Nach dem Spiel sichert die Polizei auf dem Bundesplatz den Abmarsch der FCZ-Fans Richtung Bahnhof. Im Hintergrund zu sehen sind FCZ-Fans, die in Richtung FCL-Fans provozieren. (Bild: zvg)
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Nach dem Spiel sichert die Polizei auf dem Bundesplatz den Abmarsch der FCZ-Fans Richtung Bahnhof. Im Hintergrund zu sehen sind FCZ-Fans, die in Richtung FCL-Fans provozieren. (Bild: zvg)

Ist die Luzerner Polizei Schuld an den Krawallen?

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Warum liess man die Zürcher Fans den Weg zum Bahnhof marschieren? Seit Jahren werden Gästefans mit dem Bus transportiert. Der FCZ-Fanarbeiter habe die Luzerner Behörden im Vorfeld sogar gebeten, Busse zur Verfügung zu stellen. Doch bei der Luzerner Polizei seien keine solchen Anfragen eingegangen.

Nach den Schlägereien zwischen FC Zürich und FCL-Fans am vergangenen Montag stellt sich die Frage: Hat die Einsatzleitung der Luzerner Polizei eine falsche Entscheidung getroffen? Die Polizei liess die Zürcher Fans nach dem Spiel vom Stadion zum Bahnhof laufen. Es war aber nach einer kurzen Keilerei durch FCZ-Fans im Stadion absehbar, dass es Ärger geben würde. Hätte man also die Zürcher Fans in Bussen transportieren müssen? 

Urs Wigger, Sprecher der Luzerner Polizei, sagte am Dienstag gegenüber zentral+, dass die Einsatzleitung bereits vor dem Spiel entschieden hatte, keine Busse zur Verfügung zu stellen. Dies aufgrund einer Lagebeurteilung. «Mit dem Extrazug reisten rund 600 Fans aus Zürich an. Die Gewaltbereitschaft eines Teils dieser Fans ist bei der Polizei bekannt. Beim letzten Heimspiel gegen den FCZ wurden die Busse mit den Gästefans von den FCL-Fans angegriffen.»

FCZ-Fanarbeiter macht happigen Vorwurf

Dies war aber offensichtlich eine Fehleinschätzung. Wieso hatte die Polizei zugelassen, dass die Zürcher Fans überhaupt laufen dürfen? Der FCZ-Fanarbeiter Raymond Feuillet, äusserte happige Vorwürfe an die Luzerner Polizei: Die FCZ-Fans hätten sogar ausdrücklich gewünscht, per Bus in die Swissporarena und zurück transportiert zu werden. «Unser Sicherheitsbeauftragte hatte das Anliegen bei der Luzerner Polizei angemeldet. Und ich hatte von der SBB ungefähr eine Woche vor dem Spiel vernommen, dass keine Busse zur Verfügung stehen. Also blieb uns nur der Weg zu Fuss.»

Es gilt die Regel, dass alle Gästefans seit Jahren mit dem Bus vom Bahnhof ins Stadion fahren. Jedoch habe man von den Luzerner Behörden eine abschlägige Antwort erhalten. Mit welcher Begründung, weiss Feuillet nicht.

«Der Bus blieb am Montag unbenutzt.»

Urs Wigger, Luzerner Polizei

Bei der Luzerner Polizei hingegen sei keine Anfrage des Zürcher Fanarbeiters oder anderer Personen bekannt, in welcher die Fans ausdrücklich gewünscht hätten, per Bus zum Stadion fahren zu wollen. Urs Wigger sagt auf Nachfrage: «Der Bus, welcher bei Fanmärschen üblicherweise für Personen bereitgestellt wird, welche nicht zum Stadion laufen wollen oder können, blieb am Montag unbenutzt.»

Die FCZ-Fans seien im Vorfeld schriftlich mittels einer Fan-Information darauf hingewiesen worden, fügt Polizeisprecher Wigger hinzu. «Auch auf dieses Schreiben hin gab es keine Reaktionen. Ich erinnere daran, dass die FCZ-Fans am 16. August 2014, anlässlich des Spiels Luzern - Zürich mit Bussen transportiert wurden. Diese Busse wurden gestoppt, stark beschädigt und es kam in der Folge zu Ausschreitungen mit mehreren Verletzten.»

«Unsere Chauffeure fahren nur in Ausnahmefällen nicht, nur wenn sie offensichtlich gefährdet sind.»

Christian Bertschi, VBL

FCZ-Fans seien darauf hingewiesen worden

Der Unterschied, ob ein Fan zu Fuss gehen muss, will oder kann, ist gross. Eigentlich hätte ja angesichts des Gefahrenpotenzials ein Bus zur Verfügung gestellt werden müssen. Denn mit einem Fan-Transport wäre es nicht zu dieser Schlägerei gekommen. Die beiden Fangruppen wären sich im Bereich Voltastrasse nicht begegnet. 

«Diese Frage im Nachhinein zu beantworten ist reine Spekulation», antwortet Wigger. «Fakt ist, dass die gewaltbereiten Gruppierungen die Konfrontation gesucht haben. Ein Zusammentreffen auf der gesamten Strecke zum Stadion und zurück ist immer möglich, wenn man die Konfrontation sucht. Ausserdem ist das Schadenspotenzial bei Bus-Transporten ebenso gross, wenn nicht höher.» Hatte die Luzerner Polizei Angst, dass es wieder zu Bus-Angriffen kommen könnte? «Wenn gewaltbereite Gruppierungen die Konfrontation suchen, wäre das eines der möglichen Szenarien gewesen.»

Und was sagen die Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) zu den Ausschreitungen? Die VBL werde bei solchen Transportentscheidungen zwar miteinbezogen, sagt Sprecher Christian Bertschi. Der Entscheid sei aber klar gewesen: «Die VBL hat sich beim Matchtransport beim Spiel FC Luzern – FC Zürich an die Weisungen der Luzerner Polizei gehalten. Unsere Chauffeure fahren nur in Ausnahmefällen nicht. Nämlich dann, wenn sie offensichtlich gefährdet sind.» 

Die Einsatzleitung behalte sich das Recht vor, einen Einsatz abzubrechen oder nicht durchzuführen, wenn für VBL die Sicherheit des eigenen Personals nicht gewährleistet ist, sagt Bertschi. 

Der FCL Luzern nimmt keine Stellung zum Sicherheitsdispositiv der Luzerner Polizei. Das sei Sache der Einsatzleitung, sagt Kommunikationsleiter Max Fischer.

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