Vanja Palmers in seiner Wohnung in Luzern. (Bild: jav)
Gesellschaft Veranstaltung

Vanja Palmers in seiner Wohnung in Luzern. (Bild: jav)

6min Lesezeit

Seit seinem ersten LSD-Konsum ist Vanja Palmers auf der Suche nach dem Geheimnis des menschlichen Bewusstseins. Dazu unterstützt er auch wissenschaftliche Studien und wird an einem Vortrag am Montag Erkenntnisse daraus bekannt geben. zentral+ hat vorab mit dem 67-jährigen Luzerner gesprochen – auch über die Macht der Wissenschaft.

Eigentlich war Vanja Palmers schon gut unterwegs auf dem von der Familientradition vorgegebenen Weg. Er sollte, wie seine Brüder, in das Familienunternehmen Calida einsteigen. «Ich studierte Wirtschaft in Zürich und hatte schon meine ‹Vanja Palmers›-Boutiquen, als ich das erste Mal LSD nahm», erinnert sich der 67-jährige Luzerner.

Was er damals erlebte, war für ihn der Anfang einer lebenslangen Suche nach Antworten. «Ich war etwa 20 Jahre alt und begann, mich für Spiritualität zu interessieren, weil ich mit LSD ein spirituelles Erlebnis hatte. Ich erfuhr, dass nicht der König der höchste ist, sondern dass es da noch den Weisen gibt. Ich habe mich als Buddha erlebt, hatte das Gefühl, dass ich im Lotussitz sitze, obwohl ich das gar nicht konnte», erinnert sich Vanja Palmers.

«Durch diese Erlebnisse habe ich mich von festen Glaubenssätzen, die absolute Gültigkeit haben sollen, verabschiedet.»
Vanja Palmers 

Das wäre ja nicht weiter erstaunlich, wäre Palmers ein Buddhist gewesen. «Doch ich hatte mich vor diesem Erlebnis nie mit Buddhismus auseinandergesetzt, ich wusste nichts darüber.» Weshalb also erlebt er mit LSD ausgerechnet so etwas?

Auf der Suche nach Antworten

«Das ist eine Frage, auf die ich mein ganzes Leben lang Antworten gesucht habe. Ich weiss nicht, ob ich sie je wirklich beantworten kann», sagt der heutige Zen-Buddhist, «denn das Bewusstsein bleibt ein Geheimnis, trotz aller Gehirnforschung. Wir können einzelne Aspekte erklären, messen. Aber nicht das Ganze».

Vortrag: Einblicke in die Hirnforschung

Für Vanja Palmers bieten Substanzen wie LSD die Möglichkeit, wie mit einer Art Teleskop in unser Bewusstsein zu schauen, um dessen Geheimnisse zu erkunden. Weil er den Konsum dieser bewusstseinserweiternden Substanzen legalisiert sehen will, unterstützt er verschiedenste Studien zu deren wissenschaftlichen Untersuchung. Am Montag, 7. Dezember, findet um 17 Uhr der Vortrag «Spirituelle Dimensionen veränderter Bewusstseinszustände: Einblicke in die Hirnforschung» mit Prof. Franz X. Vollenweider und Vanja Palmers im D4 in Root statt. Dort werden erste Ergebnisse der Studie verraten. Anmeldung unter events@d4business-village.ch oder Telefon 041 455 20 20.

Sein erstes LSD-Erlebnis hatte einschneidende Folgen. «Ich hatte vorher nie hinterfragt, ob ich wirklich diesen Weg ins Familienunternehmen gehen will. Jetzt fing ich an, mir Alternativen zu überlegen.» Dann der Bruch: Vanja Palmers wird zum «Aussteiger», verlässt seine Partnerin und wird zum Prototyp eines Hippies. Das Umfeld verstand zwar nicht, was er da macht. «Doch wir hatten menschlich eine gute Beziehung, da war viel Wohlwollen.»

