So ungefähr soll die Überbauung auf der Emmer Herdschwand aussehen. Der Kanton will aber die Dichte der Bauten reduzieren. (Bild: PD/Studio 12)
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So ungefähr soll die Überbauung auf der Emmer Herdschwand aussehen. Der Kanton will aber die Dichte der Bauten reduzieren. (Bild: PD/Studio 12)

Knatsch um 70-Mio-Überbauung

6min Lesezeit

Der Kanton rüffelt die geplante Emmer Herdschwand-Überbauung: Die Häuser stehen zu dicht beieinander und die Freifläche habe eine mangelnde Qualität. Das Projekt mit 150 Wohnungen muss abspecken – nicht das erste Mal. Während sich die Emmer Behörden bedeckt halten, gibt Projektgegner Rolf Stähli Gas. Emmen bekommt möglicherweise weniger Geld.

Interessant, was man bei einer Vereins-GV so alles erfährt. Rolf Stähli, vehementer Gegner der Überbauung Herdschwand und Sprecher des Gegnerkomitees, war letzte Woche an der Versammlung des Quartiervereins Meierhöfli. Dort hörte er, wie der Emmer Baudirektor unter anderem über den Stand des Projekts Herdschwand informierte. Sein Fazit: «Jetzt wird es brisant: Das Spekulationsobjekt und Siegerprojekt wird zurechtgestutzt». Die Gemeindebehörden und Ihre Vertreter haben nun ein echtes Problem.» Stählis Komitee und der Verein «Herdschwand erhalten - zum Nutzen aller» setzt sich vor allem für den Erhalt des Grundstückes für öffentliche Zwecke ein (siehe Box).

Der Aussenbereich der Siedlung. Die Pläne sind noch nicht definitiv.
Der Aussenbereich der Siedlung. Die Pläne sind noch nicht definitiv. (Bild: PD/Studio 12)

Emmer verkaufen Land

Geplant sind laut den ursprünglichen Plänen 19 Häuser mit 150 Wohnungen. Das Areal ist 18'000 Qudratmeter gross und liegt in der Nähe des Einkaufszentrums Emmen Center. Die Baukosten belaufen sich auf 65 bis 70 Millionen Franken. Das Gemeindegebiet mit dem ehemaligen Altersheim wurde für 18 Millionen an die Losinger Marazzi AG verkauft.

Wir fragen nach. Und siehe da: Das geplante Emmer Wohnprojekt, genannt «Neuschwand», hat tatsächlich noch einige Mängel. Der Bebauungsplan verzögert sich. Denn wie Recherchen von zentralplus zeigen, konnte diese Vorprüfung noch nicht abgeschlossen werden. Der Ball liegt bei der Gemeinde Emmen. Für den weiteren Planungsprozess ist ein positiver Vorprüfungsbericht des Kantons notwendig.

«Es hat noch gewisse Punkte, die Überarbeitet werden müssen.»

Josef Schmidli, Baudirektor Emmen

Momentan liegt die Stellungnahme des Kantons auf dem Pult des Emmer Baudirektors Josef Schmidli. Mit Einzelheiten hält er sich zurück. Es werde gut einen Monat dauern, bis die Neuigkeiten spruchreif seien. Das Pikante an der ganzen Sache: Im März 2015 sagten die Emmer äusserst knapp Ja zum umstrittenen Verkauf des Herdschwand-Areals. Der Ja-Stimmenanteil betrug 51,5 Prozent, ausschlaggebend waren 202 Stimmen mehr. Das Gebiet mit dem ehemaligen Altersheim wurde für 18 Millionen an die Losinger Marazzi AG verkauft. Diesen Betrag erhält die Gemeinde aber erst 2017 und nur, falls die Überbauung nicht erheblich redimensioniert wird. Doch genau das könnte passieren.

