Wo Säulirennen sind, ist auch eine Luga: Bald geht’s wieder los. (Bild: PD)
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Wo Säulirennen sind, ist auch eine Luga: Bald geht’s wieder los. (Bild: PD)

Luzern zu Gast bei Luzernern? So ein Unsinn!

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Ab Freitag steht Luzern für zehn Tage im Banne der Luga – und der Gastkanton heisst: Luzern. Was sagt das über uns, wenn Luzerner sich selber einladen? Sicher: Der Kanton hat etwas Promo nötig. Aber ernster nimmt man ihn ob solcher Aktionen nicht.

Können Sie sich noch an die Fussball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland erinnern? Das Motto damals: «Die Welt zu Gast bei Freunden». Wie schön!

Und können Sie sich vorstellen? Bald ist wieder Luga-Zeit. Das Motto hier: Luzern zu Gast bei … sich selbst. Hmmm.

Meine Damen und Herren: Man kann nicht Gast bei sich selber sein, unmöglich. Luzern kann folglich nicht Gastkanton der Luga sein – der Luzerner Gewerbeausstellung. Das geht einfach nicht, sorry.

So viel zur Logik. Aber irgendwie passt es eben doch: Luzerner feiern unter sich, die Offenheit hat man mit dem letztjährigen Gästival schliesslich zur Genüge unter Beweis gestellt. Und ich kann es sogar ein bisschen verstehen: Der Kanton hat den Auftritt zwischen herzigen Säulis und fetzigen Achterbahnen imagemässig viel nötiger als die restlichen 25 Kantone. Denn er ist ein armer Tropf, unser Kanton.

Bittere Luzerner Tage

Niemand scheint ihn derzeit so richtig ernst zu nehmen. Die Schweiz höhnt über den Altherrenclub in der Regierung, der sich immer verzweifelter an die Tiefsteuerstrategie klammert. Sie lacht sogar über uns, weil wir unsere Kinder aus Spargründen in die Zwangsferien schicken müssen – hab ich schon miterlebt. Und Rotkreuz klaut uns prestigeträchtige Firmen wie Mobility. Bittere Tage.

Die Luzerner Regierung muss eins ums andere Mal um Geduld bitten. Sich derweil mit kryptischen Abkürzungen wie «KP17» herumschlagen. Vier harmlose Ziffern, hinter denen sich ein gigantisches Sparpaket verbirgt (zentralplus berichtete).

«Für Luzern ist der Zug abgefahren», titelte doch tatsächlich kürzlich der Zürcher «Tages-Anzeiger» (wobei die ja nicht mal ein Fussballstadion fertigbringen, geschweige denn ein Kongresszentrum, während wir hier – vielleicht irgendwann – sogar noch eine Salle Modulable bauen! Pah!).

Luzern bewegt sich eben doch

Wo waren wir? Genau: Der Kanton Luzern hat durchaus Gutes vorzuweisen. Zum Beispiel sind wir ja inzwischen bevölkerungstechnisch über die 400’000er-Marke geflutscht – das ist doch was! (Der/die noch zu ermittelnde 400’000. Luzerner/in wird an der Luga übrigens zur Betrachtung feilgeboten!) «Mobil, dynamisch, überraschend» präsentiert sich also Luzern in Luzern. (Quizfrage: Gibt’s einen Kanton, auf den das nicht zutrifft?)

Sonderschau Luzern

Der Auftritt des «Gast»-Kantons Luzern besteht aus drei Elementen: Reisecar, Kontaktforum und Restaurant. In einem überdimensionalen Reisecar fahren Besucherinnen und Besucher auf eine virtuelle 3D-Fahrt durch den Kanton Luzern. Während gut 10 Minuten erleben sie Landschaften und Bräuche – etwa die Fasnacht, Musik oder unbekannte Ecken. Im Kontaktforum stellt der Kanton Luzern Projekte und Aufgaben der Verwaltung vor. Auf einer begehbaren Bodenkarte sieht man anstehende Infrastrukturprojekte des Kantons, etwa den Durchgangsbahnhof, das zentrale Verwaltungsgebäude am Seetalplatz oder die Salle Modulable. Bleibt noch das Restaurant «Üsi Beiz» mit typischer Luzerner Küche (fünf Varianten «Chügelipastete»!).

Luga: 29. April bis 9. Mai, Allmend Luzern. Die Sonderschau zum Gastkanton findet man in Halle 1.

Es bleibt die quälende Frage: Juckt es ennet der Kantonsgrenze jemanden, wenn wir hier unseren eigenen Kanton abfeiern? Da war wohl der Auftritt unserer Zünftler am Zürcher Sechseläuten sogar noch nachhaltiger (zentralplus berichtete). Sei’s drum: Luzern kann Schönes! Positives! Bewegendes! dringend brauchen. So mit kuschligen Tierli und positiven Schwingungen, yeah! Darum nennt der Kanton seine Luga-Sondersau ... äh, -schau kreativ: «Luzern bewegt sich.»

Eine begehbare Sehenswürdigkeit

Da werden zukunftsweisende Projekte vorgestellt, der Gesamtregierungsrat mischt sich unters Volk und in einem überdimensionalen Reisecar bewegen sich die Besucher virtuell über Wasser, Land und in der Luft (der Bus ist Recycling: Er kam bereits an der letztjährigen OLMA zum Einsatz. Bilder von der Erstverwertung gibt's hier). Ich hoffe, ich habe das richtig verstanden.

Wir feiern uns selbst, soll doch der Rest denken, was er wolle. Aber weisst du, armer Kanton Luzern, woran ich dabei denken muss? An «Dinner for One». Und Luzern wäre das Tigerfell am Boden. Eine begehbare Sehenswürdigkeit – solange man nicht stolpert.

Visualisierung: So wird die Luzerner Sonderschau an der Luga aussehen.
Visualisierung: So wird die Luzerner Sonderschau an der Luga aussehen. (Bild: PD/Werner Fluder)

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