Immer mehr Luzerner starten die Finanzierung ihrer Projekte per Crowdfunding. (Bild: fotolia)
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Immer mehr Luzerner starten die Finanzierung ihrer Projekte per Crowdfunding. (Bild: fotolia)

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Bei innovativen Ideen ist das zentrale Problem immer dasselbe: das liebe Geld. Sei es für ein Musical, eine Zitronenpresse, einen Shuttlebus für ein Kulturlokal oder dafür, Guido Graf nach Eritrea zu schicken. Die Lösung dafür heisst immer öfters «Crowdfunding». Und die Luzerner sind dabei besonders aktiv.

«Ich brauche bald selbst ein Crowdfunding, damit ich alle anderen Crowdfoundings unterstützen kann», dieser Kommentar einer Luzernerin auf Facebook beschreibt die momentane Entwicklung ziemlich gut. Seien es nationale Projekte wie das kürzlich medial überpräsente «Mir langets!» oder regionale, überall trifft man sie an.

Erfolgreiche Projekte in Luzern

Tatsächlich hat sich das «Crowdfunding», eine Art Projektfinanzierung durch eine grosse Anzahl von Menschen – meist Internetnutzer –, in den letzten Jahren immer stärker etabliert. Die Idee, dass viele Personen gemeinsam mit kleinen Beträgen ein Projekt finanzieren, ist zwar nichts Neues, wurde jedoch durch die Möglichkeiten des Internets und besonders der sozialen Medien auf eine neue Ebene gehoben.

Und das Ganze hat auch in Luzern an Fahrt aufgenommen. Erst sorgte dieses Jahr das Crowdfunding für den Sedel-Shuttle für Schlagzeilen, da in Rekordzeit sogar einiges mehr als der beabsichtigte Betrag zusammenkam. Auch das Kochbuch des «B-Sides»-Festivals kam durch Crowdfunding zustande.

Dann sammelten die Jungen Grünen des Kantons Luzern dafür, Guido Graf infolge seines Briefes an Simonetta Sommaruga nach Eritrea schicken zu können (zentral+ berichtete). Ebenfalls erfolgreich. Auch wenn der Regierungsrat das Flugticket schliesslich ablehnte. Und diesen Oktober konnte die Rezensionen-Plattform Kulturteil per Crowdfunding erfolgreich seine Zukunft sichern.

Tausende, Millionen von Franken

Das Institut für Finanzdienstleistungen der Hochschule Luzern (HSLU) hat diesen Markt hierzulande im Sommer unter die Lupe genommen. Dafür hat das Forschungsteam die Daten sämtlicher aktiven Plattformen in der Schweiz ausgewertet.

Die Plattform «100-days» von Ron Orp scheint in Luzern besonders beliebt zu sein. Mit einer aktuellen Anzahl von 42 Projekten liegt Luzern zwar hinter Zürich und Bern, aber noch vor Basel.

Definition «Crowdfunding»

Crowdfunding ist eine Art der Finanzierung («funding») durch eine Menge («crowd») von Internetnutzern. Zur Spende oder Beteiligung wird über persönliche Webseiten, professionelle Webseiten und spezielle Plattformen aufgerufen.

Und schaut man sich die Projekte an, kommt dem aufmerksamen zentralplus-Leser so einiges bekannt vor. Mit über 10'000 Franken ist der Musical-Erfolg Verona 3000 zu finden, mit fast 8'000 Franken die neuen Jasskarten des Künstlers Benedikt Notter, der bereits erneut mit einem Bilderbuch dabei ist und auch damit wieder auf gutem Weg. Auch der faire Kleiderladen Glore hat 20'000 Franken zusammengebracht.

Und da war noch das Projekt der Musikhochschule mit Peter Broderick, welches bei «Wemakeit» über 7'000 Franken generieren konnte. Oder die neuartige Zitruspresse mit über 35'000 Franken.

Auf der Plattform «Kickstarter», die in der Schweiz noch nicht so stark vertreten ist, wird noch gesammelt – für die «Karten gegen das Bünzlitum». Das Zwischenziel von 9'500 Franken ist bereits erreicht.

Wachstum von bis zu 100 Prozent

Insgesamt wurden im Jahr 2014 schweizweit rund 16 Millionen Franken durch Crowdfunding vermittelt – 36 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Vergleich zu 2011 hat sich das Volumen gar verfünffacht.

«Die Unterstützer müssen sich mit dem Projekt, der Person oder dem Produkt identifizieren können.»
Andreas Dietrich, Experte für Crowdfunding

Das Jahr 2015 wird dem nochmals einen draufsetzen, weiss der HSLU-Dozent und Crowdfunding-Experte Andreas Dietrich. «Wir haben ein Wachstum von 50 bis 100 Prozent vorausgesagt und nach den neusten Zahlen zu urteilen wird das auch erreicht werden.» Wir sprechen dabei von 25 bis 30 Millionen Franken. Und auch bei den Playern wächst der Markt weiter. «2013 waren in der Schweiz 15 Plattformen aktiv, Ende 2014 waren es 30 und der Stand diesen August lag bei 39.»

International durchs Internet?

Spannend ist, dass Projekte meist von Menschen aus dem Umkreis von 30 bis 50 Kilometern unterstützt werden. «Die Vorstellung einer internationalen Reichweite durch das Internet bestätigt sich hier nicht. Die Unterstützer kommen meist aus derselben Region wie die Initianten», erklärt Dietrich. Genaue kantonale Zahlen wurden bisher noch nicht veröffentlicht. «Aber die Innerschweiz ist auf jeden Fall stark vertreten», weiss Dietrich.

Doch wer startet eigentlich Crowdfundings? Die Studie der HSLU zeigt die Bereiche auf, in welchen die meisten und erfolgreichsten Crowdfundings zustande kommen. In den Bereichen Musik, Soziales, Sport, Kunst und Games werden am häufigsten Projekte lanciert. Die finanziell erfolgreichsten sind jedoch im Bereich der Start-ups zu finden.

Dietrich nennt die Punkte, die für den Erfolg eines Crowdfundings zentral sind: «Neben einem starken Start braucht ein erfolgreiches Crowdfunding auch gute Gegenleistungen und eine aktive Kommunikation. Sehr positiv sind dabei beispielsweise Videobotschaften. Zudem müssen sich die Unterstützer mit dem Projekt, der Person oder dem Produkt identifizieren können. Es muss eine emotionale Verbindung entstehen.»

Diese Tipps können sich gleich zwei aktuelle Luzerner Crowdfundings hinter die Ohren schreiben. Die Bäckerei Konditorei Merz an der Eisengasse sammelt für einen Ausbildungsplatz 60'000 Franken. «Imaginary Wanderings» hingegen hat sein Ziel schon fast erreicht – am Montagnachmittag lagen sie noch knapp unter den angestrebten 15'000 Franken für ein interaktives Buch zur Vermittlung von Sagen und Geschichten rund um den Vierwaldstättersee.

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