Ein grosser Kran schafft verschiedene Möbelstücke in den ersten Stock des Bahnhofgebäudes Luzern. (Bild: rob)
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Ein grosser Kran schafft verschiedene Möbelstücke in den ersten Stock des Bahnhofgebäudes Luzern. (Bild: rob)

Jetzt wird mit der grossen Kelle angerichtet

6min Lesezeit

Seit Monaten steht es geschrieben: Ende Oktober wird das neue Vegi-Restaurant Tibits im ersten Stock im Bahnhof Luzern eröffnet. zentral+ war exklusiv mit dabei, als das tonnenschwere Herzstück des Restaurants – das Food Boat – per Kran angeliefert wurde. Und wir verraten, was die Luzerner im neuen Riesen-Lokal Neues vorgesetzt bekommen.

Etwas seltsam ist die Geschichte schon. Da sucht Tibits jahrelang verzweifelt in Luzern nach einem Lokal, wird Ende 2014 endlich im ersten Stock im Bahnhof Luzern fündig, eröffnet es – um es dann nach wenigen Monaten wieder zu schliessen, obwohl es fast immer rammelvoll war. Nun wird das neue Tibits nach fast einem Jahr wieder eröffnet. Doch davon später mehr.

«Es ist für uns ein emotionaler Moment. Das Food Boat ist der Dreh- und Angelpunkt des Restaurants.»

Tobias Keller, Tibits

Im Moment ist Action angesagt im Bahnhof Luzern. Ein riesiger Kran steht auf der KKL-Seite bereit, um das wichtigste Utensil in den ersten Stock hinaufzuheben: Das so genannte Food Boat, ein grosses Buffet in Form eines Ruderbootes – darin werden schon bald die vielen vegetarischen und veganen Speisen angerichtet. «Es ist für uns ein emotionaler Moment», gibt Tobias Keller von Tibits in leicht pathetischem Unterton zu. «Das Stück ist der Dreh- und Angelpunkt des Restaurants.»

Kein reines Vegi-Lokal in Luzern

Wer in der Stadt Luzern in ein Lokal gehen will, das ausschliesslich vegetarische Speisen anbietet, wird enttäuscht. Seit das Restaurant Hofgarten vor sechs Jahren Fleisch und Fisch in die Speisekarte aufgenommen hat, gibt es in Luzern kein eigentliches Vegi-Lokal mehr. Allerdings werden Vegetarier in Emmenbrücke glücklich: Das Restaurant Gersag hat sich sogar auf ausschliesslich vegane Küche ausgerichtet – allerings mit einer kleinen Ausnahme: Am Mittag gibt es auch ein Menu mit Fleisch.

Verschiedene Bars und Restaurants bieten in und um Luzern – nebst Fleisch und Fisch – vegetarische Speisen an. So serviert etwa die Volière auf dem Inseli vegetarische und vegane Mittagsmenus an. Auch im Bistro des Neubad bekommt man vegane Kost und in der Kulturbeiz Meyer am Bundesplatz kann man vegetarisch essen. Veganes wird zudem im Crazy Cup Cake Café an der Bruchstrasse angeboten.

Heikler Moment

Das Food Boat besteht im Moment noch aus zwei tonnenschweren Betonschalen, die gut verpackt vom Kran in die Höhe gehoben werden. Ein heikler Moment entsteht, als sich das Stück plötzlich in der Höhe zu drehen beginnt. Nervös verscheucht der Sicherheitsangestellte die Passanten vom Ort des Geschehens. Auf keinen Fall darf hier etwas schief gehen, schliesslich will man mit Pauken und Trompeten und nicht mit einer Unfallmeldung in Luzern einziehen.

Schliesslich klappt alles reibungslos. Die Stücke werden sofort ins Restaurant über den Gleisen gebracht. Wobei von einem Restaurant noch nicht so viel zu sehen ist. Was aber klar ersichtlich ist: Hier wird mit Hochdruck gearbeitet, an allen Ecken und Enden wird gehämmert, gebohrt, geschliffen und geschraubt. Auf geschätzten 500 Quadratmetern entsteht ein riesiger «Vegi-Tempel». Auf der einen Seite hat man einen Blick über die Gleise, auf der anderen sieht man in die Bahnhofshalle und auf den See. «Es wird über 100 Sitzplätze geben», verrät Tobias Keller. Er verspricht sich vom Neubau einiges. «Im Provisorium hatten wir aus Platzgünden ein beschränktes Angebot – nun können wir mit der grossen Kelle anrichten.»