Projekt-Video der Losinger Marazzi AG:

Der Emmer Baudirektor lässt durchblicken: Das Projekt muss abspecken. Wie viel, sei noch nicht klar. «Der Kanton bemängelt die Dichte der Bebauung», bestätigt Schmidli die Aussagen von Stähli. Zudem gebe es aussen zu wenig Freiraum. Die Wohnfläche muss reduziert werden. «Man kann kleinere Wohnungen machen, oder insgesamt weniger.»

Zudem müssen sich die Projektverantwortlichen festlegen: Für den westlichen Teil des Bebauungsplanes, angrenzend zur Wohnzone, hat man zwei Varianten vorgeschlagen. Der Kanton fordert einen Entscheid für eine Variante. Die eine ist, das bestehende Personalhaus des Altersheimes zürückzubauen und dort Reihen-Einfamilienhäuser zu erstellen. Die andere Variante ist, das Haus zu sanieren und umzunutzen.

Von sieben auf sechs Häuser reduziert

Der Rüffel des Kantons ist nicht der erste Rückschritt für die Bauherrin. Bereits im Dezember wurden die Pläne von der Gemeinde überarbeitet – mit einigen signifikanten Änderungen. Der massige Riegelbau sollte nicht mehr fünf Vollgeschosse umfassen, sondern nur noch vier. Das fünfte Geschoss wurde durch ein Attikageschoss ersetzt, dank dem das Dach des Riegelbaus durchbrochen wird. Dadurch solle das Gebäude weniger massiv wirken.

«Wir müssen nachbessern.»

Manuel Schneider, Losinger Marazzi

Daneben wurde die Zahl der Mehrfamilienhäuser von sieben auf sechs reduziert. So wurden die Abstände zwischen den Häusern vergrössert, die Anlage wirkt weniger gedrängt. Eines dieser Häuser verkleinerte man zudem von vier auf drei Geschosse – wegen «Berücksichtigung nachbarlicher Interessen». Und abgespeckt wird zudem auch bei den Reihenhäusern am nördlichen Rand des Areals: Die geplanten elf Reihenhäuser werden auf acht reduziert sowie als zwei Gruppen à vier Einheiten stärker versetzt.

Das Areal neben dem Emmencenter misst 18'000 Qaudratmeter.
Das Areal neben dem Emmencenter misst 18'000 Qaudratmeter.

«Kein Rückschritt»

Die Bauherrin will nicht von einem Rückschritt sprechen. Es sei alles halb so wild, meint Projektleiter Manuel Schneider. «Bei einem solch grossen Gebiet gehört das zum normalen Prozess. Das ist nichts Ausserordentliches.» Dennoch muss die Losinger Marazzi erneut zusammen mit der Gemeinde über die Bücher. «Wir müssen nachbessern», sagt Schneider.

Was bedeutet das für das Projekt? «Das müssen wir zuerst anschauen. Wir rechnen aber nicht mit erheblichen finanziellen Einbussen.» Diese müsste die Firma nicht tragen. Wenn es gegenüber dem Richtprojekt, welches beim Baulandverkauf präsentiert wurde, finanzielle Differenzen gibt, wird automatisch gemäss Kaufvertrag der Landwert reduziert. Heisst: Die Gemeinde bekäme weniger Geld.

Neuschwand-Gegner Rolf Stähli wird diese Entwicklungen sehr genau beobachten, wie er sagt: «Es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass auch der Verkaufspreis für das Land dadurch relevant nach unten korrigiert werden muss. Ob das ganze Projekt dann überhaupt noch, dem zur Abstimmung vorgelegten Vorvertrag, der ja nur knapp angenommen wurde gerecht wird, ist ebenfalls anzuzweifeln.» Dazu sagt Baudirektor Josef Schmidli: «Für eine Stellungnahme ist es noch zu früh und wir können noch keine Einzelheiten bekanntgeben. Aber ich glaube nicht, dass die Redimensionierung derart drastisch sein wird.»

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