Die Bauarbeiten sind in vollem Gange: In der Feldbreite entsteht derzeit Emmens neuster Stadtteil. (Bild: dvm)
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Die Bauarbeiten sind in vollem Gange: In der Feldbreite entsteht derzeit Emmens neuster Stadtteil. (Bild: dvm)

Rasantes Wachstum bereitet Sorgen

10min Lesezeit

Auf der Emmer Feldbreite entsteht eine Riesenüberbauung. Das neue Quartier nimmt derzeit zunehmend Gestalt an. Das weckt auch Ängste. Besonders ein Bereich der Infrastruktur könne mit dem rasanten Wachstum kaum Schritt halten, heisst eine viel gehörte Befürchtung.

Baumaschinen rattern, Kräne verrichten Schwerstarbeit. Das Bild ist von der Baustelle beim Seetalplatz bekannt (zentral+ berichtete). Auch in der Feldbreite, einem anderen Megaprojekt in Emmen, geht es zu wie im Bienenhaus. Abseits vom Rummel rund um den Seetalplatz wächst hier eine gigantische Siedlung mit hunderten von Wohnungen in die Höhe (siehe Box).

Eine Stadt in der Stadt

Hier entsteht eine kleine Stadt in der Stadt, die sich trotz rund 30'000 Einwohnern nach wie vor eisern Gemeinde nennt. Das Quartier Feldbreite bietet dereinst zentrumsnahen Wohn- und Arbeitsraum in einer verdichteten Siedlung mit guter Verkehrsanbindung. «Die Lage ist das eine. Dass die Überbauung darüber hinaus auch grossen Charme bietet, das andere», sagt Werner Schaeppi von der PR-Agentur Creafactory, die für die Kommunikation des Gesamtprojekts zuständig ist.

Die Zuger Firma gehört zu den Grossen im Geschäft und ist auch auf der anderen Seite der Emme aktiv: Beim Ebikoner Shoppingcenter «Mall of Switzerland» spinnt die Creafactory ebenfalls die Fäden.

Schaeppi hebt hervor, dass man «nicht einfach Wohnblöcke baut». Das zeigt sich schon beim teils speziellen Baustil. Für das bekannteste Projekt mit dem Namen «Feldhäuser» – wegen der niederländischen Architekten auch «Holländerhäuser» genannt – werden 37 Einfamilienhäuser ineinander versetzt angeordnet. Man wolle im ganzen Quartier eine gute Durchmischung der künftigen Mieter und Eigentümer, so Schaeppi. Dazu brauche es «hohe Wohnqualität zu einem bezahlbaren Preis».

Ganz so günstig sind die modernen Wohnungen allerdings nicht. Die kleineren Zweieinhalb-Zimmer-Mietwohnungen sind ab 1'350 Franken pro Monat zu haben. Trotzdem scheint Rechnung für die Immobilienplaner bis jetzt aufzugehen. Laut den drei Investoren sind die Wohnungen sehr begehrt. «Die gehen weg wie warme Weggli», so Schaeppi.

Neue Chancen für Emmen

Die ersten Häuser sind im Sommer bezugsbereit. «Wir heissen die Bewohner in der Feldbreite herzlich willkommen», sagt der Emmer Gemeindepräsident Rolf Born. Mit dieser Siedlung entstehe gesuchter urbaner Wohnraum. «Das ist eine gute Zentrumsüberbauung, die der Gemeinde neue Chancen bietet.» 

«Das ist eine gute Zentrumsüberbauung, die der Gemeinde neue Chancen bietet.» 

Rolf Born, Gemeindepräsident Emmen

Chancen, die Emmen bisher verpasst oder gar nicht erst erhalten hat. Der zweitgrösste Ort der Zentralschweiz in der Luzerner Agglomeration war lange nicht gerade als beschaulich und lebenswert bekannt. Dabei habe Emmen in den letzten Jahren stark an Attraktivität gewonnen, stellt Born fest. Tatsächlich boomt Luzern Nord (zentral+ berichtete). «Das Quartier schafft nun zusätzlichen attraktiven Wohn- und Arbeitsraum», so Born. Dieser sei zentrumsnah, optimal erschlossen und auch optisch überaus ansprechend. «Mit der Feldbreite erhält Emmen ein neues interessantes Gebiet und wird weiter aufgewertet.»

