Bianca Sissing lebt heute in Luzern, gibt Yoga-Unterricht und arbeitet als Floristin. (Bild: rob)
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Bianca Sissing lebt heute in Luzern, gibt Yoga-Unterricht und arbeitet als Floristin. (Bild: rob)

«Ich kann mehr als nur schön sein»

8min Lesezeit

Bianca Sissing war 2003 eine der ersten «exotischen» Schönheitsköniginnen hierzulande. Da sie nur gebrochen Deutsch sprach, sorgte das für kontroverse Diskussionen. Gegenüber der Welt der «Schönen und Reichen» ist sie inzwischen kritisch eingestellt – dafür ist sie sich nicht zu schade, auch mal «Dreck» anzufassen.

Auch mit 36 sieht sie immer noch aus, als hätte sie das Krönchen der Miss Schweiz gerade gestern erst gewonnen. Dabei ist das schon zwölf Jahre her. Offenbar verhält es sich mit der Schönheit ähnlich, wie mit dem Unkraut: Es, beziehungsweise sie, vergeht nicht. Bianca Sissing sitzt in einem Café in der Luzerner Altstadt, rührt in der Kaffeetasse und schmunzelt. Zum Thema Schönheit hat sie heute ein – sagen wir mal – differenziertes Verhältnis.

Zur Person

Bianca Sissing (geboren 1979) ist zusammen mit ihrem Schweizer Vater und ihrer südafrikanischen Mutter indischer Abstammung in Kanada aufgewachsen. Sie studierte in Toronto Psychologie, bevor sie in die Schweiz zog. 2003 wurde sie zur Miss Schweiz gewählt. Weil sie nicht akzentfrei Deutsch und weder Französisch noch Italienisch sprach, kam es in den Medien zu Diskussionen, ob eine Schönheitskönigin die Landessprachen beherrschen müsse. Bei den Miss-Universe- und Miss-World-Wahlen kam sie unter die ersten Fünfzehn.

Heute lebt Bianca Sissing zusammen mit ihrem Mann im Raum Luzern. Sie arbeitet unter anderem als Model, Floristin und als Yoga-Lehrerin.

Sie hat zwar dem Model-Business nicht gänzlich den Rücken gekehrt, aber sie sagt klar: «Ich mache nicht mehr alles. Es muss zu mir passen, es muss authentisch sein.» Werbung für Pelz zum Beispiel würde sie nicht machen. «Ich gehe auch nicht an jede Party, nur um im Gespräch zu bleiben.» Sehen und gesehen werden – das interessiert sie nicht mehr. «Ich kann mehr als nur schön sein», sagt sie und lacht.

Arbeitet an zwei grossen Projekten

Womit wir mitten im Thema wären: Was macht Bianca Sissing eigentlich heute? Das sei gar nicht so einfach zu erzählen, sagt sie. Im Moment arbeite sie an zwei grösseren Projekten, die nächsten Frühling lanciert werden. «Dafür investiere ich sehr viel Zeit.» Vor allem eine Sache könnte etwas Spannendes, etwas Grosses werden, fügt sie an. Alles Nachfragen und Bitten ist zwecklos: Bianca Sissing will noch nicht mehr verraten. «Es ist etwas, das auch für die Öffentlichkeit von Interesse sein wird», gibt sie dann doch noch preis.

Und sonst? Auch das ist nicht in einem Satz geklärt. Bianca Sissing macht viele verschiedene Dinge. «Ich folge meiner Passion, nutze meine Talente und Interessen», meint sie dazu. Nebst gelegentlichen Model-Aufträgen arbeitet sie als Yoga-Lehrerin und als Floristin. Dieses etwas aussergewöhnliche Job-Profil weckt die Neugier des Gegenübers: Wie wird die ehemalige Schönheitskönigin, der alle zu Füssen lagen und die damit viel Geld verdient hat, zu einer Floristin? Und Yoga?

Bianca Sissing ist sich bewusst, dass sie keinen gewöhnlichen Alltag lebt. «Bei mir ist kein Tag wie der andere.» Aber ihr gefällt das. Mühe hat sie nur, wenn Leute sie deswegen schräg anschauen. Das sind die Momente, bei denen sie sich fremd fühlt in Luzern, wo sie sich beengt fühlt und sie Fernweh nach Kanada bekommt. Dem Land, wo sie aufgewachsen ist, zusammen mit ihrem Schweizer Vater und ihrer südafrikanischen Mutter indischer Abstammung.

«Nur Model sein befriedigt mich nicht, das ist mir zu oberflächlich.»

