Addis Gezahegne führte für die «Aktionswoche Asyl» ein Lauftraining durch. (Bild: zvg)
Gesellschaft Sport Immigration

Addis Gezahegne führte für die «Aktionswoche Asyl» ein Lauftraining durch. (Bild: zvg)

«Durch den Sport habe ich viele Freunde kennengelernt»

3min Lesezeit

Dank ihren Leistungen nimmt man Addis Gezahegne als herausragende Persönlichkeit wahr. Die ehemalige Spitzenläuferin spricht sehr gerne über ihren Sport. Aber wenn es um ihre Flucht aus Äthiopien geht, fliessen Tränen. 

Addis Gezahegne mag solche Interviewsituationen nicht. Sie sitzt da, an einem Sitzungstisch im Haus des Schweizerischen Arbeiterhilfswerks (SAH), nicht weit vom Luzerner Asylzentrum Hirschpark entfernt, und lächelt verlegen. Sie soll über ihr Schicksal sprechen, über ihre Flucht aus Äthiopien und ihren langen Weg. Die Worte stocken, ihr Deutsch sei nicht gut, entschuldigt sie sich. Aber später beginnen ihre Augen zu strahlen. Ihre Sprache wird plötzlich deutlich, bestimmt und direkt. Einwandfrei. Es geht um Sport.

Kontakt mit Asylsuchenden

Unter dem Motto «fremd.nah.mittendrin» finden vom 14. bis 21. Juni rund 30 Veranstaltungen statt. Sie ermöglichen den direkten Kontakt zu Menschen aus vielen Herkunftsländern und mit verschiedensten kulturellen Hintergründen. Einer der Höhepunkte war das Podiumsgespräch zum dramatischen Geschehen in Syrien (hier geht's zur Webseite).

Sport für die Integration 

Das persönliche Treffen mit der ehemaligen äthiopischen Spitzenathletin wurde vom SAH organisiert. Die 44-Jährige ist klein und grazil. Früher war Addis Gezahegne Läuferin auf höchstem Niveau. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Kriens. Im Rahmen der «Aktionswoche Asyl» leitete sie kürzlich ein Lauftraining in Luzern (siehe Bildergalerie). Der Kanton und die Stadt Luzern unterstützen das Projekt. Es sollen Kontakte zu Menschen aus Flüchtlingsländern gefördert werden. «Es hat mit sehr viel Spass gemacht», sagt Gezahegne.

Der Sport habe bei ihrer Integration in der Schweiz eine sehr wichtige Rolle gespielt, sagt sie scheu. Addis Gezahegne war eine Zeitlang im Luzerner Sportclub, heute ist sie im Krienser Marathonteam aktiv. Dank ihren Leistungen nimmt man sie in ihrem Umfeld als herausragende Persönlichkeit wahr. Und ihr wird dadurch viel Respekt entgegengebracht. «Seit 19 Jahren bin ich in der Schweiz. In Luzern und Umgebung habe ich viele Freunde kennengelernt», sagt sie.

Gewinnerin des ersten Lucerne Marathon

Beim Lauftraining kann man bei ihr sicher etwas lernen. Schliesslich hat Addis Gezahegne 1992 an den Olympischen Spielen teilgenommen und ein Jahr zuvor einen afrikanischen Marathonrekord aufgestellt. Sechs Jahre reiste sie mit der äthiopischen Nationalmannschaft von Wettbewerb zu Wettbewerb. Und 2007 war sie die Siegerin des ersten Lucerne Marathon. 

Warum sie aus Äthiopien flüchten wollte, will sie nicht öffentlich sagen. Es seien politische Gründe gewesen. Beschämt wischt sie sich die Tränen aus dem Gesicht. Sie kam über Italien in die Schweiz. Den ersten Monat nach ihrer Flucht lebte sie in Genf, dann kam sie nach Luzern ins Zentrum Sonnenhof in Emmenbrücke. «Der Anfang war sicher sehr schwierig, vor allem die Sprache, die Kultur und das Wetter», erzählt sie. 

Addis Gezahegne und ihr Mann fanden dann schliesslich Arbeit in der Schweiz. Kriens ist heute der Lebensmittelpunkt der Familie Gezahegne. Die beiden Kinder, die zehn und fünfzehn Jahre alt sind, gehen in Kriens in die Schule. «Ich bin sehr stolz auf meine Familie. Sie sind alle sehr sportlich. Und seit ein paar Wochen habe ich den Schweizer Pass.» Wieder lächelt sie ganz verlegen. 

Mehr Bilder vom Training im Rahmen der «Aktionswoche Asyl» finden Sie hier in unserer Slideshow:

x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Gesellschaft