Sorgte in der Schweizer Medienlandschaft für Furore: SVP-Magistrat Christoph Blocher kaufte Anteile an der «Basler Zeitung» (BaZ). (Bild: srf)
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Sorgte in der Schweizer Medienlandschaft für Furore: SVP-Magistrat Christoph Blocher kaufte Anteile an der «Basler Zeitung» (BaZ). (Bild: srf)

Kann sich die Basler Geschichte in Luzern wiederholen?

6min Lesezeit

Ein neuer Kinofilm thematisiert Christoph Blochers Einfluss auf die Medienlandschaft. Nun wurde der Streifen in Luzern zum ersten Mal aufgeführt – und sorgte gleich für hitzige Diskussionen.

Wenn ein Politiker Anteile einer Traditionszeitung kauft und einen Chefredaktor nach seinem Gusto einsetzt – dann bringt das eine Stadt ins Rotieren. So geschehen in Basel: Im Februar 2010 verpasste SVP-Altbundesrat Christoph Blocher im Stillen der «Basler Zeitung» (BaZ) eine Geldspritze und installierte Markus Somm als neuen Chefredaktor. Interne Auseinandersetzungen führten dazu, dass die Öffentlichkeit von den neuen Besitzverhältnissen erfuhr. Das führte zu heftigen Diskussionen.

Vor ziemlich genau einem Jahr gingen Übernahme-Gerüchte auch in der Zentralschweiz um. Damals war der Kauf von Anteilen der «Neuen Zürcher Zeitung (NZZ)» durch Christoph Blocher ein Thema, zu der auch die «Neue Luzerner Zeitung» (NLZ) gehört (zentral+ berichtete).

Film zeigt Blocher als Hauptfigur

Von Blocher's politischen Interessen an Medien handelte auch der Film «Die Übernahme» des Basler Regisseurs Edgar Hagen, der am Mittwochabend im Stattkino Luzern erstmals gezeigt wurde. Er war Anlass für ein Podiumsgespräch, das im Anschluss stattfand. Der 40-Minütige Film helfe zu verstehen, wie die BaZ mit dem SVP-Magistraten im Hintergrund «Kampagnen betreibe, die gefährlich für die Demokratie» seien. Er verknüpfe das «Ende des werbefinanzierten Medienmarkts» mit den «systematischen Angriffen auf die Demokratie», so die explizite Botschaft.

«Fehlende Objektivität und Gehirnwäsche»

Regisseur Edgar Hagen lauschte der Aktion «Rettet Basel!», einer Gruppierung besorgter Kulturschaffenden und liess den Klagen lokaler Persönlichkeiten und besorgten Bürgern viel Raum. Zusammen nahmen Sie Artikel aus der BaZ unter die Lupe und prüften diese auf schleichende Stilveränderungen nach der Übernahme Blochers hin. Besonders besorgniserregend erschien den Befragten unter anderem die «zunehmende Diskreditierung politischer Gegner ohne Angabe überprüfbarer Quellen oder gar aufgrund blosser Spekulationen». Das sei «fehlende Objektivität» und «Gehirnwäsche». Damit würden wichtige mediale Grundprinzipien verletzt. Kurzum: Eine Offensive in Richtung Blocher. 

Diskussion schweifte ab

Im Anschluss fand unter der Moderation von Beat Mazenauer eine Diskussion mit Thomas Bornhauser, Chefredaktor der NLZ, der Krienser SVP-Nationalrätin Yvette Estermann und dem Luzerner Journalisten und Philosophen Marco Meier statt.

«Ein sehr politischer Film», antwortete Yvette Estermann auf die Frage Mazenauers, wie sie als SVP-Nationalrätin den Film sehe. Sie habe sich trotzdem gut unterhalten, sagt sie und schiebt nach: «Politiker müssen ein dickes Fell haben.»

«Die BaZ war ein runtergewirtschafteter Laden.»

Thomas Bornhauser, Chefredaktor NLZ

Chefredaktor Thomas Bornhauser hielt mit Kritik am Film nicht zurück. «Der Film ist sehr einseitig, etwas gar nach dem Credo ‹Linke Kritiker gegen rechte Zeitung›, wie mir scheint.» Der Film sei genau das, was der BaZ vorgehalten werde. Eines könne man dieser Zeitung aber nicht vorwerfen, sagt Bornhauser. «Langweiliger geworden ist sie nicht!» Der Chefredaktor der NLZ findet, dass «für Aussenstehende ohne lokale Kenntnisse die BaZ wieder interessanter geworden» sei.

In der Folge stritten sich Marco Meier und Thomas Bornhauser hauptsächlich darüber, wie eine gute Zeitung inhaltlich daherzukommen habe und dabei auch wirtschaftlich erfolgreich sein könne.

Vom eigentlichen Thema, nämlich der Bedrohung der Meinungsvielfalt durch Einflussnahme der Politik auf Medien, kam man ab. Das Gesprächstrio war sich einig, dass an der schrumpfenden Meinungsvielfalt primär Marktbedingungen Schuld seien.

Gefragt ist seriöser Journalismus

Die Runde im Stattkino zeigte sich insbesondere besorgt über eine schleichende Abwertung journalistischer Grundsätze hin zu Boulevard- und Allerweltsblättern. Alles abbilden und trotzdem Profil haben, das sei schwierig, meinte Marco Meier mit Blick auf die stets kritisierte «Monopolstellung» der NLZ. Er wünschte sich etwas mehr Profil, vor allem aber eine nachvollziehbarere Gewichtung der Inhalte.

«Das ist etwas viel Kulturpessimismus», entgegnete Bornhauser. Man müsse sich halt an der Lebenswirklichkeit orientieren. «Und die Bedürfnisse der Leser folgen nun halt mal keiner Strategie.» Die NLZ müsse sich im harten Markt behaupten, und das habe sie sich bisher auch erfolgreich.

Guter Journalismus müsse aber sicherlich seriös und fair sein, fand man sich dann wieder einig. «Das darf und muss aber seinen Preis haben», betonte Marco Meier.

«Wir als Leser haben es in der Hand, Qualität zu fördern, in dem wir bewusst gute Inhalte konsumieren und dafür auch bezahlen», meinte Yvette Estermann mit Blick auf eine zunehmende gesellschaftliche «Gratis-Kultur». 

Luzern drohe keine Gefahr

Gegen Ende der Diskussion hin brachte Mazenauer die eine wichtige Frage doch noch aufs Tapet. «Kann sich die Basler Geschichte in Luzern wiederholen?» Bornhauser schüttelt den Kopf. «Die BaZ war vor Blocher ein runtergewirtschafteter Laden.» Das ramponierte Verlagshaus sei froh um das Geld gewesen. Das sei in Luzern anders. «Die NLZ ist stabil und zusammen mit St. Gallen ein wichtiges finanzielles Standbein für die NZZ-Gruppe.»

Wer den Film «Die Übernahme» selber sehen will, hat am Mittwoch, 22. April 2015 im Stattkino noch eine Gelegenheit. Anschliessend diskutieren die Kommunikationsberaterin Sandra Baumeler und der Schriftsteller Guy Krneta unter der Moderation von Beat Mazenauer.

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