Indianer-Experte Georg Riedler hat Ahnung von dem, was er sagt: Sein Lakota-Name ist «Weisser Bär». (Bild: bra)
Gesellschaft Veranstaltung

Indianer-Experte Georg Riedler hat Ahnung von dem, was er sagt: Sein Lakota-Name ist «Weisser Bär». (Bild: bra)

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Hier geht es wild zu und her: Im geheimnisvollen Haus der Freimaurer an der Luzerner Murbacherstrasse wird die Kunst der Lakota-Indianer gezeigt. Einzelne Stücke kann man sogar kaufen. Passend dazu wird ein Teil von Angy Burris Erbe ausgestellt. Gebäude, Indianer und Angy Burri: Die Ausstellung ist Dreifach-Kult.

Hach, das war Wildwest-Romantik pur. Als Kevin Costner als Nordstaaten-Offizier im amerikanischen Nirgendwo dem Feind begegnete: Den Lakota-Indianern. «Der mit dem Wolf tanzt», hiess der Kinohit. Damals, Anfang der 1990er-Jahre, man erinnert sich.

Es hatte was. Der Held kämpfte nicht. Es kam zu einer langsamen Annäherung, Geschenke wurden ausgetauscht, das Vertrauen wuchs. Ein Sinnbild, wie Menschen unterschiedlich mit dem Fremden umgehen. Der Hollywood-Epos gewann sieben Oscars; nicht zuletzt wegen der detailgetreuen Darstellung indianischer Kultur. 

«Es handelt sich um echte und authentische Kunst.»

Georg Riedler, Organisator

Nun aber zurück in die Gegenwart. Im Hier und Jetzt kann man nämlich dieser fast vergessenen und fernen Indianerkultur ein Stück näherkommen: An der Murbacherstrasse 15 in Luzern findet vom 17. bis 20. Dezember eine Ausstellung von Kunst- und Kunsthandwerksarbeiten statt. 

Zu sehen gibt es Artefakte der Lakota-Indianer aus den amerikanischen Black Hills (siehe Box). Das Ganze wird von Fachpersonen erklärt und man kann auch einzelne Stücke kaufen. Kultig ist auch das Gebäude der Freimaurerloge Luzern – eine Geschichte für sich. Mehr dazu weiter unten im Artikel. 

In jedem Stück steckt viel Symbolik

Indianerkult und Angy Burri

Die Ausstellung dauert vom 17. bis 20. Dezember und ist jeweils von 11 bis 20 Uhr offen. Der Eintritt ist frei. Sie befindet sich an der Murbacherstrasse 15 in Luzern. Am Sonntag um 16 Uhr wird der Lakota-Indianer Jim Yellowhawk eine indianische Performance zeigen. 

Die Dakota-Sioux, die im 17. Jahrhundert im Gebiet westlich der Grossen Seen lebten, wurden von anderen Stämmen nach Westen vertrieben. Dort spalteten sie sich auf. Während ein Teil im Gebiet des heutigen Bundesstaates Minnesota blieb und weiterhin Ackerbau betrieb, wanderten andere nach Westen und Süden. Ihr Dialekt wandelte sich im Laufe der Jahre, so dass sie sich nun Lakota und Nakota statt Dakota nennen.

Sehen Sie auch: Reisen von Charly Juchler und die Webseite der IG Angy Burry.

Im Murbachersaal befindet sich sehr viel Mystisches. «Es handelt sich um echte und authentische Kunst», sagt Georg Riedler (74), der die Ausstellung mitorganisiert. Er gewährt uns einen Einblick vorab. Die Lakota oder «Teton» sind eine Stammesgruppe der «Sioux». Sie leben in Gebieten in und um den amerikanischen Bundesstaat Dakota und Minnesota. «Jedes Stück hat ganz viel zu erzählen.»

Aber darf man überhaupt das Handwerk der amerikanischen Urvölker einfach so verscherbeln? Bekanntlich zählen die Indianer in den USA eher zu den gesellschaftlich schwächeren Schichten; vor allem auf dem Land leben sie vielfach in Armut. Zudem ist Drogenmissbrauch weit verbreitet. «Nein, das darf man mit ruhigem Gewissen verkaufen», beteuert  Riedler. Die Indianer würden deswegen nicht noch mehr ausgenommen. 

«Es handelt sich um Stücke, die neu sind. Sie sind ungefähr in den letzten zwei Jahren von indianischen Künstlern angefertigt worden. Das ist nicht historisch geschütztes Artwork oder gar Raubkunst.»

Warum man Riedler glaubt? Er hat offenbar wirklich Ahnung von dem, was er präsentiert. Riedler selber ist offiziell anerkanntes Mitglied der Lakota und wird der «Weisse Bär» genannt. Aufgenommen, da gab es «Der mit dem Wolf tanzt» noch gar nicht. Stolz zeigt er seine Bärenkralle, ein Geschenk des Stammes, die er um den Hals trägt. 

