Die Luzerner Band «Call me Clark» hatte am Samstag an der Luga ihren ersten Auftritt. (Bild: azi)
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Die Luzerner Band «Call me Clark» hatte am Samstag an der Luga ihren ersten Auftritt. (Bild: azi)

«Der Job einer Musikerin ist nur selten glamourös»

10min Lesezeit

Premiere für «Call me Clark»: Die Luzerner Band stand am Samstag an der Luga erstmals auf der Bühne. Es war zwar nicht die Traumlocation für den Auftritt, aber derzeit ist für die jungen Musikerinnen anderes wichtiger. Denn: Frauen haben es im Musikbusiness aus verschiedenen Gründen besonders schwer.

Es ist Samstag, kurz nach zwölf Uhr mittags, und die Halle 2 an der Luga ist ungewohnt leer. Wahrscheinlich sitzen die meisten Messebesucher gerade beim Zmittag oder tummeln sich in der sogenannten «Fresshalle» nebenan. Es dauert noch knapp eine halbe Stunde, bis die Luzerner Band «Call me Clark» die Bühne betreten wird. Es ist das erste Konzert der fünf jungen Musikerinnen, die im Rahmen des «Female Bandworkshops» von «Helvetia rockt» (siehe Box) erste Erfahrungen im Musikbusiness sammeln können.

Obwohl es ihr erster Auftritt als Band ist, sind die jungen Frauen ruhig und entspannt. Liegt es daran, dass die Zeit und der Ort des Konzerts ihr Herz nicht gerade höher schlagen lässt? Die Musikerinnen lachen. «Wir betrachten es als Hauptprobe für unsere kommenden Konzerte», meint Norina Bühlmann, die mit ihren 23 Jahren quasi das «Band-Mami» ist. Zudem sei die Luga ein guter Ort, um sich der Öffentlichkeit vorstellen zu können − auch wenn der Rahmen nicht gerade dem Traum eines Musikers entspräche.

«Es ist uns wichtig, den Job einer Musikerin zu spiegeln, und der ist nur sehr selten glamourös.»
Manuela Jutzi, Projektleiterin bei «Helvetia rockt»
«Es geht nicht primär darum, den Teilnehmerinnen Traumlocations zu bieten. Schliesslich bekommt man diese als eigenständige Band oder Musikerin auch nicht einfach so», erklärt Helvetia rockt-Projektleiterin Manuela Jutzi.

Workshops für junge Musikerinnen in Luzern und Zug

«Helvetia rockt» setzt sich für Frauen in den Sparten Jazz, Pop und Rock ein. Die jungen Frauen erhalten in einem angeleiteten Workshop die Möglichkeit, Banderfahrung zu machen, zu improvisieren und gestalterisch tätig zu sein. Sie üben den Umgang mit Technik und sammeln Auftritts- und Studio-Erfahrungen. Die jungen Musikerinnen vernetzen sich, üben sich im Kritiknehmen und -geben und lernen, mit schwierigen Situationen oder Konflikten umzugehen. Die nächsten Workshops starten im Oktober − nähere Infos finden Sie hier.

«Es ist uns wichtig, den Job einer Musikerin zu spiegeln, und der ist nur sehr selten glamourös.» Das Wichtigste sei, dass die jungen Musikerinnen Live-Erfahrung sammeln können und sich an die Bühne gewöhnen. Deshalb spielen sie auch mehrere Konzerte, unter anderem übrigens am 20. Mai im Treibhaus Luzern.

Von Unsicherheit keine Spur

Doch eins ums andere − nun steht vorerst der erste Auftritt an. Als die Band zu spielen beginnt, drängt sich das Publikum zwar nicht um die vordersten Plätze, aber immerhin: Die Aufmerksamkeit der Luga-Besucher ist da. Und die Band ist motiviert, ihr Bestes zu geben. Von Unsicherheit keine Spur. Man sieht, dass sie es geniessen, auf der Bühne zu stehen. Neben Cover-Songs von Dusty Springfield, AC/DC und Hozier (siehe Video) − Stücke, die sie gemeinsam ausgewählt haben − spielen die Musikerinnen auch einen selbst geschriebenen Song. Das weiss das Publikum mit einem besonderen Applaus zu ehren. 
 

 
Nach knapp 30 Minuten ist das erste Konzert von «Call me Clark» Geschichte − und die Mädels sind sichtlich erfreut darüber, dass es ohne Patzer über die Bühne ging. «Wir harmonieren wunderbar zusammen», sagt Leadsängerin Norina Bühlmann. Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn vor dem «Female Bandworkshop» kannten sie sich noch nicht.
«Es sieht halt nicht klischeemässig ‹hübsch› aus, wenn eine Frau breitbeinig dasteht, der Gitarre fette Riffs entlockt und ins Mikro schreit.»
Manuela Jutzi 

Frauen sind untervertreten

So erging es auch den anderen insgesamt 70 jungen Musikerinnen aus zwölf Kantonen, die im Oktober 2015 in die dritte Ausgabe der «Female Bandworkshop» starteten. Sie wurden von «Helvetia rockt» speziell gefördert. Denn: Noch immer gibt es in der Schweiz zu wenig Musikerinnen. Sowohl an den Schweizer Musik-Hochschulen als auch auf den Bühnen liegt die Frauenquote gerade mal zwischen fünf bis zehn Prozent. «Das zu ändern, ist das Ziel von ‹Helvetia rockt›», erklärt Jutzi. Finanziert wird das Projekt fast ausschliesslich aus Kulturförderungsgeldern des Bundes. Die Teilnehmerinnen selbst bezahlen nur einen symbolischen Betrag. 
 
