Improvisation beim Projekt «Ohne Geld»: Im Himmelrich wurde auch der Raum gratis eingerichtet. (Bild: Raisa Durandi/ zvg)
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Improvisation beim Projekt «Ohne Geld»: Im Himmelrich wurde auch der Raum gratis eingerichtet. (Bild: Raisa Durandi/ zvg)

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Auswärts den Bauch vollschlagen – und das ganz ohne Geld. Das geht bald in der Krienser «Teiggi», so wie noch vor einigen Monaten im «Himmelrich». Doch aufgepasst: Nötig ist eine Portion Mut.

Im Sommer 2015 fand das Projekt «Ohne Geld» erstmals und mit grossem Erfolg in der Zwischennutzung Himmelrich statt (zentral+ berichtete). Nun geht es ab dem 25. Februar in die zweite Runde – im Kunstraum Teiggi in Kriens. Isabelle Mauchle und Marcel Kofler haben das Projekt gemeinsam aufgezogen und treffen damit einen Nerv der Zeit. Das Konzept der beiden Luzerner heisst nämlich: Tauschen – Essen gegen Dienstleistungen, gegen Wissen, gegen Unterhaltung.

Keiner gibt etwas aus

Die Idee dafür entstand ursprünglich anlässlich der Zwischennutzung im Luzerner Himmelrich. «Wenn man eine Wohnung gratis benützen darf, dann macht es einfach Sinn, diese auch zu öffnen – für mehr Leute», fand Mauchle damals. Deshalb wurde die Wohnung durch öffentliche Abendessen belebt. Und weder die Köche noch die Bekochten bezahlten etwas. «Wir geben nichts aus und nehmen auch nichts ein», so Mauchle. «Bezahlt» wird hier nämlich mit Darbietungen und Dienstleistungen.

«Teilweise standen wir nur staunend daneben.»
Isabelle Mauchle, Mit-Organisatorin «Ohne Geld»

Gekocht wurde mit Zutaten, die alle gratis eingesammelt werden. «Wir haben zum Beispiel Zweitklassegemüse von lokalen Bauern. Dazu kommt ein Teil der Foodsave-Sammlung, Gemüse und Kräuter aus Gärten von Freunden, und auch die Gäste brachten oft noch etwas mit», erklärte Mauchle. Und so soll es auch künftig in der Teiggi in Kriens ablaufen.

Akrobatik und lebendiges Wikipedia

Das Projekt wurde im Sommer zum Selbstläufer. «Teilweise standen wir nur staunend daneben und beobachteten, wie die Leute uns und sich gegenseitig überraschten.»

Die Leute haben Selbstgemachtes mitgebracht, haben gesungen, gezeichnet, getanzt, musiziert, vorgelesen, massiert, frisiert oder Referate gehalten. «Wir hatten Akrobatik-Yoga hier und ein menschliches Wikipedia. Ein Gärtner brachte ein ganzes Gebüsch mit.» Einmal habe sich gar ein koreanisches Touristenpaar in die Wohnung verirrt. «Es enstand ein sehr spannender Austausch, bei welchem viele in der Runde so einiges über Korea erfahren konnten.»

Zu Beginn seien die Leute aber oft etwas unsicher gewesen. «Sie zweifelten daran, ob das, was sie können, wirklich spannend oder gut sei.»

Weitermachen, aber wo?

«Immer wieder wurden wir seit dem vergangenen Sommer gefragt, ob wir denn nicht damit weitermachen wollen», erzählt Isabelle Mauchle. Und auch sie selbst hätten die Idee nicht einfach wieder aufgeben können. Nur fehlte nach dem Abriss der Himmelrich-Siedlung ein passender Raum.

«Was kann ich ohne Geld beitragen?»

Wichtig war den Organisatoren aber, dass es keine private Veranstaltung im Freundeskreis werde, sondern eine öffentliche, in einem künstlerischen Rahmen. Daher ist der Kunstraum Teiggi nun der ideale Ort, um dies zu verbinden. Nun wird sie bis Juni einmal pro Monat durchgeführt. «Danach sehen wir weiter. Vielleicht wird daraus noch mehr werden. Wir sind ganz offen – das Projekt soll wachsen und sich verändern können.»

Inzwischen ist Milos Zappa als drittes Mitglied dazugestossen und eine Veränderung wurde bereits eingeführt. «In Zukunft sollen die Leute gar keine materiellen Dinge mehr mitbringen. Es geht ausdrücklich um Darbietungen. Die Leute sollen ihre Talente und Fähigkeiten zeigen. «Wir wollen die Leute dazu bringen, sich Gedanken zu machen: Was kann ich und was kann ich ohne Geld beitragen?»

Helfende Hände werden noch gesucht. «Wir können immer Leute brauchen, die uns dabei helfen, Essen abzuholen und zu kochen.»

In der Slideshow finden Sie einige Eindrücke vom Projekt «Ohne Geld» vom vergangenen Sommer:

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