Bianca Sissing

Steiniger Weg nach dem Missen-Titel

Eigentlich wäre doch alles ganz einfach gewesen: Der Titel Miss Schweiz öffnet Tür und Tor für eine schillernde Karriere im Model- oder Schauspiel-Business. Genau das wollte Bianca Sissing aber nicht. «Nur Model sein befriedigt mich nicht, das ist mir zu oberflächlich», sagt sie. Darum wollte sie mit Kindern arbeiten. Mit ihrem Bachelor in Psychologie, dachte sie, werde das sicher möglich sein. Doch sie täuschte sich. Sämtliche Bewerbungen in Kinderkrippen, Tagesstätten und ähnlichen Institutionen kamen postwendend zurück. Das, was sie gelernt hatte, zählte hier in der Schweiz nicht. Auch ihr Titel als Miss Schweiz half ihr nicht weiter. «Das war an einigen Orten sogar ein Nachteil.» Eine Schönheitskönigin, die eine seriöse Arbeit machen will? «Man traute mir das einfach nicht zu», sagt Bianca Sissing. Sie hatte auch gegen Vorurteile zu kämpfen, gegen das Klischee von der schönen, aber dummen Frau.

Also hätte sie in der Schweiz ihr Psychologiestudium nochmals von vorne beginnen müssen. Dazu hatte sie aber definitiv keine Lust. «Also überlegte ich, was ich gerne machen würde.» Sie sei ein kreativer Mensch, der gerne etwas mit den Händen mache, sagt sie. Natur, Farben, Gestalten: Das liegt ihr, und so kam die Idee, eine Ausbildung als Floristin zu machen. Der Direktor des Berufsbildungszentrums meinte zuerst, sie mache einen Witz, als sie anrief. «Er rief später zurück, weil er dachte, es sei ein Fake-Anruf», erinnert sich Bianca Sissing.

Eine Miss, die «nur» Blumen verkauft

War es nicht. Bianca Sissing meinte es ernst. Sie fand in einem kleinen Blumenladen in Luzern eine Lehrstelle, schloss die Ausbildung vor drei Jahren ab und arbeitet seither 30 Prozent als Floristin. Eine Tätigkeit, die ihr sehr gefällt. Die Reaktionen der Kunden sind unterschiedlich. «Viele erkennen mich und freuen sich, dass eine ehemalige Miss Schweiz als Floristin arbeitet», sagt sie. Aber es gibt auch diejenigen, welche fragen, ob sie denn überhaupt so eine körperliche Arbeit machen könne. Womit wir wieder bei den Vorurteilen wären. Und natürlich gibt es auch Leute, die sagen, dass es für eine Psychologin und Prominente doch etwas seltsam sei, «nur» Blumen zu verkaufen. Bianca Sissing stört sich nicht mehr an solchen Urteilen. «Nur weil ich da etwas weniger verdiene, heisst das noch lange nicht, dass die Arbeit minderwertig ist.»

Engagement für Tiere und Kinder

Privat geht es der Ex-Miss prächtig, wie sie versichert. Seit fünf Jahren ist sie mit ihrem Partner Pirmin Loetscher verheiratet. Neben ihrer Liebe verbindet sie auch ein Thema: Esoterik. Er hat vor einem Jahr den Ratgeber «Annehmen und Loslassen» herausgegeben, und sie hat sich zur Yoga-Lehrerin ausbilden lassen. «Die Esoterik hat mich schon immer interessiert», sagt Bianca Sissing.

«Früher war die Miss-Wahl etwas Besonderes. Heute ist der Markt übersättigt mit all den Casting-Shows, Pop-Stars, Reality-Sendungen und so weiter.»

Bianca Sissing

Auch zu erwähnen ist ihr Engagement für Tiere und Kinder. Ihr geht es dabei nicht um eine Plattform, um Werbung in eigener Sache zu machen. «Ich liebe Tiere», sagt sie und schaut zu ihrem Hund, der auf dem Boden liegt und schläft. Seit über zehn Jahren ist Luna ihre treue Begleiterin.

Schon als Teenager war sie in Honduras und Guatemala und hat sich für Kinderschutzprojekte stark gemacht. Stellt sich zum Schluss die Frage, ob sie bald auch eigene Kinder haben möchte. «Das wäre sehr schön, aber wir haben diesbezüglich keinen Stress», sagt Bianca Sissing. Sie könnte sich auch eine Adoption vorstellen. «Es gibt so viele Kinder, die keine Eltern haben. Schon als junge Frau habe ich mich mit dem Thema Adoption befasst.» Allerdings sei dies eine ziemlich komplizierte und teure Angelegenheit, räumt sie ein.

Und was denkt sie über das Miss-Schweiz-Business, das in der Krise steckt? «Früher war die Miss-Wahl etwas Besonderes. Heute ist der Markt übersättigt mit all den Casting-Shows, Pop-Stars, Reality-Sendungen und so weiter.» Aber das sei gar nicht so negativ, findet die Ex-Miss Schweiz. «Die Leute interessieren sich weniger für die oberflächliche Schönheit. Das finde ich gut. Wenn schon Aufmerksamkeit, dann soll man doch etwas Vernünftiges machen damit.»

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