Bild: Heute Nachmittag wurden am Brückenkopf die letzten zehn Bilder abmontiert. (Bild: bra)
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Bild: Heute Nachmittag wurden am Brückenkopf die letzten zehn Bilder abmontiert. (Bild: bra)

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Die Stadt Luzern lichtet die historischen Kapellbrückenbilder für eine wissenschaftliche Dokumentation ab. Dies geschieht in dieser Qualität zum ersten Mal und die Fasnacht gibt dazu die richtige Gelegenheit. 

An diesem Montag wurden die wertvollen Kapellbrückenbilder durch fasnächtlich dekorierte Malereien ersetzt. Verschiedene Fasnachtssujets zieren die Holzbrücke während den rüüdigen Tagen. Die Dekoration geschieht zwar jedes Jahr, aber für dieses Mal werden die historischen Bilder nicht einfach überdeckt, sondern gleich abmontiert. «Die Fasnacht ist eine gute Gelegenheit für eine wissenschaftliche Dokumentation der Bilder», sagt Rolf Christen, Mitarbeiter Ressort Denkmalpflege und Kulturgüterschutz der Stadt Luzern. 

Bilder in hochauflösender Qualität

Es ist das erste Mal, dass die Aufnahmen in dieser Art fotografiert werden. Seit 1992 sind die Bilder nicht mehr professionell abgelichtet worden. Ein spezialisierter Fotograf des Schweizerischen Instituts für Kunstwissenschaften führt die Fotografiearbeit mit einer hochauflösenden Spezialkamera durch: «In diesem Umfang und in dieser Qualität wurde das noch nie gemacht», sagt Christen. Die Aktion diene in erster Linie zur Sicherung der Kapellbrückenbilder. Die Aufnahmen werden dann archiviert.

Theresia Gürtler Berger, Ressortleiterin Denkmalpflege und Kulturgüterschutz der Stadt Luzern, ergänzt: «Uns fehlte bisher die wissenschaftliche Aufarbeitung der Kapellbrückenbilder. Für die Bilder der Spreuerbrücke und Hofbrücke liegen sie vor.» 

Die Stadt sei gehalten, im Rahmen des Kulturgüterschutzes ihre auf kantonaler und eidgenössischer Ebene geschützten Baudenkmäler und ihr Kulturgut zu dokumentieren. Die Aufnahmen folgen den Dokumentationsvorgaben des Bundes. Die Kosten werden aus dem laufenden Unterhaltsbudget zum Unterhalt der Kulturgüter bestritten. Konkreter wollte sich die Stadt nicht zu den Kosten äussern. 

Die Werke der Fasnachtsvereine stehen schon bereit. (Bild: bra)

Fotos von 1992 nicht in dieser Qualität

Während die dokumentarischen Lücken geschlossen werden, dienen die Bilder noch einem anderen Zweck: Die Aufnahmen sind auch für ein Projekt von Heinz Horat gedacht, ehemaliger Direktor des Naturhistorischen Museums Luzern. Der Kunsthistoriker möchte in einem Buch mehr Hintergrundinformationen zu den Giebelbildern liefern. Das Buch erscheint noch dieses Jahr.

Heinz Horat hatte sein Projekt zu den Kapellbrückenbildern vor der Initiative zu den Brückenbildern angestossen (zentral+ berichtete). Die Bevölkerung der Stadt Luzern stimmte im Herbst gegen die Initiative «Bilder gehören auf die Kapellbrücke». Die junge FDP und der Luzerner Anwalt Jost Schumacher hatten die Initiative lanciert. Seit dieser städtischen Abstimmung seien Fachleute und Restauratoren speziell auf das Thema sensibilisiert , sagt Jost Schumacher heute. Er ist selber Auftraggeber von Kopiearbeiten für die historischen Bilder. Diese sind fertiggestellt, jedoch wurde die Qualität von Denkmalpflegern und Stadt angezweifelt. 

Schumacher befürwortet eine umfangreiche Beschreibung und Interpretation der Arbeiten. «1992, ein Jahr vor dem grossen Brand, hatte bereits ein Fotograf die Bilder abgelichtet. Doch leider nicht in einer guten Qualität.» Deshalb mache eine solche wissenschaftliche Dokumentation jetzt Sinn. 

Währenddessen gehen die Arbeiten von Schumacher für die Kopien der Spreuerbrückebilder weiter. Diese sind ebenfalls von Jost Schumacher in Auftrag gegeben worden. «Die Qualität ist hervorragend», sagt der Mäzen. Zu diesem Urteil sei damals zumindest die Fachjury gekommen. «Sechs Bilder sind bereits fertig», sagt Schumacher. Im März sollen die nächsten vier kommen. Pro Jahr sollen sechs Bilder produziert werden. 

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