Die Pilatus-Bahnen AG ist für die Beleuchtung des Berggipfels verantwortlich. (Bild: zvg)
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Die Pilatus-Bahnen AG ist für die Beleuchtung des Berggipfels verantwortlich. (Bild: zvg)

«Das ist Mickey Mouse-Tourismus»

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Schön gell? Der Pilatus-Gipfel wurde letzte Woche hell beleuchtet. Doch was in der sternklaren Nacht so nett anzuschauen ist, gefällt nicht allen: Besonders Natur- und Landschaftsschützer haben Mühe mit der touristischen Attraktion. Das weiss auch derjenige, der den Knopf drückt.

Das Ereignis an sich war ja bezaubernd: In einer warmen klaren Sommernacht, genauer vom Donnerstag auf Freitag, strahlte eine massive Felswand hoch oben am Luzerner Himmel mit allen Sternen um die Wette. Der Gipfel des Pilatus wurde während gut zwei Stunden hell beleuchtet.

Ein aufmerksamer zentral+-Leser liess daraufhin unserer Redaktion das Titelbild zukommen. Allerdings war er vom Szenario weniger begeistert. Im E-Mail fügte er ein paar kritischen Fragen an, welchen wir gerne nachgegangen sind. 

Erste Frage: Was soll das?

Es handelte sich um ein Ereignis, für das Godi Koch, CEO der Pilatus-Bahnen AG, verantwortlich ist. Er hält quasi den Drücker in der Hand und kann per Handy die neun grossen Scheinwerfer aktivieren. Er braucht insgesamt neun Scheinwerfer für das Maximum an Lichtstrahlen. «Es gab keinen speziellen touristischen Anlass für die Einschaltung, sondern nur eine technische», sagt er auf Anfrage. 

Grund für die Beleuchtung in der Nacht auf Donnerstag seien Neueinstellungen der Scheinwerfer gewesen, sagt Koch.«Die Lampen wurden vor den Installationen der neuen Seilbahn ‹Dragonride› abmontiert und nun neu gerichtet.» Die Pilatus-Bahn-Gesellschaft beleuchtet seit 1991 zeitweise die beiden Pilatusgipfel «Esel» und «Oberhaupt» grossflächig. Spezielle Feiertage wie der 1. August oder ein Luzerner Fest können Anlass dafür sein. 

«Wir sind gegen diese Art der Zurschaustellung der Bergwelt. Das braucht es nicht.» 

Hans-Niklaus Müller, Geschäftsleiter LSV Vierwaldstättersee

Zweite Frage: Was sagen Naturschützer dazu?

Was am Nachthimmel so schön aussieht, ist allerdings nicht unumstritten. Die Beleuchtung wird von vielen kritisiert. Insbesondere Natur- und Landschaftsschützer sehen es nicht gerne, wenn die hellen Lampen auf rund 2'000 Meter über Meer angeknipst werden. Hans-Niklaus Müller, Geschäftsleiter des Landschaftsschutzverbands Vierwaldstättersee, macht da keinen Hehl draus: «Das ist Mickey Mouse-Tourismus und für unsere Region völlig artfremd und unerwünscht», meint er. Unerwünscht seien die Lichter aus landschaftsästhetischen, wie auch ökologischen Gründen. «Wir sind gegen diese Art der Zurschaustellung der Bergwelt. Das braucht es nicht.» 

Auch Pro Natura beobachtet solche Beleuchtungen ausserhalb von Siedlungen mit Skepsis. Am Gipfel des Pilatus leben etwa Bergdohlen, Steinböcke, Gämsen oder Rauhfusshühner. Man sollte die Tiere in der Nacht in Ruhe lassen, sagt Roland Schuler, Mediensprecher von Pro Natura. «Beleuchtungen beeinflussen das natürliche Verhalten von Wildtieren wie Fledermäusen oder Vögeln und verlängern die Störung durch menschliche Aktivität in die Nacht hinein. Andererseits stünden die Beleuchtungen besonders energiepolitisch komplett quer in der Landschaft, so Schuler weiter. Anstelle eines sorgsamen Umgangs mit der wertvollen Ressource Energie werde sie «verschwendet».

«Wir setzen die Beleuchtung zurückhaltend ein.»

Godi Koch, CEO Pilatus-Bahnen AG

Dritte Frage: Wird das jetzt öfters so sein?

Starker Tobak an die Adresse der Touristiker. Dass die Beleuchtung für die Natur- und für das Landschaftsbild als kritisch gilt, ist sich Pilatusbahnen-Chef Godi Koch bewusst. «Das Einschalten der Scheinwerfer ist heikel», so Koch. «Es liegt in unserem Ermessen, wann sie eingeschaltet wird und wir setzen sie sehr zurückhaltend ein.» Gemäss den gesetzlichen Bestimmungen dürften die Gipfel eigentlich viel mehr, nämlich ganze zweimal pro Woche, beleuchtet werden.

In den Neunzigerjahren erzwang der Schweizer Heimatschutz vor Bundesgericht strickte Regeln für das Einschalten der Lampen. Der Nidwaldner Regierungsrat schrieb diese 1993 fest. Das entsprechende Gebiet gehört zur Gemeinde Hergiswil. So darf die Beleuchtung nur zwei Stunden pro Nacht dauern. Eine Veränderungen der Lichtstärke, Farbe, Intensität, oder Zeitdauer ist nicht erlaubt, oder muss wiederum raumplanerisch beurteilt werden.

Zwischen der Betriebseinstellung der Zahnradbahn, spätestens jedoch ab Ende November und bis Mitte März, darf die Beleuchtung nur an Samstagen und Sonntagen, sowie an einzelnen ausserordentlichen Anlässen betrieben werden. Diese Bedingungen schrieb die Baudirektion es Kantons Nidwalden 1993 fest. 

Was denken Sie über die Beleuchtung des Pilatus-Gipfels? Soll man das öfters machen oder nicht? Als Community-Mitglied können Sie uns Ihre Meinung mit der Kommentar-Funktion mitteilen.

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