Da Emmen nicht wie die Stadt Luzern Quartiere einzeln plant und entwickelt, sahen sich die Investoren mit gewissen Herausforderungen konfrontiert. Für die rund 800 neuen Wohnungen habe man sogar eine neue Trafostation bauen müssen, erklärt Bauingenieur Konrad Amstutz vom zuständigen Planungsbüro Emch+Berger WSB. «Die bisherige Infrastruktur reichte bei weitem nicht mehr.»

Grenzenloses Wachstum?

Wegen ihrer Grösse weckt die Überbauung Bedenken. Sie sei ein weiteres Beispiel dafür, wie «städtisches Wohnen einfach aufs Land hinaus getragen» werde, meint der Emmer Mac H. Wijnands von der Bürgerplattform Forum Emmen besorgt. «Wahnsinnig, was da abgeht.» Da frage man sich halt schon, ob man dieser rasanten Entwicklung gewachsen sei.

«Wahnsinnig, was da abgeht.»

Mac H. Wijnands, Forum Emmen

«Im Moment wird in Emmen gebaut wie wild», sagt auch der Emmer Rechtsanwalt Luzius Hafen. «Projekte wie die Feldbreite, die eigentlich über zehn bis zwanzig Jahre hätten realisiert werden sollen, werden auf einen Schlag umgesetzt.» Deswegen hinke nicht nur der Ausbau der Infrastruktur hinterher. «Ein Teil der Infrastruktur muss sogar kurzfristig und vorübergehend aufgeblasen werden», so Hafen. Das sei zum Beispiel bei Schulen der Fall. 

Baudenkmal bleibt erhalten

Das denkmalgeschützte «Meilihaus» ist eine Erinnerung an den Architekten Armin Meili und die einstige Arbeiter-Wohnkolonie des Alfred Schindler-Fonds, Vorgänger der Schindler Pensionskasse. Es wird im Zuge der Bauarbeiten umfassend renoviert und in seiner ursprünglichen Form erhalten.

«Natürlich sind nicht alle begeistert», sagt der Gemeindepräsident. Die Bevölkerungsentwicklung in Emmen sei immer wieder ein Thema. «Manche wollen gar keinen zusätzlichen Wohnraum schaffen», so Born. Das habe sich auch kürzlich bei der Herdschwand gezeigt (zentral+ berichtete).

Im Falle der Feldbreite würden sich die Leute zum Teil fragen, ob die Infrastruktur der Gemeinde die riesige Siedlung und den Bevölkerungszuwachs überhaupt verkraften könne. Bei der Gemeinde rechnet man mit rund 1'200 Leuten. Vor allem der erwartete Mehrverkehr und die steigenden Schülerzahlen würden Fragen aufwerfen, so Born. «Solche Sorgen sind insbesondere jetzt, wo das Quartier schnell Gestalt annimmt, wieder ein Thema.»

Ansturm auf die Schulhäuser

Natürlich habe Emmen auf diese Fragen eine Antwort, meint Born. «Wir haben klar definiert, wie sich Emmen künftig entwickeln soll.» Dazu habe man sich eingehend mit den Herausforderungen der kommenden 20 Jahre auseinandergesetzt. «Insbesondere mit der Bevölkerungszunahme und den damit verbundenen Fragen wie Verkehrsbelastung und Schulraumplanung.» Und schliesslich habe man seit dem Volksentscheid von 2009 gewusst, dass sich die Feldbreite zu einem neuen Quartier entwickelt, hält Born fest. «Solche Sachen passieren nicht von heute auf morgen.» 

Laut Born gibt es in Emmen auch künftig genügend Platz für die Schüler. Die Schulhäuser Gersag und Meierhöfli seien bereits saniert und ausgebaut worden. «Auch die Einteilung der Schulkreise wird flexibler gehandhabt.» Allerdings, so relativiert Born, steige die Nachfrage nach Schulraum nicht alleine wegen dem Bevölkerungswachstum: «Die neuen Unterrichtsformen brauchen auch viel mehr Platz. Ein Schulzimmer alleine reicht nicht mehr.» 

