. Zusammen mit den von Privaten, Stiftungen sowie Beiträgen von umliegenden Gemeinden gesammelten 11 Millionen Franken sind also bereits 17 Millionen beisammen.

Blick in die Zukunft: Das Modell zeigt, wie der Fels beim Gletschergarten künftig genutzt werden soll.
Blick in die Zukunft: Das Modell zeigt, wie der Fels beim Gletschergarten künftig genutzt werden soll. (Bild: PD)

Direktor hat noch viel Arbeit vor sich

Andreas Burri, Direktor des Gletschergartens, sagt: «Wir freuen uns sehr über diese 3 Millionen und über das damit zum Ausdruck gebrachte Vertrauen der Stadtregierung und des Parlaments.» Mit dem Entscheid des Parlaments würden weitere Millionen ausgelöst. «Die Stadt bekommt für 3 Millionen ein 20 Millionen-Projekt. Ein kluger Entscheid des Stadtparlaments also.» Man hoffe nun, Ende 2017 mit dem Bau beginnen zu können.

«Die Anlage ist schon fast selber museumsreif, eine Gesamtsanierung ist nötig.»

Martina Akermann, SP

Nun fehlen dem Gletschergarten noch 3 Millionen Franken. Burri mahnt denn auch: «Die Projekt ist dann unter Dach und Fach, wenn es ausfinanziert ist. Wir können und wollen nicht 20 Millionen ausgeben, wenn wir nur 17 Millionen haben. Das geht im Gletschergarten nicht.» Man betreibe daher ein permanentes Risiko-Management. «Dass wir das Finanzierungsziel von 20 Millionen nicht erreichen, ist eines der Risiken. Der Stiftungsrat entscheidet im Herbst frei und in Kenntnis der Sachlage über das weitere Vorgehen.»

Seltene Einigkeit im Parlament

Den Auftakt zur Debatte im Stadtparlament machte Sandra Felder (FDP): «Wir glauben an das innovative Projekt und dass das Geld zusammenkommt. Der Gletschergarten ist extrem verankert in der Luzerner Bevölkerung.» Um überleben zu können, seien Erneuerungen aber zwingend nötig. «Die Anlage ist verstaubt und nicht mehr zeitgemäss.»

Martina Akermann von der SP sah das genau so: «Die Anlage ist schon fast selber museumsreif, eine Gesamtsanierung ist nötig.» Der Erlebnisrundgang im Felsen werde sich zu einem Publikumsmagneten entwickeln. «Das Projekt überzeugt uns, die hohen Erstellungskosten sind gerechtfertigt.»

«Das Projekt weckt den Gletschergarten aus dem Dornröschenschlaf.»

András Özvegyi, GLP

In den Kanon stimmte Urban Frye von den Grünen ein: «Vieles der Ausstellung ist nicht schlüssig, ein Sammelsurium von Ausstellungsgegenständen. Jetzt legt uns die Stiftung ein wegweisendes Projekt vor.» Grosse Teile des Gartens sollen wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt werden.

Doch am Schluss seines Votums stellte Frye eine Forderung, die vorher nicht bekannt war: «Im Gegenzug zum Kredit der Stadt soll die Gletschergarten-Stiftung den unterirdischen Veranstaltungsraum Luzerner Institutionen und Vereinen zu günstigen Mietkonditionen zur Verfügung stellen.» Dieser Antrag scheiterte jedoch klar, nur die Grünen waren dafür.

Aufwertung und Mehrwert für alle

Support fürs Projekt gab’s auch von der sonst sehr sparsamen SVP, wie Jürg Krähenbühl erklärte: «Wir unterstützen es, die Innenstadt als attraktiven Stadtteil zu stärken. Das Projekt trägt dazu bei.»

András Özvegyi (GLP) ergänzte: «Das Projekt weckt den Gletschergarten aus dem Dornröschenschlaf. Der Kredit der Stadt kann als Hilfe zur Selbsthilfe betrachtet werden.» Das ganze Quartier werde damit aufgewertet. Verglichen mit anderen Ausgaben bekomme die Stadt für dieses Geld einen echten Mehrwert: ein einzigartiges, modernes, attraktiveres Museum samt Park.

Auch Thomas Gmür (CVP) bestätigte: «Mit dem Projekt haben uns die Verantwortlichen etwas sehr Interessantes vorgelegt. Es wird quasi ein neues Museum gebaut. Man kann die Erdgeschichte selbst erleben.» Das sei rundum unterstützenswert.

Schönes Abschiedsgeschenk für Stämmer

Der selten einstimmig positive Tenor sorgte natürlich für gute Laune bei der abtretenden SP-Stadträtin Ursula Stämmer: «Ich freue mich auch sehr, weil das hier mein letztes Geschäft sein wird und hoffentlich einstimmig, ohne Enthaltungen, angenommen wird.» Das Parlament setze hier ein tolles Zeichen für ein tolles Projekt. Und das Parlament erfüllte ihr den Wunsch und stimmte einstimmig und ohne Enthaltung für den Kredit.

Der Gletschergarten gehört mit rund 120’000 Besuchern jährlich zu den 20 meistbesuchten Museen der Schweiz. Es ist in Luzern nach dem Verkehrshaus das zweitbest besuchte. Allerdings gingen die Besucherzahlen in den letzten Jahren stets etwas zurück – mit der Totalsanierung soll sich das ändern.

Der Gletschergarten ist ein Besuchermagnet seit 1873. Damals fand die Familie Amrein-Troller bei Bauarbeiten für einen Weinkeller die «Gletschertöpfe» unter ihrem Haus, die später freigelegt wurden.
Der Gletschergarten ist ein Besuchermagnet seit 1873. Damals fand die Familie Amrein-Troller bei Bauarbeiten für einen Weinkeller die «Gletschertöpfe» unter ihrem Haus, die später freigelegt wurden.

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