Der Champion in Action. Alexej springt bis zu 50 cm hoch und 70 cm weit. (Bild: Michael Zurbuchen)
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Der Champion in Action. Alexej springt bis zu 50 cm hoch und 70 cm weit. (Bild: Michael Zurbuchen)

Das ist der beste Hoppel-Hase der Schweiz

5min Lesezeit

An der Luga gibt es einen wahren Spitzensportler: Alexej, das Kaninchen. Er kann viel schneller, höher und weiter springen als seine Artgenossen. Ein wahrer Champion empfängt uns für eine Audienz – es geht um Doping und wir erfahren das Neuste über sein Vaterglück.

Ihre  Majestät gibt uns an der Luga die Ehre. Bescheiden sitzt er im Zelt 11 in seiner Holzbox, knabbert Mais und wartet geduldig auf das nächste Rennen. Darüber seine Eckdaten. Sein Name steht für den Sieg und klingt für alle Gegner wie eine Ansage: «Royal Diamonds Champion Alexej» – wir dürfen ihm für einmal ganz nahe sein und «Alexej» zu ihm sagen.

«Wir nennen ihn Streber.»

Jules Schweizer, Mitglied beim Kleintierzüchterverband

Der König ist drei Jahre alt, Rasse «Farbenzwerg» und hat seinen Namen mehr als verdient. Alexej ist der beste «Kaninhopper», den unser Alpenland zu bieten hat. Und ja, Kaninhop ist eine Sportart: Ein Kaninchen springt ähnlich wie bei Agility möglichst schnell über Hindernisse, während der Besitzer es an einer Leine und einem Brustgeschirr führt. Alexej hat den Schweizer Champion-Titel in seiner Kategorie nun dreimal hintereinander gewonnen. Aber der Meister ist nicht hier, um ein Turnier zu springen, sondern nur, um dem staunenden Fussvolk an der Luga sein Können zu präsentieren.

Kein Doping: Alexej futtert ein ganz gewöhnliches Mais-Korngemisch.
Kein Doping: Alexej futtert ein ganz gewöhnliches Mais-Korngemisch. (Bild: bra)

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Kaninhop wird an der Luga täglich zwischen 11.00 und 14.30 Uhr in der Arena gezeigt. Weitere Informationen zum Sport finden Sie unter kaninhopschweiz.ch.

Jules Schweizer, Betreuer und Mitglied beim Kleintierzüchterverband Waldstätte, sagt über seinen Schützling: «Alexej lebt diesen Sport voll und ganz aus.» Kaninhop entstand vor ca. 35 Jahren in Schweden. Schwedische Kaninchenzüchter wollten ihre Tiere damit ursprünglich nur beschäftigen. Ende der 1970er Jahre gründete sich der erste schwedische Club, der seine Kaninchen nach den Regeln des Springreitens trainierte. Mittlerweile gibt es mehrere Kaninhop-Vereine in fast allen europäischen Ländern. Im deutschsprachigen Raum erfreut sich dieser Sport zunehmender Beliebtheit.

Alexej spring quasi in der Kaninhop-Champions-League: Die schwierigste europäische Klasse, bei der Hindernisse von 50 cm Höhe und 70 cm Länge überhüpft werden müssen. Alexej macht das locker. Er hat’s drauf. Das hat er an der Luga schon mehrmals bewiesen. «Sein Talent liegt wahrscheinlich in seinen Genen», sagt Schweizer. Deshalb liess man ihn züchtungshalber fleissig auf Weibchen rumhoppeln. Das Resultat ist stolzer Nachwuchs. Seine Nachkommen Dimitri und Rasputin sind drauf und dran, sich in den Königsklassen ebenfalls bis zu den Besten durchzuhopsen.

v.l.n.r: Jules Schweizer, Veronika Wermuth und Michael Zurbuchen. Auf der Hand: Dimitri & Rasputin, (Söhne von Alexej) und Giaccomo «der Tessiner».
v.l.n.r: Jules Schweizer, Veronika Wermuth und Michael Zurbuchen. Auf der Hand: Dimitri & Rasputin, (Söhne von Alexej) und Giaccomo «der Tessiner». (Bild: bra)

Kaninchen sind eigentlich ängstlich

Alexej sei lernbegierig, sagt Schweizer. Zudem sei er an Menschen gewöhnt und sehr auf seine Trainerin fixiert. «Wir nennen ihn Streber», sagt der hinter vorgehaltener Hand. Kaninchen sind von Natur aus ängstliche Fluchttiere und springen bei Gefahr nicht über Hindernisse, sondern laufen so schnell wie möglich unter die nächste Deckung. Deshalb sind nur Kaninchen für diesen Sport geeignet, die ungewöhnlich ruhig sind. «Wir bewegen sie durch Lob, Futter, Streicheln oder durch Ausnutzung der natürlichen Neugier zum Springen.»

Trotz der Jagd nach Spitzenresultaten – mit Tierquälerei habe das Ganze wenig zu tun – sagt Schweizer. «Wir bauen zuerst Vertrauen auf, und erst dann arbeiten wir mit den Tieren. Nur wenn das Kaninchen sich wohlfühlt (sich putzt, frisst oder ganz entspannt herumhoppelt), kann man es anleinen und langsam mit ihm laufen, aber immer im Tempo des Kaninchen.»  Wichtig sei auch, die Leine locker zu lassen und nicht an ihr rumzuziehen!

Nicht jedes Kaninchen habe immer Lust zu springen, so Schweizer. Da müsse man auf die Laune und den Charakter des Tieres Rücksicht nehmen. «Vielleicht passt einem das Wetter nicht. Das ist bei uns Menschen auch so.» Mit der Luga ist die Springsaison für die Kleintiere schon bald zu Ende. Im Sommer sei es ihnen zu heiss – Zeit, sich auszuruhen und spazieren zu gehen.

Für Alexej gilt es erst im September wieder ernst. Dann geht es nach Deutschland an die Europameisterschaft. Ist Doping ein Thema? Der Spitzenathlet antwortet weder mit ja noch nein. Er schnüffelt nur gelassen am Stroh. Sein Betreuer übernimmt: «Nein, das ist ganz normales Futter, verschiedene Kornarten, Heu, Mais, Haferflocken und so weiter. Anderes wäre nicht gut für das Tier. Das Kaninchen hat einen sehr empfindlichen Magen.»

 

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