Was hat Ostern mit Hasen und Eiern zu tun? zentral+ hat nachgefragt. (Bild: fotolia.com)
Gesellschaft Essen und Trinken

Was hat Ostern mit Hasen und Eiern zu tun? zentral+ hat nachgefragt. (Bild: fotolia.com)

Aufgespiesste Oster-Hasen und die Strafe Gottes

8min Lesezeit

Das lange Oster-Wochenende steht vor der Tür. Doch warum haben wir eigentlich frei? Und was haben Hasen und Eier mit Ostern zu tun? zentral+ hat auf der Strasse das Wissen von Luzernern rund um die Feiertage getestet − und hat Erstaunliches zu Fruchtbarkeit und Osterhasenspiessen erfahren.

Bald ist es wieder soweit: Wir geniessen ein verlängertes Wochenende und machen uns auf die Suche nach Schoggi-Hasen und Eiern. Doch warum tun wir das?

Innerhalb des Redaktion-Teams werden die unterschiedlichsten Theorien genannt: Vom Tod und der Auferstehung Jesu, heidnischen Bräuchen und Fruchtbarkeitssymbolen ist die Rede. Wir haben bei einigen Luzerner Passanten nachgefragt, ob sie des Rätsels Lösung kennen.

Was ist an Ostern passiert?

Viele Passanten winken bereits bei der ersten Frage ab. «Ich bin nicht sonderlich religiös», heisst es dann. Oder: «Ich will mich doch nicht öffentlich blamieren.» Andere wiederum stellen sich unseren Fragen trotz Unsicherheit tapfer. «Ostern hat irgendetwas mit Jesus zu tun», ist sich Stephanie Wild sicher. «Er ist gestorben... Eh nein, er ist auferstanden.» Ganz genau weiss es hingegen Christina Rubin. «Ich könnte ihnen jetzt die ganze Ostergeschichte erzählen», sagt die studierte Theologin. «Wie sie das Grab von Jesus öffneten und seinen Leichnam nicht mehr fanden.» Kein Zweifel also: Jesus ist an Ostern von den Toten auferstanden.

Was war am Karfreitag?

«Wenn Jesus an Ostern auferstanden ist, dann muss er am Karfreitag gestorben sein», sagt Daniel Craven aus Luzern und präzisiert: «Er wurde gekreuzigt.» Diese Frage konnten alle befragten Passanten richtig beantworten. So weit, so gut. Doch kommen wir nun zu den etwas kniffligeren Fragen.

Warum soll man dann kein Fleisch essen?

Osterküken im Livestream

Das Ei steht als Ostersymbol für den Beginn von neuem Leben − und einige davon sind in der Karwoche vom Donnerstag bis zum Weissen Sonntag im Natur-Museum live zu beobachten. Die Bibeli, die im grossen Sichtbrutkasten ausgebrütet werden, haben am Ostersamstag ihren Schlüpftermin. Wer nicht vor Ort sein kann, sieht die Küken ab Freitagmorgen auch im Bibeli-Livestream auf zentral+.

Warum ist Fleisch am Karfreitag Tabu? «Keine Ahnung», so Craven. «Ich esse eigentlich immer Fleisch.» Vielleicht habe es etwas mit Respekt gegenüber dem Leib Christi zu tun, vermutet der 19-Jährige. «Man isst kein Fleisch, weil der Karfreitag ein Trauertag ist», meint Wild. «Mit dem Verzicht auf Fleisch sympathisiert man mit dem Leiden und Sterben von Jesus», weiss Rubin. Doch was verbirgt sich genau dahinter? Wir haben bei einem Experten nachgefragt.

«Karfreitag ist in den verschiedenen christlichen Kirchen ein hoher Feiertag», erklärt Martin Baumann, Leiter des religionswissenschaftlichen Seminars der Universität Luzern. In den evangelischen Kirchen sei Karfreitag gar der höchste Feiertag im Jahr und deshalb ursprünglich ein strenger Fastentag gewesen. «Fleisch galt und gilt noch immer als Genussmittel. Um an das Leiden von Jesus bei der Kreuzigung zu erinnern, nehmen viele Christen keine Genussmittel und insbesondere kein Fleisch zu sich», so Baumann. Ganz so falsch lagen die Befragten somit nicht.

Warum verstecken wir angemalte Eier?

Und warum werden angemalte Eier versteckt? «Das hab ich schon mal gehört, weiss es aber nicht mehr genau», sagt Craven. «Es muss irgendein heidnischer Brauch sein.» Eier seien Fruchtbarkeitssymbole, betonen die anderen Befragten. Rubin sagt: «Farbige Eier zu verschenken, ist ein Ritual, dass die Hoffnung an das Leben stärkt.» Damit befinden sie sich alle auf der richtigen Spur.

«Die Frühlingsfeste sind stets Feiern des neuen Lebens gewesen.»
Martin Baumann, Religionswissenschaftler 

«Ostern ist mit der Auferstehung Jesus im christlichen Glauben der Beginn neuen Lebens», erklärt Martin Baumann. «Das Ei steht symbolisch als Keim neuen Lebens.» Ostern stelle zudem auch das Ende der Fastenzeit dar, weshalb Eier und andere Lebensmittel im Überfluss vorhanden seien. Je nach Kultur würden diese als Zeichen des neuen Spriesens der Natur zusätzlich auch grün oder bunt bemalt und ergänzen so das Osterfest. Aber was ist mit den Hasen?