Alles aufeinander abgestimmt

Noch hängen überall Kabel herunter, es ist staubig, und es riecht nach trocknendem Beton und nach Lösungsmitteln. Ein Baustelle. «In Luzern werden wie in jedem Tibits eigene Tapeten von Designer’s Guild aus London unsere typische Atmosphäre schaffen», erklärt Tobias Keller. Genaueres möchte er aber noch nicht verraten – es solle eine Überraschung sein. Das Luzerner Tibits ist eines von mehreren bereits bestehenden Lokalen, aber gemäss den Betreibern soll es nicht einfach «eines mehr» sein. Es soll etwas ganz Besonderes werden, wird versprochen.

 

Noch ist es eine Baustelle, bald schon wird hier das neue Tibits eröffnet.
Noch ist es eine Baustelle, bald schon wird hier das neue Tibits eröffnet. (Bild: rob)

Bei so viel Vorschusslorbeeren darf man ja gespannt sein. Der Name Tibits und die zentrale Lage sollten ohnehin Garant dafür sein, dass die Leute in Scharen in das neue Lokal strömen werden. Bei Tibits zeigt man sich vorsichtig optimistisch. Mit der Lage im Bahnhof sei man sehr zufrieden, zudem hätten die Erfahrungen aus Bern gezeigt, dass ein solcher Standort optimal sei. Wie viel Tibits in das neue Lokal in Luzern investiert hat, wird nicht verraten.

Tibits als Lifestyle

Bald geht es los im ersten Stock im Bahnhof. Rund 40 Personen werden im Tibits arbeiten. «Die meisten Stellen haben wir bereits besetzt», sagt Tobias Keller. Viele davon sind Luzerner – und Vegetarier? Tobias Keller lacht. «Nein, das ist kein Anstellungskriterium. Schliesslich sind auch drei Viertel unserer Gäste keine Vegetarier, wir sind bewusst für alle da.»

Und warum mussten die Luzerner so lange auf die Neueröffnung warten – ein Marketing-Gag? Nein, sagt Tobias Keller. Zuerst habe die SBB den oberen Stock umgebaut, der Innenausbau des Tibits hat erst im Frühsommer begonnen. Und im letzten Jahr habe man das leer stehende, ehemalige Bahnhofsbuffet so lange wie möglich mit einem Provisorium überbrückt. Aber nun werde Luzern definitiv und für hoffentlich längere Zeit mit vegetarischer und veganer Kost versorgt, verspricht Keller.

Für den vegetarischen und veganen Familienbetrieb aus Zürich ist Luzern bereits die achte Filiale, nachdem die Gebrüder Frei im Jahr 2000 zusammen mit der Familie Hiltl ihr erstes Restaurant im Zürcher Seefeld eröffneten. Inzwischen gibt es Tibits-Lokale in Bern, Basel, Winterthur, Zürich und London. Feste Preise hat Tibits nicht – man zahlt je nach Gewicht. Das Buffet umfasst über 40 vegane und vegetarische Speisen aus aller Welt.

Neues Reisezentrum im ersten Stock

Am 29. Oktober wird neben dem Tibits-Restaurant im ersten Stock in der Bahnhofshalle das neue Reisezentrum eröffnet. Die Bauarbeiten haben im Januar begonnen und dauern rund 10 Monate. Neu muss jeder Kunde, ähnlich wie bei der Post, eine Nummer ziehen, bevor er am Schalter bedient wird. Neu wird auch sein, dass man an den meisten Schaltern alle Dienstleistungen beziehen kann, es wird also nicht mehr wie bisher zwischen nationalen und internationalen Billetten unterschieden.

Machen Sie sich selbst ein Bild, wie es im Moment rund um das neue Tibits-Lokal aussieht:

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