Keine Route für Fans: Maurice Illi in der Passage vom Bahnhof zum Ausgang Uni/Velostation. (Bild: Christine Weber)
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Keine Route für Fans: Maurice Illi in der Passage vom Bahnhof zum Ausgang Uni/Velostation. (Bild: Christine Weber)

Kein Tunnel für Fussballfans

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Ziehen die Fussballfans per Bus oder zu Fuss zum Stadion Allmend, kommt es immer wieder zu brenzligen Situationen. Das ist nervig, mühsam und kostspielig. Darum wurde eine spezielle Gäste-Fanroute geprüft. Diese Idee ist bereits wieder begraben. Drei Gründe gaben den Ausschlag.

 

Die Idee ist von den FCL-Fans und tönt gut: So sollen bei Spielen, an denen die auswärtigen Fans mit Extrazügen angekarrt werden, nicht mehr über die Zentralstrasse via Bundesplatz in die Allmend transportiert werden, sondern genau in die umgekehrte Richtung: Vom Gleis 3 ginge es den Hinterausgang runter in die Passage und dort via alten Posttunnel bis zum Ausgang bei der Uni, danach per Bus weiter übers Inseli/Geissensteinquartier zum Stadion.

Die Vorteile dieser neuen Route liegen auf der Hand: Die Zentralstrasse muss für den Verkehr nicht mehr gesperrt werden, beim Brennpunkt Bundesplatz/Fanlokal Zone 5 kommt es zu keinen Scharmützeln der Fangruppen mehr und in den Quartieren Hirschmatt und Neustadt sieht es vor lauter Wasserwerfern und Kastenwägen nicht mehr aus wie in einem «Bürgerkriegsgebiet».

«Die Vorabklärungen sind gescheitert, das Projekt wurde begraben.»
Maurice Illi, Sicherheitsbeauftragter Stadt Luzern

Was einleuchtend tönt, hat seine Tücken. «Das Projekt ist schon an den Vorabklärungen gescheitert und wurde begraben», bringt es Maurice Illi, Sicherheitsmanager der Stadt Luzern, auf den Punkt. Während der letzten Monate haben sich Fans, Quartierverein und die Fanarbeit sowie Fachleute von Stadt und Kanton, SBB und der Luzerner Polizei mit dieser Route auseinandergesetzt und sind zum Schluss gekommen, dass es zu wenig Verbesserungspotenzial im Vergleich zur heutigen Situation hätte. Zusammenfassend sagt Illi: «Neue Schwierigkeiten und Herausforderungen bei dieser Routenführung hätten die erreichten Verbesserungen wieder aufgehoben.»

Sicherheitsbedenken und Konkurrenz zu geplanter Velostation

Geprüft wurden zwei Varianten. Bei beiden wären die Fans direkt von den Gleisen in die Passage nach unten geführt worden. Bei der einen vom Gleis 3 her (wo auch jetzt die Extrazüge halten), bei der anderen vom Gleis 10/11 her.

Fanroute durch Tunnel (rot), Fanroute über Zentralstrasse (grün).
Fanroute durch Tunnel (rot), Fanroute über Zentralstrasse (grün).
Parallel zur öffentlichen Passage gibt es einen alten Posttunnel, der heute stillgelegt ist. Durch diesen hätten die Fans geschleust werden können. Der Tunnelabschnitt mündet nach einer Strecke von rund 120 Metern (bei Variante ab Gleis 3) beziehungsweise etwa 60 Metern (bei Variante ab Gleis 10/11) wieder in die bereits bestehende Unterführung, die zum Ausgang Velostation/Uni führt. Bei beiden Varianten hätte es nicht viel mehr als einen Wanddurchbruch benötigt, um diese Route zu realisieren – also eine relativ einfache Massnahme. Gescheitert ist das Vorhaben gemäss Illi denn auch nicht daran, sondern an folgenden drei Punkten:

  • Bedenken der SBB: Die neue Situation (Ankunft auf Gleis 10/11) hätte sich allenfalls negativ auf den Bahnverkehr ausgewirkt: Wenn an dieser Stelle von Fans die Notbremse gezogen wird, wie das nicht selten vorkommt, steht ein Extrazug sozusagen quer auf dem Gleisfeld und blockiert damit den gesamten Bahnverkehr.
  • Bedenken der Luzerner Polizei: Tunnels sind generell ein grösseres Sicherheitsrisiko, wenn sie von vielen Menschen gleichzeitig passiert werden. Wenn es sich dabei noch um aufgedrehte oder aggressive Fans handelt, erst recht.  
  • Geplante Velostation: Auf diesem Abschnitt der Passage ist mittelfristig eine Velostation geplant. Die Fans müssten sich dann den sowieso schon engen Raum mit 430 Velos teilen – eine Vorstellung mit absehbarem Ausgang.

Die Skepsis war entsprechend dieser Bedenken von Beginn an zu gross, um die Route einem konkreten Test zu unterziehen und auszuprobieren (mit Wanddurchbruch des besagten Tunnelabschnitts, entsprechenden Absperrungen und so weiter) und dafür entsprechende Vorinvestitionen zu tätigen. «Den Beteiligten schienen Aufwand und Ertrag nicht gerechtfertigt, um einen solchen Test durchzuführen», sagt Illi. Langer Rede, kurzer Sinn: Die Idee aus dem FCL-Fankreis wird zwar von allen Beteiligten als engagiert gelobt, umgesetzt wird sie jedoch nicht. 

«Das ist, als würden drei kläffende Hunde aufeinander losgehen und unser Quartier ist dafür unfreiwillig die Bühne.»
Markus Schulthess, Co-Präsident Quartierverein Hirschmatt-Neustadt

Quartier als Bühne für drei kläffende Hunde

Beim Quartierverein Hirschmatt-Neustadt zeigt man sich darüber nicht wirklich erstaunt. «Es ist ja nicht das erste Mal, dass diesbezüglich neue Wege gesucht und nicht gefunden wurden», sagt Markus Schulthess, Co-Präsident des Quartiervereins. So wurde etwa ein «Fanperron» vor allem aus Kostengründen verworfen, das auch einmal diskutiert wurde (zentralplus berichtete). Schulthess zeigt zwar Verständnis dafür, dass es schwierig ist, eine bessere Lösung für die heutige Situation zu finden. Trotzdem ist man im Quartier etwas enttäuscht, dass auch aus dieser Idee wieder nichts wird und keine neue Bewegung in die Sache kommt. «Der Wille zur Veränderung scheint von allen Beteiligten nicht wirklich gross zu sein – es bleibt jedenfalls immer bei Ideen, die dann doch nicht konkretisiert und realisiert werden», sagt Schulthess.

Das Quartier Hirschmatt-Neustadt ist von Auseinandersetzungen der jeweiligen Fangruppen und dem entsprechenden Polizeieinsatz besonders betroffen, wenn es rund um den Bundesplatz brenzlig wird. «Das ist, als würden drei kläffende Hunde aufeinander losgehen und unser Quartier ist dafür unfreiwillig die Bühne», sagt Schulthess, der selber auch noch Ideen zum Ausprobieren in der Pipeline hätte: «Warum die Fans nicht einmal als Gäste empfangen statt als potenzielle Chaoten? Das könnte seitens Fanarbeit und Polizei ja auch mal einen Versuch wert sein.»

 

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