30 Kilo Heroin: Die Zuger Polizei hat im August in Cham die grösste je im Kanton Zug ermittelte Menge an Drogen sichergestellt. (Bild: zvg)
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30 Kilo Heroin: Die Zuger Polizei hat im August in Cham die grösste je im Kanton Zug ermittelte Menge an Drogen sichergestellt. (Bild: zvg)

Die «Zentrumslast» der besonderen Art

5min Lesezeit

«Haschisch, Kokain, Heroin?» – an berühmt-berüchtigten «Hotspots» ist der Handel mit illegalen Drogen offenbar Normalität. Das Problem der Luzerner und Zuger Polizei: Die Dealer seien «sehr mobil» und würden «sich sofort den einzelnen Begebenheiten anpassen». Es sei deshalb schwierig, der Lage wirklich Herr zu werden, erklären die Fachkräfte.

Es ist ein ganz normaler Samstagabend in der Luzerner Baselstrasse. Kurz nach 21 Uhr geht eine junge Frau in schnellen Schritten an der Bushaltestelle «Gütsch» vorbei, den Hauseingängen entlang in Richtung einer bei Insidern bekannten Bar. Ihre schwarze Winterjacke mit Kapuze ist unauffällig. Ihre Augen sind starr, der Blick müde und ihre Sprache langsam. «Ich komme jeden Tag hierher», sagt sie und lächelt verschmitzt. Sie werde sich ihre «tägliche Ration» besorgen. Ein Gramm Kokain koste ungefähr 120 Franken.

Danach verschwindet sie in einer Tür. Zwei Minuten später ist der Deal offenbar erledigt. «In der Baselstrasse kriegt man eigentlich alles», meint sie, als sie wieder auf dem Trottoir steht. Dann verabschiedet sie sich, macht sich auf den Weg in die Nacht und wünscht: «Einen schönen Abend noch.»

Die Brennpunkte in Luzern

Die berüchtigte Baselstrasse gilt nach wie vor als «Hotspot» für den Handel mit illegalen Drogen. Aber auch an anderen Orten in Luzern sei die Nachfrage wie auch das Angebot sehr gross, sagt Urs Wigger, Mediensprecher der Luzerner Polizei auf Anfrage von zentral+. Speziell die Stadt habe in diesem Fall eine «Zentrumsfunktion».

In der Baselstrasse sowie in der weiterführenden Bernstrasse Richtung Littau bekomme man vor allem kleinere Mengen. «Sicherlich ist es nicht so, dass Betäubungsmittel nur auf der Strasse gekauft werden können. Viele Deals werden ruhig und diskret in Wohnungen abgewickelt. Das Ziel der einzelnen Dealer ist ja, von der Polizei beim Drogenhandel nicht entdeckt zu werden», sagt Wigger.

Regelmässig finde der Handel mit illegalen Drogen auch in öffentlichen Verkehrsmitteln statt. Im Sommer seien eher die Gebiete mit viel Publikum beliebt, wie beispielsweise das Areal der «Ufschötti» am Vierwaldtättersee oder der Bahnhofplatz. Auch im Bereich von Ausgehlokalen in der Stadt und in der Agglomeration von Luzern würden Drogen angeboten.

Das Problem sei in Luzern grundsätzlich sehr markant und würde von der Polizei im Rahmen der vorhandenen Mittel bekämpft, sagt Wigger. «Wir sind uns bewusst, dass alle illegalen Betäubungsmittel in mittlerer bis guter Qualität und zu aktuellen Preisen auf dem Schwarzmarkt auch in Luzern erhältlich sind.» Gleichzeitig sei die Szene aber sehr mobil und passe sich sofort den einzelnen Begebenheiten an: zum Beispiel nach Polizeikontrollen, öffentlichem Druck oder je nach Verfügbarkeit der Drogen.

Dominikaner und Afrikaner als Marktführer

Laut Luzerner Kriminalbericht gibt es auf Stadtgebiet vereinzelt Drogenküchen, in denen Designerdrogen in kleineren Mengen hergestellt werden. Die grossen Mengen kämen jedoch mit Schmugglern aus dem Ausland in die Schweiz, vor allem aus Spanien und den Niederlanden.

Typischerweise werde der Kleinhandel mit Kokain in Luzern – wie übrigens in anderen Schweizer Städten auch – von sogenannten «Kügeli-Dealern» beherrscht: Die Dealer verstecken kleine Drogenbällchen im Mund, um sie bei einer drohenden Polizeikontrolle sofort schlucken zu können. Laut den Fachspezialisten der Polizei seien vor allem Händler aus der Dominikanischen Republik sowie Schwarzafrikaner aus Nigeria und Guinea als Marktführer bekannt. «Interkantonale und internationale Zusammenarbeiten in Ermittlungsverfahren zeigen unmissverständlich auf, dass diese Ethnie im Kokainhandel weitaus stärker als erahnt vertreten ist», schreibt die Polizei in ihrem Kriminalbericht.

Cannabis am weitesten verbreitet

Welche illegalen Drogen in welchen Mengen von Luzernerinnen und Luzernern konsumiert werden, lässt sich nur vermuten. «Zu jeder Statistik gehört in diesem Bereich auch ein Dunkelfeld», so die Luzerner Polizei. Einen ersten Hinweis zum Konsum geben die erfassten Delikte. Die beliebteste illegale Droge ist demnach Cannabis. Knapp 1’000 Kiffer gingen der Polizei 2012 ins Netz. Danach folgen mit rund 200 Anzeigen Konsumenten von Stimulanzien – darunter Kokain und Amphetamine. Um Opiate  – inklusive Heroin – handelte es sich im letzten Jahr bei 100 Kontrollierten. Halluzinogene Drogen (wie LSD) wurden gerade mal in drei Fällen sichergestellt. Ein ähnliches Mengenverhältnis spiegelt sich in den Handelsdelikten.

Zweitens geben die Zahlen der kantonalen Sozialberatungszentren Aufschluss. Die Gespräche drehten sich im 2012 um folgende illegale Drogen: Cannabis neun Prozent, dann bei drei Prozent um Methadon, Kokain und Opioide und schliesslich bei zwei Prozentum um Medikamente. Vielfach würden gemäss Sozialberatungszentrum SOBZ auch mehrere Substanzen gleichzeitig konsumiert. Bei 86 Prozent aller Gespräche ging es zudem um Alkoholsucht.

In Sachen Kokain sorgte ferner eine Studie des Eidgenössischen Instituts für Wasserforschung (Eawag) für Aufsehen, das 2012 zusammen mit der Universität Bern die Spuren von Kokain im Abwasser analysierte. Die Stadt Luzern sei demnach mit den Städten Bern, Genf und Zürich auf hohem Niveau. «Die Kokainmengen im Abwasser lagen dort im gleichen Bereich wie bei jenen europäischen Städten mit dem höchsten Konsum», kommentierte der Eawag-Verantwortliche Christoph Ort die Ergebnisse. Kokain gilt als Lifestyle-Droge und als Aufputschmittel zur Leistungssteigerung.

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