Beleidigungen und Beschimpfungen: Innerhalb der Facebook-Gruppe «Du besch vo Lozärn, wenn...» geht es oftmals wenig harmonisch zu und her. (Bild: Alain Brunner/Montage)
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Beleidigungen und Beschimpfungen: Innerhalb der Facebook-Gruppe «Du besch vo Lozärn, wenn...» geht es oftmals wenig harmonisch zu und her. (Bild: Alain Brunner/Montage)

Stunk in Luzerner Facebook-Gruppe

6min Lesezeit

Innerhalb der Gruppe «Du besch vo Lozärn, wenn...» arten die Diskussionen unter den Mitgliedern regelmässig aus. Andere Luzerner Gruppen versuchen, diese Probleme von Anfang an zu umgehen. Nun soll sich auch bei der grössten Gruppe einiges ändern.

Die Facebook-Gruppe «Du besch vo Lozärn, wenn...» zählt mittlerweile fast 11'000 Mitglieder. «Zu Beginn habe ich gehofft, dass wir 5'000 Leute zusammenbringen», sagt Thomas Jauch, der die Gruppe Mitte März 2014 gegründet hat. Er bezeichnet sich selbst als Heimweh-Luzerner: Über 30 Jahre lang hat er in Luzern gelebt und als Polizist für die Stadt gearbeitet − bevor er nach Thun zog. Trotzdem bleibt Luzern «seine» Stadt. «Ich wollte die Gelegenheit nutzen, um meine Liebe mit anderen zu teilen und täglich etwas aus Luzern zu erfahren», sagt Jauch zur Motivation, die hinter der Gründung der Gruppe stand.

Erwartet habe er es nicht, dass das Interesse an der Gruppe so gross sein würde. Genauso wenig, wie er wohl nicht damit gerechnet hat, dass diese einst eine Eigendynamik annimmt, die nicht mehr in seinem Sinne sein würde.

Beleidigungen, Beschimpfungen und aggressive Reaktionen

Während zu Beginn vor allem Bilder aus der Stadt und der Umgebung gepostet wurden und man sich gegenseitig über historische Hintergründe austauschte, wurden die Beiträge auf der Seite im Laufe der Zeit immer politischer. In zahlreichen Posts sind Beleidigungen, Beschimpfungen und aggressive Reaktionen zu lesen. Am Dienstag ist Jauch der Kragen schliesslich geplatzt.

«Ich erwarte aber, dass sich die Kultur ändert und hier alle Anstand walten lassen.»
Thomas Jauch, Admin der Facebook-Gruppe

Als Administrator postete er einen Beitrag (siehe Bild), mit welchem er die Gruppenmitglieder wieder zur Vernunft bringen will. «Ich habe absolut keine Lust mehr, jede Stunde von Leuten darauf hingewiesen zu werden, dass es irgendwelche Gehässigikeiten in der Gruppe zu lesen gibt», schreibt Jauch darin und betont, dass es bei so vielen Mitgliedern schwierig sei, es allen recht zu machen. «Ich erwarte aber, dass sich die Kultur ändert und hier alle Anstand walten lassen. Andernfalls wird rigoros rausgeputzt, ob es dem Einzelnen passt oder nicht – ohne Vorwarnung und ohne Rechtfertigung.»

Mit diesem Beitrag versucht Thomas Jauch, die Gruppenmitglieder zur Räson zu bringen. (Bild: Facebook)
Mit diesem Beitrag versucht Thomas Jauch, die Gruppenmitglieder zur Räson zu bringen. (Bild: Facebook)
 
Nachdem die politischen Diskussionen innerhalb der Gruppe immer wieder ausgeartet waren, hat Jauch beschlossen, sie generell nicht mehr zuzulassen. «Ich bin selber in der Politik tätig, aber ich politisiere auch nicht über die Gruppe», sagt Jauch, der Kommunikationschef bei der CVP in Bern ist.

Jede Beitrittsanfrage einzeln prüfen

«Die Gruppe sollte zu dem zurückkehren, was sie einmal war», meint er weiter. «Eine Gruppe von Luzernern für alle, die an Luzern interessiert sind und ganz einfach die Stadt oder natürlich auch den Kanton geniessen wollen.» Das Schliessen der Gruppe sei für ihn keine Option, sagt er. «Wenn, dann würde ich die Gruppe einem neuen Admin übergeben und mich zurückziehen.»

Die Verwaltung der Gruppe gibt viel zu tun − durchschnittlich eine Stunde am Tag. «Mittlerweile bin ich so weit, dass ich alle Beitrittsanfragen prüfe», so Jauch. «Ich schaue, ob die Person schon Freunde in der Gruppe hat, ob sie irgendetwas mit Luzern verbindet, und versuche sicherzustellen, dass es sich um eine reale Person und nicht um einen Fake-Account handelt.» Auch Finanzhaie und Leute, die pornografische Inhalte posten, werfe er sofort aus der Gruppe: «Kaum hat jemand Kreditangebote oder pornografische Inhalte gepostet, bekomme ich eine Meldung und kann reagieren.»

Ein Stammtisch für Luzern

Auch die anderen − sich noch im Aufbau befindenden − Luzerner Facebook-Gruppen, wie das «Lozärner Ideenportal − Meine Idee für die Stadt Luzern» (95 Mitglieder) oder «Lozärn läbt, well ...» (277 Mitglieder) setzen auf die Prüfung der Profile der Nutzer, die eine Mitgliedschaft beantragen.

«Wenn sich viele für eine tolle Sache einsetzen, kann Grosses entstehen.»
Thomas Holzmann, Admin der Facebook-Gruppe «Lozärner Ideenportal» 

«Ich wünsche mir für das Ideenportal ein gesundes Wachstum, in welchem Qualität vor Quantität steht», sagt Thomas Holzmann und betont, dass das Konzept des Ideenportals nicht mit jenem von «Du besuch vo Lozärn, wenn ...» zu vergleichen sei. «Ich wollte mit meiner Gruppe die Stammtischgespräche an die Bürger bringen und den Tisch vergrössern», erklärt Holzmann. Am Stammtisch werde oft heftig diskutiert − die Ideen jedoch nie umgesetzt. «Die Gruppe ‹Lozärner Ideenportal› soll uns Luzernern die Möglichkeit bieten, unsere Ideen auf den Tisch zu bringen. Und wer weiss, vielleicht wird einmal eine Idee auf dem Ideenportal Wirklichkeit. Wenn sich viele für eine tolle Sache einsetzen, kann Grosses entstehen.»

Neuer Name gesucht

Wiederum ein anderes Konzept verfolgt die Gruppe «Lozärn läbt, well ...». «Wir wollen mit unserer Gruppe die Menschen in den Quartieren ansprechen», erklärt René Fuhrimann, einer der vier Administratoren der Gruppe, und meint damit freiwillig engagierte Menschen, die in Quartieren ein Fest, eine Ausstellung, ein Konzert, einen Spieltag oder Flohmarkt organisieren. «Die Leute sollen darauf aufmerksam gemacht werden, wie vielfältig und bunt das Leben in den verschiedenen Quartieren ist.»

In «Lozärn läbt, well ...» steht das Quartier im Fokus. Doch der Begriff «Quartier» fehlt im Gruppennamen. Das wolle man nun jedoch ändern. «Wir möchten alle einladen, bei der neuen Namensuche mitzumachen, und freuen uns auf Vorschläge», so Fuhrimann. Der Erfinder des neuen Namens der Facebook-Gruppe gewinnt übrigens ein Fünf-Liter-Partyfass vom Luzerner Bier «Original».

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