Was hat der Osterhase mit Ostern zu tun?

«Früher hat man an Ostern sicher Hasen gejagt, auf einen Spiess gesteckt und gegessen», meint Wild. «Heute ist das wahrscheinlich zu brutal, darum isst man Schoggi-Hasen.» Andere betonen wiederum, dass auch der Hase ein Symbol für die Fruchtbarkeit sei. Wir fragen zur Sicherheit nochmals den Experten.

Eine Begründung für die Hasen − wie auch für die Eier − sei, dass Ostern nicht zuletzt auch mit vorchristlichen Frühlingsfesten im germanischen und angelsächsischen Raum zusammenfiel, präzisiert Baumann. «Im germanischen Raum wurde die Frühlingsgöttin Austro und im angelsächsischen Raum die Göttin Eostre verehrt», so der Religionswissenschaftler. «Die Frühlingsfeste sind stets Feiern des neuen Lebens gewesen. Der Hase steht hier aufgrund seines Reichtums an Nachkommen als Symbol der Fruchtbarkeit und weist damit ebenso auf das Frühlingsfest hin.»

Nicht zuletzt sei Ostern auch das Fest des Lichts, indem der auferstandene Jesus das Licht des Lebens bringe. Daher werde vielfach auch ein Osterfeuer entzündet, erklärt der Religionswissenschaftler weiter. Damit dies im Freien stattfinden kann, muss das Wetter einigermassen mitspielen. Im April ist dies jedoch keine Selbstverständlichkeit, was uns zur nächsten Frage führt.

Warum ist an Ostern immer so schlechtes Wetter?

«Eine theologische Erklärung dafür wäre, dass es sich um eine Strafe Gottes handelt», meint Craven. «Eine meteorologische Erklärung wäre hingegen, dass es Frühling ist und deshalb naturgemäss oft regnet.» Eine andere Passantin meint, dass es etwas mit der Mondkonstellation zu tun haben muss. Alles falsch, sagt der Meteorologe. «Die Aussage, dass es an Ostern immer schlechtes Wetter ist, trifft so nicht zu», meint Stephan Bader von Meteo Schweiz. 

«Unsere Analyse seit 1980 zeigt, dass in fast 30 Prozent der Fälle das Osterwetter schön war.»
Stephan Bader, Meteo Schweiz

«Unsere Analyse seit 1980 zeigt, dass in fast 30 Prozent der Fälle das Osterwetter schön war.» Wirklich unfreundlich sei das Wetter in 32 Prozent der Fälle gewesen. «Schlechtes und schönes Wetter tritt an Ostern also etwa gleich häufig auf.» Die Chancen, die gefundenen Schoggi-Hasen unter freiem Himmel zu essen, stehen also gar nicht unbedingt schlechter. Aber warum gehört Schokolade eigentlich zu Ostern wie das Huhn zum Ei?

Warum essen wir an Ostern so viel Schokolade?

Das sei ein Brauch, der sich einfach so entwickelt hat, sind sich die Passanten sicher. «Wenn man schon kein Fleisch essen darf, bleibt ja nicht mehr viel übrig», lacht einer. Doch so genau weiss es niemand. «Es gibt zwei Gründe warum wir so viel Schoggi essen», meint der Physiotherapeut und Konditionstrainer Pieter Keulen. Der eine Grund läge darin, dass wir eben «Gewohnheitstiere» seien.

Zum anderen seien auch die Auslagen in den Geschäften dafür verantwortlich. «Da man überall auf Süssigkeiten aufmerksam gemacht wird, können wir diesen geschmackvollen Reizen kaum widerstehen», so Keulen. Es sei somit also vor allem eine «Kopfsache». Für all jene, deren Willen letztlich nicht stark genug ist, um den süssen Naschereien zu widerstehen, ist vor allem die folgende, letzte Frage von Bedeutung.

Wie lange muss man joggen, um einen 150 Gramm schweren Osterhasen wieder abgespeckt zu haben?

Die Meinungen der Passanten gehen auseinander: Von 45 Minuten bis fünf Stunden hören wir alles. Doch wie lange muss man sich tatsächlich Bewegen, dass Osterhasen nicht zu Hüftgold werden? Auch hier haben wir einen Experten befragt. «150 Gramm schwarze Schokolade hat etwa 800 Kalorien. Damit ist die Hälfte des Tagesbedarfes einer 30-jährigen Frau von 1.65 Meter Grösse abgedeckt», erklärt Pieter Keulen. Für einen gleichaltrigen Mann mit einer Körpergrösse von 1.80 Metern sei ebenfalls rund ein Drittel des Tagesbedarfs an Energie abgedeckt. Um diese 800 Kalorien zu verbrennen, müsste man rund zwei Stunden joggen gehen.

Hätten Sie es gewusst? Nutzen Sie die Kommentarfunktion und teilen Sie Ihr Oster-Wissen!

x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Gesellschaft