Projektleiterin Manuela Jutzi will, dass mehr Frauen auf Schweizer Bühnen stehen.
Projektleiterin Manuela Jutzi will, dass mehr Frauen auf Schweizer Bühnen stehen. (Bild: azi)

Es mangelt an weiblichen Vorbildern

Der Rock, Pop wie auch der Jazz seien derzeit klar männerdominierte Musikstile. «Rock wird noch immer stark mit Männlichkeit assoziiert. Es sieht halt nicht klischeemässig ‹hübsch› aus, wenn eine Frau mit E-Gitarre breitbeinig dasteht, der Gitarre fette Riffs entlockt und ins Mikro schreit», so Jutzi weiter. Die Gründe dafür lägen in der Sozialisation, der Gesellschaft und in den bestehenden Bildern darüber, was weiblich und was männlich sei. «Und es mangelt an weiblichen Vorbildern», kritisiert die Projektleiterin.
 
Als Vorbild für die Luzerner Teilnehmerinnen des «Female Bandworkshops» fungierte Martina Berther. Die 31-jährige Berufsmusikerin und Absolventin der Hochschule Luzern − Musik coachte unter anderen «Call me Clark». Dass es als Frau nicht einfach ist, im Musikbusiness Fuss zu fassen, weiss sie aus eigener Erfahrung. «Für junge Frauen ist es schwierig, eine Band zu finden.» Vielfach seien Frauen auch gehemmter als Männer. «Gerade deshalb macht es Sinn, diese Hemmungen in einem geschützten Rahmen abzulegen.»
 
Coach Martina Berther (rechts) gibt letzte Anweisungen vor dem Auftritt an der Luga.
Coach Martina Berther (rechts) gibt letzte Anweisungen vor dem Auftritt an der Luga. (Bild: azi)

«Call me Clark» will weitermachen

Die Erfahrungen und auch die Evaluation der ersten zwei Durchführungen hätten gezeigt, dass Frauen einen solchen Rahmen benötigen, um in diesen männerdominierten Bereich vorzudringen. «Sie trauen sich, Fragen zu stellen, welche sie in einem gemischten Workshop nicht stellen würden», so Berther. Das stärke das Selbstbewusstsein. «Viele der Formationen machen auch nach dem Workshop gemeinsam weiter.»
«Man kann auch für ein Hobby 100 Prozent geben und wer weiss, was die Zukunft bringt.»
Norina Bühlmann, «Call me Clark» 
Und wie sieht es diesbezüglich mit «Call me Clark» aus? «Ein Teil von uns wird sicher weitermachen», so Bühlmann. Doch Berufsmusikerinnen zu werden, das sei nicht ihr Plan. Dafür sei das Leben als Musikerin dann doch zu hart. «Aber man kann auch für ein Hobby 100 Prozent geben und wer weiss, was die Zukunft bringt.»

Info:

Bereits zum fünften Mal widmet sich die Luga-Sonderschau «Jugend – die beste Generation» der Frage, was die heutige Jugend beschäftigt. Auch an diesem Sonntag werden auf der Bühne am Stand in der Halle 2 verschiedene Jugendprojekte präsentiert, um diese der breiten Öffentlichkeit vorzustellen.

Die Luga 2016 nähert sich dem Ende

Am Sonntag ging die Zentralschweizer Frühlingsmesse zu Ende. Hier ein paar Randnotizen rund um das Geschehen:

Hardcore Luga-Fan aus Dänemark macht Ferien in Luzern

Es gibt sie, die ganz krassen Luga-Fans. Peter Curiger, der auf dem Messegelände Lothar-Spiesse verkauft, berichtet von einem Dänen, der täglich vorbeikommt. Er liebe aber nicht nur die feinen Spiesse, sondern die ganze Luga. Er hat eine Woche Ferien genommen, um nach Luzern zu reisen und die Zentralschweizer Frühlingsmesse zu besuchen.

Magere Performance von Regierungsrat Guido Graf 

Im Rahmen des Auftritts des Gastkantons Luzern wurde auch für die Aktion «Luzern tanzt» geworben. Gesundheitsdirektor Guido Graf war zwar anwesend, machte jedoch beim Line-Dance nicht selber mit: «Dafür wäre meine Tochter Rahel, die in der ersten Mannschaft des FC Luzern spielt, geeigneter.» Was genau Fussball mit Rock’n’Roll zu tun haben soll, erschliesst sich zwar nicht ganz, aber immerhin meint Graf, dass er durchaus einen Bezug zum Tanzsport habe. Denn: «Die ganze Politik ist ein Tanz», so der Regierungsrat. Bleibt nur zu hoffen, dass er im Kantonsrat eine bessere Performance hinlegt als an der Luga.

Hätten Sie’s gewusst? Schon im 15. Jahrhundert gab es eine Luga

Bereits früher gab es in Luzern Ausstellungen. So wurde im Jahr 1417 die Frühlingsmesse gegründet, die bis 1957 Bestand hatte. Sie fand auf dem Inseli und dem Bahnhofplatz statt, musste jedoch immer um ihre Existenz kämpfen. Vor dem ersten Weltkrieg wollten die Krämer die Messe abschaffen, mit dem Argument, es brauche keine Marktstände mehr, da es in der Stadt genug Verkaufsgeschäfte gebe. In der Zwischenkriegszeit wurde bemängelt, der Anlass verschandle den Bahnhofplatz und nach dem zweiten Weltkrieg wollten die Stadtväter das Gelände für Parkplätze reservieren. Das Resultat: Luzern verfügte ab Mitte der Fünfzigerjahre nur noch über eine Herbstmesse, die heutige Määs. Bis im Jahr 1980 die erste Luga entstand.

 


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Mehr Eindrücke vom ersten Auftritt der Luzerner Band «Call me Clark» finden Sie hier in unserer Bildergalerie:

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