So solls sein: Anstatt im Stau zu versinken, soll die Stadt Luzern künftig auch in Stosszeiten flüssig befahrbar sein. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)
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So solls sein: Anstatt im Stau zu versinken, soll die Stadt Luzern künftig auch in Stosszeiten flüssig befahrbar sein. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Kampf dem Kollaps: mehr Busse, weniger Autos

6min Lesezeit

Das ist eine grosse Ansage: Obwohl der Verkehr in der Stadt und der Agglomaration Luzern um bis zu 30 Prozent zunehmen wird, wollen Kanton und Stadt den Autoverkehr um fünf Prozent reduzieren. Damit könne der Kollaps in der Innenstadt vermieden werden. Spezielle Massnahmen sollen Autofahrer, die durch die Quartiere «schleichen», zermürben.

Luca Wolf

Weniger Staus und mehr Mobilität: Dies sind die Ziele des Gesamtverkehrskonzepts Agglomerationszentrum Luzern, das die Stadt Luzern, der Kanton Luzern, der Verkehrsverbund Luzern und der Gemeindeverband LuzernPlus gemeinsam erarbeitet haben. «Durch eine Reduktion des Autoverkehrs zu den Hauptverkehrszeiten um fünf Prozent soll der Verkehr flüssiger gemacht werden. Dank des Ausbaus und der Bevorzugung des öffentlichen Verkehrs soll die zu erwartende Zunahme der Mobilität bewältigt werden.» Das teilten die involvierten Parteien diesen Montagmorgen mit.

Mobilität nimmt um 30 Prozent zu

Während über 20 Stunden im Tag fliesst der Verkehr in der Luzerner Innenstadt mehr oder weniger problemlos. In der Hauptverkehrszeit zwischen 17 und 19 Uhr und zwischen 7 und 8 Uhr gibt es aber regelmässig Staus. «Die Folge davon ist, dass die Stadt Luzern nicht mehr zuverlässig erreichbar ist. Schleichverkehr durch die Quartiere beeinträchtigt zudem die Lebensqualität und die Verkehrssicherheit», schreiben die Verantwortlichen weiter. Hinzu kommt, dass Stadt und Kanton Luzern damit rechnen, dass die Mobilität bis 2030 um rund 30 Prozent zunehmen wird. Die grossen Schlüsselprojekte Bypass und Tiefbahnhof stehen kaum vor 2030 zur Verfügung. Die Mobilitätsplaner sind deshalb gefordert, Lösungen zu entwickeln, die rasch umgesetzt werden können.

Ampeln sollen «Quartierschleicher» abschrecken

Die Stadt Luzern, der Kanton Luzern, der Verkehrsverbund Luzern und der Gemeindeverband LuzernPlus haben gemeinsam das Gesamtverkehrskonzept Agglomerationszentrum Luzern entwickelt. «Die gute Zusammenarbeit zwischen den vier Partnern ist das zentrale Element des Gesamtverkehrskonzeptes», sagt Regierungsrat Robert Küng. Das Konzept zeigt auf, wie der Gesamtverkehr in den Hauptverkehrszeiten besser abgewickelt und die erwartete Zunahme der Mobilität bis 2020 bewältigt werden können.

Fünf Prozent weniger Verkehr = flüssiger Verkehr

Verkehrsmodelle zeigen, dass der Verkehr auch zu den Hauptverkehrszeiten fliessen kann, wenn fünf Prozent weniger Autos auf den Hauptstrassen sind. Um dies zu erreichen, sieht das Konzept unter anderem vor:

  • Neun weitere Dosierungsstellen sollen auf Quartierstrassen eingerichtet werden. Wer mit dem Auto unterwegs ist, muss sich bei den Einfahrten auf die Hauptstrassen wie heute schon auf der Kreuzbuchstrasse ein paar Minuten gedulden, bis die Ampeln auf Grün schalten.
  • Auch fünf zusätzliche Parkhausausfahrten sollen mit Lichtsignalen gesteuert werden. Heute ist dies bereits beim Parkhaus Bahnhof der Fall.

Die Projektverantwortlichen sind überzeugt, dass mit diesen moderaten Massnahmen die Staus zu den Hauptverkehrszeiten deutlich reduziert werden können. Davon profitieren alle Verkehrsteilnehmer.

«Wenn der Verkehr im Zentrum der Stadt Luzern fliesst, profitieren auch alle Agglomerationsgemeinden.»

Pius Zängerle, Präsident LuzernPlus

«Wenn der Verkehr im Zentrum der Stadt Luzern fliesst, profitieren auch alle Agglomerationsgemeinden», sagt Pius Zängerle, Präsident von LuzernPlus. «Wir wollen, dass die Mobilität in der ganzen Kernagglomeration so funktioniert, dass wir uns wirtschaftlich entwickeln können.»

Fünf neue Busspuren

Da in der Stadt Luzern nicht mehr oder breitere Strassen gebaut werden können, setzen die vier Partner auf den öffentlichen Verkehr, um die erwartete Zunahme der Mobilität bewältigen zu können. Busse können auf der gleichen Fläche deutlich mehr Menschen transportieren als Autos. Um das Umsteigen zu fördern, soll der Busverkehr ausgebaut und wo immer möglich bevorzugt werden. So sind im Gesamtverkehrskonzept geplant:

  • Fünf neue Busspuren und Busschleusen
  • Zwei zusätzliche Fahrbahnhaltestellen 

 

«Davon profitieren täglich 190‘000 Fahrgäste in den Bussen der ganzen Region Luzern», sagt Daniel Meier, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Luzern.

Profitieren alle?

Die vier Partner sind sich einig: Vom Gesamtverkehrskonzept profitieren alle. «Die Stadt ist auch in Zukunft sicher und zuverlässig erreichbar», sagt Stadtrat Adrian Borgula. Wer Auto fährt, profitiert von deutlich weniger Staus auf den Hauptstrassen. Wer mit dem Bus unterwegs ist, kann sich auf den Fahrplan verlassen. Weniger Staus, weniger Hektik und flüssiger Verkehr erhöhen zudem die Verkehrssicherheit und reduzieren den Schleichverkehr durch die Quartiere. «Das kommt der Quartierbevölkerung, den Fussgängerinnen und Fussgängern und jenen zugute, die mit dem Velo unterwegs sind», sagt Stadtrat Adrian Borgula.

Kosten: Acht Millionen Franken

Die Projektpartner werden das Gesamtverkehrskonzept bis im Sommer mit den interessierten Verbänden und Organisationen diskutieren. Im Herbst 2015 entscheiden sie über die Umsetzung der Massnahmen. Für die Realisierung der Massnahmen wird mit Kosten von rund acht Millionen Franken gerechnet. Für jene auf den Kantonsstrassen sind im Bauprogramm Kantonsstrassen 2015 bis 2018 4,8 Millionen Franken eingestellt. Zusätzliche Kredite werden mit den Folgeprogrammen beantragt. Für die Massnahmen auf Gemeindestrassen sind im Projektplan der Stadt bisher 1,6 Millionen Franken vorgesehen. Den bis dahin konkretisierten Kredit will der Stadtrat Ende 2015 beim Grossen Stadtrat beantragen.

Ein Update mit mehr Details und Infos sowie Stimmen aller Beteiligten folgt morgen Dienstagvormittag.

Weitere Informationen zum neuen Verkehrskonzept gibts auf dieser Webseite

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