«Das ist nicht historisch geschütztes Artwork oder gar Raubkunst.»

Von Greenpeace zum Indianer

Für die Sammlung hat Riedler mit dem Winterthurer Charly Juchler zusammengearbeitet. Die Geschichte von Juchler klingt fast schon wie eine Neuzeitversion des Kinostreifens der Neunziger. Hier werden vor allem Stücke aus Juchlers breiter Sammlung gezeigt.

Charly Juchler bereiste als Bordmechaniker auf Greenpeace-Schiffen die Weltmeere während sechs Jahren, zwei Jahre verbrachte er auch in Kanada. Er nahm an einem Unterstützungsprojekt in Süddakota teil, in einem Indianerreservat. «Er entwickelte eine tiefe Verbindung mit Land und Leuten. Der Aufenthalt bei den Lakota-Indianern veränderte sein Leben vollständig», erzählt Riedler.

Charly Juchler
Charly Juchler

Seit 1995 lebt Juchler in den Black Hills und er ist heute ein grosser Kenner der Lakota Prärie-Indianer. Um der bedrohten Kultur der Native Americans zu helfen, führt Juchler jedes Jahr Verkaufsausstellungen mit dem indigenen Schaffen in der Schweiz durch, belebt durch Vorträge und Performances wie Tänze, Flötenspiel und Gesänge durch Lakota-Indianer. Am Sonntag um 16 Uhr wird dazu der Lakota-Indianer Jim Yellowhawk eine indianische Performance zeigen. 

Der Lakota-Indianer Jim Yellowhawk wird am Sonntag einen Kriegstanz vorführen.
Der Lakota-Indianer Jim Yellowhawk wird am Sonntag einen Kriegstanz vorführen. (Bild: bra)

Zur Erinnerung an Angy Burri

Zum ersten Mal nach seinem Tod 2013 wird zudem an der Murbacherstrasse auch ein Teil von Angy Burris Indianischem Lebenswerk ausgestellt. Sorgsam liegen die selbst gefertigten Schmuck- und Kleidungsstücke des Luzerner «Stadtindianers» in einer eigens angefertigten Glasvitrine. Sie sind unverkäuflich.

«Die Ausstellung machen wir, damit die Leute den Namen Angy Burri nicht vergessen.» Riedler habe Angy Burri sehr gut gekannt. Er ist Mitglied der Interessengemeinschaft, die einen Teil des Lebenswerks des «Luzerner Stadtindianers» pflegt. «Angy war tief in seinem Herzen ebenfalls einer von uns, ein Indianer.»

Die geheimnisvollen Freimaurer 

Freimaurer-Logen waren mittelalterliche Vereinigungen von Steinmetzen, die ihr Wissen über Mathematik, Geometrie und Proportionen schützten. Freimaurer entwickelten eigene Sitten und Riten. Im 17. Jh. wurden in England daraus auch geistige Zusammenschlüsse.

Die Mitgliederliste ist lang und liest sich wie ein «who is who» der Weltgeschichte: Winston Churchill, Franklin D. Roosevelt, Johann Wolfgang von Goethe, Wolfgang Amadeus Mozart oder Louis Armstrong gehörten zu einer Loge.

1723 veröffentlichte die Londoner Grossloge ihre Verfassung, die Grundlage der Freimaurerei. Freie Männer von gutem Ruf sollen den Sitten gehorchen, die Gesetze beachten, sich untereinander helfen und sich selbst ethisch vervollkommnen. Die Freimaurerei verbreitete sich in Europa, wurde jedoch immer wieder verfolgt oder als «Sekte» bezeichnet.

1736 wurde die erste Schweizer Loge gegründet. In Luzern veranstaltete Ludwig Rudolf Meyer von Schauensee mit Josef Graber von Grossdietwil 1850 eine freimaurerische Konferenz. 1904 entstand daraus die Loge «Fiat Lux». 1910 wurde an der Murbacherstrasse ein eigenes Logengebäude erstellt. «Fiat Lux» unterstützt verschiedene karitative Einrichtungen. Die Rituale sind nur den Mitgliedern zugänglich. Namen werden keine bekanntgegeben.

In den 1930er-Jahren wurden die Freimaurer in der Schweiz − anders als in Deutschland oder Italien − nicht verboten, verloren jedoch viele Mitglieder. Die Luzerner Loge besteht aus mehreren Dutzend Freimaurern. Sie treffen sich jeden Mittwochabend zu Logenarbeit, Besprechung und gemeinsamem Essen. Fiat Lux − Freimaurerloge Luzern versteht sich ihrem Selbstverständnis nach nicht als religiöse, sondern als weltanschauliche Gemeinschaft (Quelle: Universität Luzern).

Weitere Bilder sehen Sie hier in unserer Bildergalerie: 

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