Wir das Kaufmännische Bildungszentrum Zug die Schweizer Schule des Jahres? (Bild: zvb)
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Wir das Kaufmännische Bildungszentrum Zug die Schweizer Schule des Jahres? (Bild: zvb)

«Die Nomination tut uns gut»

5min Lesezeit

Zwei Luzerner und eine Zuger Schule sind für den Schweizer Schulpreis nominiert. Der mit 120'000 Franken dotierte Preis wird zwar von einer prominenten Jury verliehen – im Patronatskomitee sitzt unter anderem der Zuger Nationalrat Gerhard Pfister. Trotzdem stösst er nicht nur auf Anerkennung.

Carlo Schuler

«Wir haben schon gewonnen, weil wir bei den Finalisten sind», freut sich Jana Bachmann, Schulleiterin der Schule Fluhmühle Luzern. Zwei Schulen aus dem Kanton Luzern und eine aus dem Kanton Zug blicken am Mittwoch gespannt nach Zürich. Dort wird am Nachmittag der Schweizer Schulpreis verliehen. Die Schule Fluhmühle aus Luzern, die Sekundarschule Schüpfheim und das Kaufmännische Bildungszentrum Zug gehören zu den zwölf Finalisten.

«Ich bin überzeugt, wir werden nicht als Letztklassierte von Zürich nach Luzern zurück kommen», sagt Bachmann. «So oder so hat es sich gelohnt, an diesem Wettbewerb teilzunehmen und für unsere Schule einzustehen.»  Die Freude auf die Preisverleihung vom Mittwochnachmittag sei bei den Schulkindern und bei den Lehrerinnen und Lehrern jedenfalls gross. Die Auswahljury lobt die Schule der Stadt Luzern für ihr «beeindruckendes und überzeugendes Integrationskonzept, welches besonders Schülerinnen und Schüler aus einem schwierigen Milieu unterstützt.»

Philosophie der «geteilten Verantwortung»

«Die Nomination tut uns gut», meint Martin Hug, Schulleiter der Sekundarschule Schüpfheim. Das Erreichen des Finales zeige, dass man in Schüpfheim auf dem richtigen Weg sei. Mit dem Gewinn des Hauptpreises rechnet Martin Hug jedoch eher nicht: «Unsere Leistung ist eine neue Schulstruktur mit der Philosophie einer geteilten Verantwortung. Die Lernenden übernehmen Verantwortung fürs eigene Lernen, die Lehrpersonen für die Lernbegleitung. Das lässt sich eher schlecht verkaufen.» Die Jury lobt die Sekundarschule Schüpfheim als innovative Schule, welche den Wechsel vom kooperativen Modell zur integrativen Sekundarschule eigenständig und erfolgreich vollzogen habe.

Im Falle des Kaufmännischen Bildungszentrums Zug (KBZ) hebt die Jury hervor, dass diese Schule «zukunftsorientierte Massnahmen» im Zusammenhang mit der Digitalisierung entwickle. Für Rektor Hansjörg Truttmann wäre der Gewinn des Schweizer Schulpreises 2015 eine «sehr glaubwürdige Form der Wertschätzung für die geleistete Arbeit.» Unter anderem hätte der Preis eine positive PR-Wirkung speziell für den Weiterbildungsbereich, wo das KBZ im Wettbewerb mit vielen anderen Anbietern stehe.

Preissumme von 120'000 Franken

Der Schweizer Schulpreis wird dieses Jahr zum zweiten Mal verliehen. Der organisierende Verein «Forum Bildung» will mit dem Schulpreis Schulen für vorbildliche pädagogische Leistungen auszeichnen und so Impulse für die Entwicklung von Schule und Unterricht geben. Gemäss Darstellung der Organisatoren soll dabei nicht nur der erreichte Stand beurteilt, sondern die gesamte Entwicklung einer Schule in die Betrachtung einbezogen werden.

Die diversen Organisationsausschüsse des Schweizer Schulpreises sind prominent besetzt. So finden sich im Patronatskomitee die Namen von alt Bundesrat Flavio Cotti, des Zuger Nationalrates Gerhard Pfister oder des Luzerner Bildungsdirektors Reto Wyss. Hauptsponsoren sind die Credit Suisse und die Müller-Möhl-Foundation. Als weitere Sponsoren sind unter anderem Samsung, Migros-Kulturprozent und upc cablecom beteiligt. Die Preissumme beträgt satte 120'000 Franken.

Verbände pochten auf neues Konzept

Vor zwei Jahren gehörte Beat W. Zemp, Zentralpräsident des Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH), zu den Kritikern dieses Wettbewerbs. Das Konzept dieses Anlasses sei falsch gewählt, liess der oberste Schweizer Lehrer damals verlauten. Seit diesem Jahr unterstützt nun aber der LCH diesen Preis. Zudem hat Beat W. Zemp Einsitz im Patronatskomitee genommen.

«Es kann nicht sein, dass die Bildung schleichend an den Kriterien des Marktes gemessen wird.»

Martin Wyss, VPOD Luzern

Er erklärt, dass sich die Lehrerverbände und die Schulleiterverbände mit dem Forum Bildung auf eine Neukonzeptionierung einigen konnten. Gemeinsam habe man eine Ethik-Charta vereinbart. So werde das Erstellen von Ratings und Rankings ausdrücklich ausgeschlossen, weil diese eine Evaluationsgenauigkeit vortäuschen würden, die es unter den vorgegebenen Bedingungen gar nicht geben könne.

Zemp betont, dass die Sponsoren gemäss Ethik-Charta keinerlei Einfluss auf die Jury nehmen dürfen. Die Jury entscheide autonom über die eingereichten Bewerbungen und die Aufteilung der Preissumme. Eine Verbesserung sei auch, dass es nun nicht mehr so sei, dass der Löwenanteil der Preissumme an eine einzige Schule gehe.

VPOD kritisiert Finanzierung

Barbara Kurth-Weimer, Präsidentin des Lehrerinnen- und Lehrervereins Zug, findet es grundsätzlich in Ordnung, dass versucht wird, durch Wettbewerbe Anreize zu schaffen. Wichtig sei allerdings, dass aus solchen Preisverleihungen mit der Zeit nicht irgendwelche Rankings entstünden. «Ich bin überzeugt, dass es in der Schweiz ganz viele Schulen gibt, die einen solchen Preis verdienen würden und nicht nur deren zwölf.»

Martin Wyss vom Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) Sektion Luzern äussert grundsätzliche Skepsis. Der VPOD lehne jede Wettbewerbsbildung im Service Public ab: «Es handelt sich eben um öffentliche Dienste, die flächendeckend in allen Regionen auf hohem Qualitätsniveau angeboten werden.»

Darum wehre sich der VPOD auch in allen Kantonen gegen den Leistungsabbau in diesen Bereichen. Martin Wyss räumt ein, dass der Schweizer Schulpreis nicht primär auf die Etablierung eines Wettbewerbs zwischen den Schulen abziele, sondern versuche, herausragendes Engagement zu würdigen. «Dass diese Wertschätzung aber durch einen von der CS, Samsung und weiteren Grosskonzernen finanzierten Preis geschehen soll, ist für den VPOD äusserst stossend und wird von uns auch genau beobachtet. Es kann nicht sein, dass die Bildung schleichend an den Kriterien des Marktes gemessen wird.»

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