Das milde Lächeln der Queen Elizabeth II. (Bild: Staatsarchiv Luzern, PA 1303/499)
Gesellschaft Stadt

Das milde Lächeln der Queen Elizabeth II. (Bild: Staatsarchiv Luzern, PA 1303/499)

Queen in Luzern: Stress für läppische 15 Minuten!

7min Lesezeit

Königin Elizabeth II. feiert ihren 90. Geburtstag. Gratulation. Was allerdings fast niemand mehr weiss: Sie war mal bei uns zu Gast. zentralplus kämpfte sich durch kiloweise Akten über den Besuch der Queen in Luzern im Jahr 1980 – das Riesen-Tamtam beschäftigte die halbe Stadt über Monate.

1980 besuchte die Queen Luzern. Eigentlich bloss für 15 Minuten, doch das sieht bei einem Blick in die Akten ganz anders aus. Im Luzerner Staatsarchiv zeugen 3 Kilogramm Papier vom Besuch der englischen Königin und dessen Vorbereitungen.

Am 2. Mai 1980 war es so weit – Queen Elizabeth und ihr Gatte Prinz Philip trafen mit ihrem Gefolge am Bahnhof Luzern ein. Und der Plan war klar: 11.45 Ankunft in Luzern, Fahrt im Auto über die Seebrücke zur Schiffstation Schweizerhofquai und dann bereits 12.00 Uhr Abfahrt mit dem Schiff Richtung Rütli. Das war’s. Der Bahnhof wurde dafür jedoch «besonders beflaggt».

Alles war minutengenau durchgetaktet: Nach den 15 Minuten in Luzern beispielsweise ein «kurzes Verweilen» auf dem Rütli – drei Minuten lang. Davor ein rascher Aufstieg und danach ein rascher Abstieg.

Auch Wilhelm Tell durfte beim Besuch der Queen – hier auf dem Rütli – nicht fehlen. (Bild: Staatsarchiv Luzern, PA 1303/499)
Auch Wilhelm Tell durfte beim Besuch der Queen – hier auf dem Rütli – nicht fehlen. (Bild: Staatsarchiv Luzern, PA 1303/499)

Monate vor dem Besuch musste jede Einzelheit in endlosen Sitzungen und Briefwechseln per Schreibmaschine ausdiskutiert, entschieden und bestätigt werden. Wer kontrolliert welche Plätze, Fahrzeuge, Geschenke? Wer steht zu welchem Zeitpunkt wo genau, mit wem und wie lange? Wer darf wie viel zur Queen sagen? Wer kann in welcher Sprache angesprochen werden?

Auch die Bekleidung war genau geregelt. Die Männer: dunkelblauer Anzug, ohne Hut. Die Damen: festlich, kurz, weder weiss noch schwarz, nicht zu bunt, ohne Hut.

Die Queen auf dem Weg zum Dampfschiff. (Bild: Staatsarchiv Luzern, PA 1303/499)
Die Queen auf dem Weg zum Dampfschiff. (Bild: Staatsarchiv Luzern, PA 1303/499)

Sowieso schien die Kleidung ein grosses Thema zu sein: «Die Königin trägt tagsüber Hüte (nicht aber abends) und kurze Handschuhe; abends bei langärmeligem Abendkleid keine Handschuhe, bei kurzärmeligem Abendkleid lange Handschuhe. Es steht den schweizerischen Damen frei, diesen Gewohnheiten der Königin zu folgen, oder nicht; es besteht keinerlei Zwang», heisst es in den Dokumenten zur Vorbereitung.

Was blieb?

Der «Queens Salon» auf dem Oberdeck des Dampfschiffs «Stadt Luzern» erhielt diese Bezeichnung nach dem 2. Mai 1980, als die englische Königin Elizabeth II in diesem Panoramasaal tafelte. Er wurde zu diesem Zweck gänzlich erneuert.

Und weiter: «Die Königin trägt weder ganz Schwarz noch ganz Weiss. Sie trägt auch keine auffällig gemusterten Kleider. Die Königin ist es gewohnt, längere Strecken zu Fuss zu gehen, und zwar auch bei ungünstigen Wetterverhältnissen. Es wird den schweizerischen Damen angeraten, bei der Wahl der Schuhe tagsüber diesem Umstand Rechnung zu tragen.»

Doch nicht nur die Wahl der Kleidung war in den Vorbereitungen zu beachten: «Anrede für die Königin: beim ersten Mal ‹Your Majesty›, die folgenden Male ‹Madam› (ausgesprochen ‹Mä-m›). Anrede für Prinz Philip: beim ersten Mal ‹Your Royal Highness›, die folgenden Male ‹Sir›.»

Immer alles gut geregelt. (Bild: Staatsarchiv Luzern, A 1127/5)
Immer alles gut geregelt. (Bild: Staatsarchiv Luzern, A 1127/5)

Zudem zu beachten: «Die Königin und Prinz Philip sind Nichtraucher.»

«Viel Jubel und viel Polizei» titelte die Presse. Andere überschlugen sich regelrecht vor Begeisterung:

Nur 15 Minuten waren wirklich etwas kurz. (Bild: Staatsarchiv Luzern, A 1127/18)
Nur 15 Minuten waren wirklich etwas kurz. (Bild: Staatsarchiv Luzern, A 1127/18)

Auch ein nettes Gedicht wurde über den Besuch verfasst. Welcher kreative Kopf dahintersteckte, das fanden wir im Archiv leider nicht heraus.

 

Ein Gedicht von einem unbekannten Verfasser (Bild: Staatsarchiv Luzern, A 1127/19)
Ein Gedicht von einem unbekannten Verfasser (Bild: Staatsarchiv Luzern, A 1127/19)

Andere waren weniger begeistert:

Mittelmässige Begeisterung bei den Verfassern eines Rundschreibens. (Bild: Staatsarchiv Luzern, A 1127/15)
Mittelmässige Begeisterung bei den Verfassern eines Rundschreibens. (Bild: Staatsarchiv Luzern, A 1127/15)

Eine ganze Mappe voller Rechnungen liegt im Staatsarchiv. Rechnungen für kiloweise Blumen, literweise Wein, für die Polizei und die Girlanden. Dort 800 Franken, dort 500, dort 400, dort 1000. Den ganzen Batzen auszurechnen, überstieg jedoch unseren zeitlichen Rahmen.

Auch Horden von Musikern und spalierstehenden Vereinen waren dabei. Und alle wollten sie Geld für ihren Einsatz. Nur die Kinder nicht, die in Reih und Glied Fähnchen schwenkten – denn die hatten extra schulfrei bekommen.

Auch die Polizei informierte. (Bild: Staatsarchiv Luzern, A 1127/5)
Auch die Polizei informierte. (Bild: Staatsarchiv Luzern, A 1127/5)

Auch die Doppelgängerin war vor Ort. (Bild: Staatsarchiv Luzern, A 1127/18)
Auch die Doppelgängerin war vor Ort. (Bild: Staatsarchiv Luzern, A 1127/18)

Auch Ludwig Suter, seines Zeichens «Historischer Nachtwächter von Beromünster und Luzern», war damals hautnah dabei. Er zeichnete mit Bleistift und Skizzenblock dieses Bild (Suter liess es uns nach Veröffentlichung des Artikels noch zukommen. Vielen Dank)



x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Gesellschaft