Marco Meier und Stephan Dräyer (links) machen in Emmenbrücke ihren Nerd-Laden auf. (Bild: Facebookseite Freakatorium)
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Marco Meier und Stephan Dräyer (links) machen in Emmenbrücke ihren Nerd-Laden auf. (Bild: Facebookseite Freakatorium)

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Superheldenfiguren, Waffen, Comics und Kostümteile – ein Nerd-Laden wie aus «The Big Bang Theory» soll es werden. Marco Meier und Stephan Dräyer wollen im August in Emmenbrücke das «Freakatorium» eröffnen. Doch noch fehlt dafür etwas Zentrales.

Die Nerds sind auf dem aufsteigenden Ast. Ein Freak zu sein, ist seit den ganzen Hypes um Herr der Ringe, Harry Potter, Star Wars oder Game of Thrones immer cooler geworden. Auch wenn das Wort cool selbst nicht mehr cool ist.

Doch Mittelalterfeste boomen, schräge Brettspiele finden sich in fast allen Haushalten, und «The Big Bang Theory» läuft auf mehreren Sendern in gefühlter Dauerschleife.

In Rollen und seltsame Kostüme schlüpfen

Die beiden Luzerner Marco Meier und Stephan Dräyer hatten schon immer ein Faible für das Ungewöhnliche und Freakige. Schon als Kinder hätten sich die beiden in Games und Comics vergraben. «Und wir sind auch extrem geschichtsvernarrt», so Meier. Damit meint er jedoch nicht nur die historische Geschichte – sondern alle Geschichten. Solche von anderen Welten und aus möglichen Versionen der unsrigen.

In Rollen zu schlüpfen und sich je nach Anlass unterschiedlich zu kostümieren, ist ein grosser Teil ihrer Leidenschaft. Der 29-jährige Marco Meier nennt sich in der Steampunk-Szene Prof. Wolfenstein oder – wenn er in der Welt des Mittelalters unterwegs ist – Wolf von Wolfenstein. Der 39-jährige Dräyer wird als Steampunk zu Dr. Zorno. Oder dann zum Hoch-Adligen Tregorius von Rothenburg. «Mit seinem Mittelalter-Strampelanzug», amüsiert sich Meier.

Die Freakatorium-Gründer Dr. Zorno und Prof. Wolfenstein im Einsatz. (Bild: Pascal Cavegn zvg)
Die Freakatorium-Gründer Dr. Zorno und Prof. Wolfenstein im Einsatz. (Bild: Pascal Cavegn zvg)

So richtige Nerds eben. «Normal kann jeder», finden Meier, gelernter Automatiker, und Dräyer, der heute als Religionslehrer tätig ist.

Aber erfüllen die beiden auch die vielgeliebten Klischees? Auf den ersten Blick könnte alles passen. Doch bei der Nachfrage stellt sich heraus: Keiner von beiden lebt bei seiner Mutter, ist Asperger wie Sheldon Cooper oder noch Jungfrau. «Wir sind beide glücklich vergeben und können zwar sehr gut über Nerd-Themen und Geschichte fachsimpeln, aber bei der Quantenphysik müssen wir doch passen», lacht Meier.

Eine Lücke für die Nerds schliessen

Richtig gut seien sie bei ihren «Basteleien», zum Beispiel Regenanlagen, Steampunk-Kostümen oder Roboter. Seit mehreren Jahren organisieren die beiden aber vor allem gemeinsame Events. Vor ungefähr zwölf Jahren begannen sie mit Mittelalteranlässen. «Damals gab es vielleicht zwei oder drei solche», betont Dräyer. Heute seien es bereits 48 in der Schweiz. Sie veranstalteten auch abgedrehte Horror-Partys oder grössere Geschichten wie die Gedenkfeier von Sempach als Mittelalter-Reenactment. Dadurch und mit zahlreichen Besuchen verschiedenster Anlässe und Messen haben sich die beiden ein grosses Netzwerk aufgebaut, welches sie jetzt nutzen können.

«In der Schweiz zieht es langsam an, aber gerade in der Zentralschweiz gibt es eine Lücke zu schliessen», so Meier. Mit dem Freakatorium wollen die beiden einen Platz schaffen, welcher allen Nerds und Geeks eine Anlaufstelle sein soll. «Jetzt muss man nach Zürich oder gar ins Ausland fahren, um an diese Produkte zu kommen. Oder man bestellt im Internet und ist schliesslich enttäuscht, wenn man das Produkt in den Händen hält», so Dräyer.

Spenden für den richtigen Start

«Von Freaks für Freaks» ist das Motto des Ladens, der Ende August aufgehen soll. Wenn alles rund läuft. 300 Quadratmeter gross ist das günstige Lokal, welches die beiden per Zufall gefunden haben, gleich hinter der italienischen Kirche in Emmenbrücke.

Damit nach dem Umbau des Raums und der Einrichtung auch das Sortiment von Beginn an viele Wünsche abdeckt, suchen die beiden nun nach finanzieller Unterstützung. «Je mehr zusammenkommt, umso grösser wird die Auswahl gleich von Anfang an sein», so Dräyer. Knapp 2400 Franken sind bereits beim Crowdfunding zusammengekommen. Und bis zu den geplanten 10’000 haben die beiden Nerds noch etwas Zeit.

Denn das Angebot soll von Comics und Büchern, Sammelfiguren, Zubehör, Repliken aus Film und Spiel, über Reenactment-Artikeln wie Römer-Kostümen und Mittelalter-Requisiten, zu Cosplay und vielem mehr reichen. «Wir haben dann teilweise auch richtig hochpreisige Merchandise-Artikel wie Original-Helme aus ‹Game of Thrones› oder ‹Gladiator›.»

Dazu kommen Kunststoffe und andere Materialien, um eigene Kostüme und Rüstungen herzustellen, Retrogames wie Gameboy und eigens gebaute und gebastelte Dinge von Meier und Dräyer. «Wir wollen auch Spiel-Turniere, Diskussionsrunden, Lesungen und Workshops anbieten. Auch Künstler aus der Region sollen ausstellen können», erklärt Meier.

Bei den Comics und Games sind die beiden jedoch zurückhaltend. «Wir arbeiten mit dem Comic-Laden und dem Gameplace in der Stadt zusammen – da können wir uns ergänzen, statt uns zu konkurenzieren», so Dräyer.

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