Seetalstrasse droht Verkehrskollaps

Eine weitere Herausforderung stellt die ohnehin überlastete Seetalstrasse dar (zentral+ berichtete). «Das Quartier erhöht den Druck auf die Seetalstrasse zusätzlich», sagt der Architekt und Raumplaner Markus Mächler von der Interessengemeinschaft Seetalstrasse. Insbesondere die Verzweigung Seetal- und Mooshüslistrasse und die Kreuzung beim Wohncenter würden noch mehr belastet. «Das verschlimmert die ohnehin prekäre Situation zusätzlich.»

«Das verschlimmert die ohnehin prekäre Situation zusätzlich.»

Markus Mächler, Interessengemeinschaft Seetalstrasse

Der Gemeinde ist das Problem bekannt. «Hier sind Lösungen zusammen mit dem Kanton und der Interessengemeinschaft Seetalstrasse im Gespräch», bestätigt Born. Geprüft würden derzeit verschiedene Massnahmen zur Entlastung der Knotenpunkte, darunter auch eine mögliche Umfahrung von Emmen Dorf.

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Sechs von zwölf Projekten im Bau

Die Bauarbeiten rücken voran. Von den insgesamt zwölf Baufeldern sind zurzeit sieben baureif. Für die Baufelder A3 und B2 an der Mooshüslistrasse (75 Mietwohnungen und 2’320 Quadratmeter Gewerbefläche) wurden Baueingaben eingereicht.

Holländerhäuser noch nicht bewilligt

Für das bekannteste Projekt, «Feldhäuser» – wegen des speziellen Stils der niederländischen Architekten auch «Holländerhäuser» genannt –, auf Baufeld C1 mit rund 75 Wohneinheiten im Eigentum, stellt die Gemeinde Emmen eine Baubewilligung in den nächsten Wochen in Aussicht.

Für das Baufeld C2 wird in der zweiten Jahreshälfte 2015 eine Baueingabe eingereicht, nach erteilter Baubewilligung könnte der Baustart im Frühjahr 2016 erfolgen.

Im Bau befinden sich gegenwärtig folgende Projekte:

  • «Q1» mit dem Meilihaus (Baufelder A1 und A2) mit 137 Miet- und 34 Eigentumswohnungen und 1350 Quadratmeter Gewerbefläche: Die ersten Wohnungen sind im Sommer 2015 bezugsbereit.
  • «Feldbreite Wohnen» (Baufeld G) mit 20 Mietwohnungen. Der Einzug soll ab Dezember 2015 möglich sein.
  • «Fratello & Sorella» (Baufelder B1 und D1) mit 113 Mietwohnungen und 190 Quadratmeter Büroateliers auf Baufeld B1 und beziehungsweise 64 Mietwohnungen, einem Gästezimmer und 320 Quadratmeter Gewerbefläche auf Baufeld D1. Der Einzug soll voraussichtlich im März beziehungsweise April 2016 erfolgen.
  • «Easy Living Emmen» (Baufeld D2) mit 151 Mietwohnungen und 290 Quadratmeter Gewerbefläche. Einziehen sollen die Mieter ab Sommer 2017.
     

Auf dem Baufeld F mit 164 Mietwohnungen haben die Bauarbeiten noch nicht begonnen. Das Baufeld E wird vorläufig als Reserve zurückgestellt. Parallel zu den Bauarbeiten wird auch die Umgebung gestaltet und der Feldbreiteplatz mit seinem Pavillon erstellt. 

Ein neuer Stadtteil

Rund eine halbe Milliarde Franken wird in die Überbauung «Feldbreite» zwischen Mooshüsli- und Seetalstrasse in Emmen investiert. Das ganze Gebiet wächst derzeit rasant in die Höhe. Auf dem rund 100'000 Quadratmeter grossen Gelände der ehemaligen Wohnkolonie «Feldbreite» – besser bekannt als «Schindler-Dörfli» – und des Betonelementwerks Brun entsteht ein neuer Stadtteil von Emmen. Auf insgesamt zwölf Baufeldern errichten unterschiedliche Investoren schrittweise rund 800 Wohnungen sowie Gewerbefläche. Die insgesamt 8 Jahre dauernden Bauarbeiten sollen 2018 abgeschlossen sein.

Mehr Bilder von der Grossbaustelle finden Sie in unserer Slideshow:

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