Über das intensive Erlebnis, das einen neuen Lebensweg initiiert hatte, konnte er mit niemanden richtig reden. «Nicht viele hatten damals solche Erfahrungen gemacht. Ich kam dann schnell auf das sogenannte Totenbuch von Timothy Leary. Dieses Handbuch für psychedelische Reisen benutzten wir damals. Kaum war Leary in der Schweiz, hab ich ihn natürlich besucht», meint Palmers schmunzelnd. 

Befreiende LSD-Experimente

Die LSD-Experimente wirken auf Palmers befreiend. «Durch diese Erlebnisse habe ich mich von festen Glaubenssätzen, die absolute Gültigkeit haben sollen, verabschiedet. Alles ist im Fluss. Man kann das Bewusstsein nicht erklären, aber man kann sich in dieses Geheimnis hineinbegeben.»

Die Auflösung der gewohnten Regeln löst bei vielen Angst aus. «Ich bin nicht der ängstliche Typ. Ich war eher verwirrt. Wenn die Identität so aufgegeben wird, macht plötzlich alles und nichts Sinn.» Auf die Frage nach dem Sinn erklärt Vanja Palmers: «Unsere tiefste Basis ist, dass wir zufrieden sein wollen in unserem Leben. Wir wollen nicht leiden. Wenn wir zufrieden sind, fühlen wir uns sinnvoll.»

Wie wichtig der Sinn für das menschliche Leben ist, erklärt Vanja Palmers im Video:

Dieser Sinn ist sehr subjektiv. «Ich erinnere mich zum Beispiel an eine Aktion mit dem Tierschutz. Wir protestierten für ein Importverbot für Käfigeier und hatten die Grenzübergänge aufgeteilt. Ich stand mit meinem Plakat an einer total abgelegenen Grenze im Regen. Kein Mensch war da. Objektiv gesehen, war das total sinnlos, für mich war es aber sehr sinnvoll.»

«Es gibt verschiedene Wege, Spirituelles zu erleben. Das Problem ist nur, dass dieser Weg, die Substanzen, kriminalisiert ist.»

«Das ist totale Ekstase»

Seine Spiritualität, was er für sich herausgefunden hat, will er aber anderen nicht mehr näherbringen. «Ich lebe bewusst meine Werte, aber ich versuche nicht mehr, andere zu überzeugen. Aber wenn jemand mitbekommt, dass ich Vegetarier bin, dann ergibt sich daraus oft automatisch ein Gespräch.»

Die Natur des Intellekts sei, verstehen zu wollen. «Aber für mich ist das Erlebnis wichtiger. Und das, was man daraus macht», sagt Palmers. So haben ihn auch die möglichen medizinischen Erklärungen seines spirituellen Erlebnisses nur am Rande interessiert, sondern die direkte Erfahrung. «Wenn man im Moment ist, sich fokussieren kann. Das ist totale Ekstase, man ist eins», betont er.

 «Wissenschaft ist die einzige Sprache, die unsere Gesellschaft versteht.»

So geht es dem Tierschützer auch mit den Erfahrungen mit bewusstseinserweiternden Substanzen. «Es gibt Leute, die sich fragen, ob diese spirituellen Erlebnisse authentisch sind, ob die Substanzen eine Abkürzung sind. Aber das ist für mich sekundär. Es gibt verschiedene Wege, Spirituelles zu erleben. Das Problem ist nur, dass dieser Weg, die Substanzen, kriminalisiert ist», gibt er bedauernd zum Ausdruck.

Für Vanja Palmers bieten diese Substanzen die Möglichkeit, wie mit einer Art Teleskop in unser Bewusstsein zu schauen, sich dem Geheimnis Bewusstsein anzunähern. Weil er den Konsum dieser Substanzen legalisiert sehen will, setzt sich Palmers für verschiedenste Studien ein, welche beispielsweise die Wirkung von Psilocybin (in sog. Magic Mushrooms) auf Langzeitmeditierende untersuchen. «Wissenschaft ist die einzige Sprache, die unsere Gesellschaft versteht.» Erste Ergebnisse dieser Studie wird Franz X. Vollenweider am Vortrag verraten (siehe Box). Zudem wird darüber diskutiert, ob bewusstseinserweiternde Substanzen legalisiert werden sollen.

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