Die Kantone Zug und Schwyz haben Grabungsarbeiten im vermuteten Schlachtgebiet durchgeführt - und sind fündig geworden. (Bild: zvg)
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Die Kantone Zug und Schwyz haben Grabungsarbeiten im vermuteten Schlachtgebiet durchgeführt - und sind fündig geworden. (Bild: zvg)

Sind das die Beweise für die Schlacht?

5min Lesezeit

Hinter der sagenumwobenen Schlacht von 1315 steckt nicht viel mehr als ein Mythos − so das Urteil von Historikern. Neue Funde am Morgarten könnten dies nun ins Wanken bringen.

Heuer ist es 700 Jahre her, dass ein Heer von schlecht bewaffneten Schwyzern, Urnern und Unterwaldnern die zahlenmässig überlegnenen Habsburger am Ägerisee in die Flucht geschlagen haben soll. Dies wird am kommenden Wochendende gross gefeiert (siehe Box).

Noch heute sorgt die Schlacht am Morgarten für Diskussionsstoff: Hat sie wirklich so stattgefunden oder ist sie ein Mythos? Da zuverlässige schriftliche Zeugnisse wie auch archäologische Fundstücke aus jener Zeit bislang fehlten, tendierten die meisten Historiker dazu, dass hinter der Schlacht von 1315 nicht viel mehr als ein Mythos steckt.

Sensation im Morgarten-Schlachtfeld

Seit heute könnte dieses Urteil überholt oder zumindest relativiert sein. Im Hinblick auf die 700-Jahr-Feier der Schlacht am Morgarten haben die Kantone Zug und Schwyz Grabungsarbeiten im vermuteten Schlachtgebiet durchgeführt. Gemäss Mitteilung vom Donnerstag waren die Arbeiten vom Wissensmagazin «Einstein» von Schweizer Radio und Fernsehen SRF angeregt worden.

Die Journalisten begleiteten die Wissenschaftler und Metallsuchgänger auf der Suche nach Relikten aus jener Zeit − und wurden fündig: 12 Silberpfennige, zwei Dolche, ein Rittersporn und Geschossspitzen von Pfeilen konnten innerhalb des Morgarten-Schlachtfeldes aus der Erde geborgen werden. Zum ersten Mal wurden somit Objekte gefunden, die tatsächlich aus der Zeit um 1315 stammen könnten und wissenschaftlich dokumentiert sind.

«Ich bin immer zurückhaltend mit dem Begriff Sensation − aber hier sind wir schon ziemlich nahe daran.»
Stefan Hochuli, Zuger Kantonsarchäologe

«Ich bin immer zurückhaltend mit dem Begriff Sensation − aber hier sind wir schon ziemlich nahe daran», sagt Stefan Hochuli, Chef des Zuger Amts für Denkmalpflege und Archäologie, zu den bemerkenserten Funden.

Auswertung hat erst begonnen

Kantone Zug und Schwyz feiern gemeinsam

Am kommenden Wochenende verwandelt sich das Ägerital in eine Festmeile: Erstmals feiern die Kantone Zug und Schwyz das 700-Jahr-Jubiläum der Schlacht am Morgarten gemeinsam. Das Volksfest dauert vom 19. bis 21. Juni und bietet ein vielseitiges Programm. Neben musikalischer Unterhaltung präsentiert sich am Samstag die Armee mit diversen Vorführungen. Als Höhepunkt gilt die Flugshow der Patouille Suisse. Am Abend unterhalten unter anderem Francine Jordi, Oesch's die Dritten und ComBox das Publikum. Um 22.30 Uhr ist ein grosses Feuerwerk geplant.

Am Sonntagmorgen findet der offizielle Festakt beim Denkmal statt. Der Nachmittag steht ganz im Zeichen des grossen Festumzugs. Über 2'000 Teilnehmer und Gruppen aus der ganzen Schweiz werden dem Festumzug eine aussergewöhnliche Prägung geben. Die Auseinandersetzung mit der Geschichte rund um die Schlacht am Morgarten 1315 soll dabei erlebbar gemacht werden. Nähere Informationen zum Fest finden Sie hier.

