Die Einsatzkräfte der Luzerner Polizei hatten 2015 weniger mit Gewaltverbrechern zu tun – die Arbeit geht ihnen allerdings nicht so schnell aus. (Bild: Luzerner Polizei)
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Die Einsatzkräfte der Luzerner Polizei hatten 2015 weniger mit Gewaltverbrechern zu tun – die Arbeit geht ihnen allerdings nicht so schnell aus. (Bild: Luzerner Polizei)

Mehr Verkehrstote und Betrüger

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Die Luzerner Polizei verzeichnete letztes Jahr rund 26’700 Straftaten, inklusive Verkehrsdelikte. Das waren rund 1100 weniger als im Jahr 2014. Die Gewalt nimmt ab. Doch Wermutstropfen bleiben: Der Drogenhandel, die Wirtschaftskriminalität sowie auch Drohungen via Facebook & Co.

Wie kriminell ist unser Kanton? «Die Zahlen 2015 ergeben insgesamt ein durchzogenes  Bild», sagte Kommandant Adi Achermann am Mittwochmorgen an der Pressekonferenz der Luzerner Polizei. Er präsentierte die Kriminalstatistik 2015.

Im letzten Jahr gab es signifikante Anstiege bei Betrugsdelikten, Erpressungen und Ehrverletzungen. Dafür nahmen Gewaltdelikte, Diebstähle und  Raubdelikte zum Teil deutlich ab. Es zeigt sich, dass klassische (physische) Delikte eher rückgängig sind und Delikte, welche über das Internet begangen werden, eher zunehmen.

«Du gibst mir, was ich will, oder ich poste dieses oder jenes via Internet.»

Daniel Bussmann, Chef Kriminalpolizei


Die Kriminalstatistik zeigt unter anderem auf, dass die Vermögensdelikte wie Einbrüche oder Diebstähle um 11 Prozent  abgenommen haben (von 2097 auf 1844). «Dazu beigetragen haben dürften Kampagnen und eine höhere Sensibilität der  Bevölkerung für Schutzmassnahmen vor Einbrüchen. Dazu kam eine hohe Präsenz der Polizei zu neuralgischen Zeiten (Dämmerungseinbrüche) und an städtischen Brennpunkten (Taschendiebstähle)», erklärt Achermann.

Adi Achermann, Kommandant der Luzerner Polizei.
Adi Achermann, Kommandant der Luzerner Polizei. (Bild: bra)

Die Zahl der Betrugsfälle hat sich allerdings fast verdoppelt und ist von 394 auf 615 angestiegen. «Diese Zahlen verändern sich stark von Jahr zu Jahr», erklärt Achermann. Das habe vor allem damit zu tun, wie viele Anzeigen bei der Polizei eingehen. Und die Spannbreite der Fälle reiche hier von der Wirtschaftskriminalität bis zum Enkeltrickbetrug.

Angestiegen sind auch Erpressungsfälle, wenn auch auf tiefem Niveau. Waren es noch 22 im Jahr 2014, wurden im letzten Jahr 32 Erpressungen registriert. «Das hat vor allem mit Vorgängen im Internet zu tun», erklärt Daniel Bussmann, Chef der Kriminalpolizei. «Wir bearbeiten vermehrt Fälle von Erpressungen. Da heisst es zum Beispiel: Du gibst mir was ich will, oder ich veröffentliche dieses oder jenes via Internet.» Auch Ehrverletzungen und Verleumdungen gab es im Jahr 2015 vermehrt (von 56 auf 71 Fälle gestiegen).

 

Bei vielen Ermittlungsverfahren wird das Handy eingezogen.
Bei vielen Ermittlungsverfahren wird das Handy eingezogen. (Bild: Kriminalstatistik 2015)

Auch die registrierten Betäubungsmitteldelikte stiegen 2015 deutlich an (+ 37 Prozent). «Es ist hier auch der Konsum von leichten Drogen wie Cannabis enthalten. Und beim Handel mit harten Drogen haben wir eine weitere Zunahme zu verzeichnen.» 

Dauerbrenner ist die Wirtschaftskriminalität

Im Bereich Wirtschaftskriminalität kommt die Luzerner Polizei bei der Bearbeitung nicht mehr nach. Hier seien die Fälle immer zahreicher und komplexer. Eine neu geschaffene Arbeitsgruppe wird die Arbeiten erst im Juni 2016 aufnehmen. Per Ende der Berichtsperiode wurden 65 hängige Verfahren registriert. Der Arbeitsvorrat wird auf rund acht Mannjahre geschätzt. «Das heisst, ein einzelner Beamter hätte acht Jahre, um die Arbeit bewältigen zu können.»

Neben dem Dauerthema Anlagebetrug, wo heute vielfach von Callcenters aus dem Ausland, unter Verwendung einer Schweizer Rufnummer, angerufen wird, hatte sich die Luzerner Polizei mit sogenannten «Wegwerfgesellschaften» zu befassen. Bei Wegwerfgesellschaften handelt es sich um inaktive Gesellschaften, die praktisch nur noch aus dem Mantel bestehen und über die dann in betrügerischer Absicht Warenbestellungen und andere Aktivitäten gestartet werden. Während die auf diese Weise beschafften Waren verwertet werden, lässt man die Rechnungen unbezahlt.

Jugendkriminalität nimmt ab

Erfreulich hingegen ist: Die Jugendkriminalität ging 2015 erneut zurück und befindet sich auf einem historischen Tief. «Es ist allerdings davon auszugehen, dass hier das Dunkelfeld gross ist und eine Verlagerung in den unübersichtlichen Cyber-Raum stattfindet.» so Achermann.

Insgesamt zeige sich die Kriminalitätslage im Kanton Luzer tendenziell leicht rückläufig und kann als stabil bezeichnet werden, so der Kommandant der Luzerner Polizei. «Jedoch ist in diesem Kontext auch anzumerken, dass die vorliegende Statistik wegen der Hell- und Dunkelfeldproblematik immer nur eine  Annäherung an die Kriminalitätswirklichkeit sein kann». Ebenfalls sagten die Zahlen wenig über den geleisteten Aufwand bei den Ermittlungen aus.

Wie bereits letztes Jahr haben auch Gewalt und Drohungen gegen Beamte zugenommen, von 188 im Jahr 2014 auf 200. Dies sei ein schweizweiter Trend, sagt Polizeikommandant Achermann. «Wir haben das zum Beispiel in jüngster Zeit bei den Unruhen in der Reithalle Bern beobachten können. Innerhalb der Luzerner Polizei wurde deshalb eine Fachgruppe gegründet, um Erfahrungen und Fachwissen in diesem Themenbereich zu sammeln.

Verkehrsstatistik auf Rekordhoch

Dass der Verkehr laufend zunimmt, zeigt sich auch bei der Auswertung bei den Verkehrsdelikten: Die Zahl der polizeilich registrierten Verkehrsunfälle stieg im Vergleich zum Vorjahr um 2,8 Prozent an, dabei wurden 4 Prozent mehr Verletzte registriert. Der immer dichter werdende Verkehr widerspiegelt sich auch bei den Unfallursachen. So ist bei den Auffahrunfällen eine leichte Zunahme feststellbar. Unfälle unter Alkoholeinfluss sind leicht rückläufig, während solche unter Drogeneinfluss steigen. «Von Bedeutung ist, dass die Anzahl von 15 Verkehrstoten deutlich über den Werten der Vorjahre liegt», so Achermann.

Übersicht Delikte gemäss Strafgesetzbuch

(Bild: Kriminalstatistik 2015)

 

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