Grillieren bleibt in der Ufschötti erlaubt, aber nicht mehr überall. (Bild: zvg)
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Grillieren bleibt in der Ufschötti erlaubt, aber nicht mehr überall. (Bild: zvg)

Wo Wurst ist, ist auch Rauch! Ufschötti-Anwohner erreichen Teilsieg

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Die Ufschötti Luzern wird von vielen genutzt: zum Bädele, Hängen, Spielen und eben auch Grillieren. Das passt nicht allen – denn wo gebrätelt wird, gibt es Rauch und oft auch Lärm. Die Anwohnerschaft am Alpenquai setzt sich jetzt durch, ab sofort heisst es: weniger grillieren!


 

Vor einigen Wochen haben Anwohner des Alpenquais und der Landenbergstrasse der Stadt Luzern eine Unterschriftensammlung überreicht. Mit dem Schreiben verlangten sie von der Stadt Luzern Massnahmen, um die Auswirkungen der regen Grilltätigkeit auf der Ufschötti für die Anwohnenden auf ein erträgliches Mass zu reduzieren.

Jetzt haben die Anwohner einen Teilerfolg erreicht: Die Stadt reagiert mit Sofortmassnahmen, die vorläufig bis zum Saionende gelten und danach ausgewertet werden sollen (zentralplus berichtete).

Auf dem Gelände gegen den Alpenquai hin darf nicht mehr grilliert werden.
Auf dem Gelände gegen den Alpenquai hin darf nicht mehr grilliert werden. (Bild: zVg Stadt Luzern)

Kompromiss in der Causa Wurst

Seitens Stadt verstehe man das Anliegen und möchte dazu beitragen, dass sich die Situation verbessere, heisst es in der aktuellen Mitteilung zur Causa Wurst. Beschlossen wurde Folgendes:

  • Im südlichen Teil der Ufschötti (Nähe Alpenquai) ist das Grillieren ab sofort untersagt. SIP und Sicherheitsdienst werden die Ufschötti-Gäste darauf hinweisen, dass Grillieren in diesem Bereich aus Rücksicht auf die Anwohnerschaft zu unterlassen ist.

  • Im nördlichen Teil der Ufschötti (Nähe See) lässt die Stadtgärtnerei Bodenplatten in den Rasen ein. Diese feuerfeste Unterlage steht den Leuten für ihre portablen Grills zur Verfügung. Damit sollen insbesondere Schäden am Rasen durch Einweggrills weiter reduziert werden.

Die ab jetzt geltenden Massnahmen sind ein Kompromiss: Die Wurst darf zwar weiterhin auf den Grill gelegt werden – aber nicht mehr überall. Und dort, wo es erlaubt ist, soll kontrollierter grilliert werden. Geplant waren auch schon krassere Massnahmen: 2010 wurde ein Grillverbot für das ganze Gelände ins Auge gefasst.

Guerilla-Gruppe und politischer Vorstoss

Die Aktivitäten in der Ufschötti sorgten schon mehr als einmal für heisse Köpfe, darum wurde 2010 das erwähnte Grillverbot auf dem ganzen Gelände geprüft. Ein Vorhaben, das auf massiven Widerstand stiess: Auf Facebook gab es von empörten Ufschötti-Gästen einen Aufruf zum Guerilla-Grillen und die grünen Grossstadträte Hans Stutz und Monika Senn reichten auf politischer Ebene einen Vorstoss mit dem Titel «Kein Grillverbot im öffentlichen Raum» ein.

Das Anliegen wurde wieder begraben, auf der Ufschötti ist seither fleissig weitergrilliert worden.

«Je weniger Verbote auf der Ufschötti, umso besser.»
Heinrich Bachmann, Vizepräsident Quartierverein Tribschen-Langensand

«Man kann nicht alles verbieten, was einem nicht passt», begründete Stutz 2010 sein Engagement gegen das Grillverbot. Das sehen auch andere so. Der Quartierverein Langensand sagt auf Nachfrage von zentralplus, dass die Unterschriftensammlung nicht von ihnen lanciert worden sei. «Die Initiative wurde direkt von Nachbarn ergriffen, die sich wegen ihrer Nähe zur Ufschötti von Rauch und manchmal auch Musik gestört fühlen. Der Quartierverein ist da nicht involviert», sagt Heinrich Bachmann, Vizepräsident und Medienverantwortlicher Quartierverein Tribschen-Langensand.

Nicht alle haben eine so privilegierte Wohnlage

Bachmann findet es gut, dass die Ufschötti als öffentlicher Raum von vielen Leuten genutzt wird und sie sich möglichst frei bewegen können. «Hier ist einer der letzten Freiräume direkt am See. Und das soll von allen genutzt werden dürfen. Ich bin der Meinung: je weniger Verbote, desto besser.»

Dass es für Anwohnende manchmal laut und rauchig ist, kann Bachmann zwar nachvollziehen. Trotzdem ist er überzeugt, dass es mit gegenseitiger Rücksichtnahme und Respekt möglich ist, nicht übermässig viele Einschränkungen vornehmen zu müssen. «Wer an einer so schönen Lage wohnt, muss bis zu einem gewissen Mass auch etwas in Kauf nehmen: Schliesslich haben nicht alle eine so tolle Wohnlage mit Balkon und Seenähe, und für die andern ist die Ufschötti ein wichtiger Freiraum.»

Infotafeln rufen zu Rücksichtnahme auf

Grundsätzlich ist es auch das Ziel der Stadt, dass die Ufschötti ein Ort bleibt, an dem sich alle wohlfühlen, erholen und vergnügen können. Darum werde bewusst darauf verzichtet, für diesen Platz mehr Regeln zu definieren als für andere öffentliche Orte in der Stadt Luzern.

Unter dem Motto «Unsere Ufschötti – gemeinsam Sorge tragen» appellieren seit zwei Jahren Informationstafeln bei den Zugängen an die Nutzenden, gegenüber den anderen Gästen und auch gegenüber der Anwohnerschaft Respekt zu zeigen und ihnen rücksichtsvoll zu begegnen.

 

 

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