Ein aussergewöhnlicher Fund sind die zwölf Silberpfennige, die in die Zeit um 1275 bis ins frühe 14. Jahrhundert datiert werden können. Der kleine Silberschatz setzt sich aus Prägungen des Bistums Basel, der Fraumünsterabtei Zürich sowie der Städte Solothurn und Schaffhausen zusammen. Die zeitliche Nähe zur Schlacht sei auffällig, heisst es in der Mitteilung weiter. Bemerkenswert sind auch Funde von Waffenbestandteilen aus dem 14. Jahrhundert. Es handelt sich um zwei Dolche, um den Blechschutz einer Messerscheide sowie um zwei Geschossspitzen von Armbrust- oder Bogenpfeilen.

Auch Reitzubehör, ein Sporen, wurde gefunden. Ein weiterer Fund ist ein eiserner Kästchenbeschlag – ebenfalls aus dem 14. Jahrhundert. Andere Objekte – wie Messer oder Hufeisen – sind aufgrund ihrer langlebigen Formen zeitlich weniger genau zu bestimmen. Ihre Datierung ins 14. Jahrhundert kann aber nicht ausgeschlossen werden. Im Weiteren kamen noch verschiedene ältere Funde zum Vorschein. Von besonderer Bedeutung sind Schmuckstücke – ein goldener Nadelkopf aus dem 7. Jahrhundert und eine Bronzefibel aus dem 9./10. Jahrhundert.

Die zwölf Silbermünzen wurden gleich neben den beiden Dolchen gefunden. «Aussergewöhnlich sind einerseits das Ensemble an sich und andererseits der Fundort auf einer Geländerippe, weil mittelalterliche Dolche bislang überwiegend in Gewässern und in Siedlungen oder auf Burgstellen gefunden wurden», heisst es in der Mitteilung. Der Bezug der neuen Funde zur Schlacht könne im Moment weder bewiesen noch ausgeschlossen werden. Die wissenschaftliche Auswertung der Funde habe erst begonnen.

Raubgrabjägern zuvor kommen

Die beiden Kantone wollten mit den Grabungsarbeiten auch Raubgrab- und Trophäenjägern zuvorkommen, die in jüngster Zeit am Morgarten aktiv waren. Die wichtigsten Funde sind vom 19. Juni bis 31. Juli im Museum Burg Zug und vom 22. August bis 30. September im Bundesbriefmuseum in Schwyz ausgestellt.

Die bisher mit Morgarten in Verbindung gebrachten Funde sind entweder verschollen oder der genaue Fundort ist nicht überliefert. Es existieren keine genauen zeitgenössischen Beschreibungen der Auseinandersetzung, ebenfalls konnten noch keine Gebeine gefunden wurden. Historisch gesichert ist bisher einzig, dass Herzog Leopold von Habsburg mit einem militärischen Gefolge im November 1315 durch das Ägerital gegen Sattel zog. Am Morgarten gerieten die Habsburger in einen Hinterhalt der Schwyzer und wurden von diesen in die Flucht geschlagen.

Die mittelalterlichen Angaben zur habsburgischen Truppenstärke gehen jedoch weit auseinander: Johannes von Winterthur schreibt von 20'000 Habsburgern, Ägidius Tschudi spricht später nur noch von 9'000. Diese Angaben sollen weit übertrieben sein, so der wissenschaftliche Tenor. Es habe sich wohl eher um ein regionales Ereignis mit untergeordneter Bedeutung gehandelt, urteilen heutige Historiker.

Der Schatz am Morgarten
Das SRF strahlt heute Abend zum 700-Jahr-Jubiläum eine Extrasendung zu Morgarten aus: Das «Einstein»-Spezial erzählt während 40 Minuten von der Suche nach dem «Schatz am Morgarten». Ausgestrahlt wird der Dokumentarfilm heute Donnerstag um 21 Uhr auf SRF 1.

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