Die martialischen Szenen des IZRS-Films: Bewusst gewählt und provozierend. (Bild: IZRS)
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Die martialischen Szenen des IZRS-Films: Bewusst gewählt und provozierend. (Bild: IZRS)

«Hier wird nicht der Islamische Staat ausgerufen»

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Seit gestern ist das umstrittene Video des Islamischen Zentralrates Schweiz (IZRS) online. Im Vorfeld hatte schon der Dreh mehrerer Szenen in Luzern für viel Unmut gesorgt und war Anlass für einige Artikel in regionalen Zeitungen. Wie schlimm ist dieses Video nun? Wir haben es uns mit einem Islam-Experten angesehen. 

Der umstrittene Verein Islamischer Zentralrat Schweiz (IZRS) drehte in Kriens vor zwei Wochen Szenen für einen Propagandafilm. Das Video sorgte anschliessend für viel Aufregung – gesehen hatte es aber noch niemand. Rund 60 junge Männer waren am Dreh der Szene in Kriens beteiligt. Passanten und Beobachter gaben sich angeblich irritiert, der Zusammenhang mit Dschihadisten wurde direkt hergestellt, Islam-Klischees bedient und Empörte befragt. 

Mehrere Schlagzeilen in regionalen Zeitungen thematisierten den allgemeinen Unmut. Den Videodreh kommentierte Saïda Keller-Messahli, Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, gegenüber der «Neuen Luzerner Zeitung» (NLZ): «Die Aktion ist eine totale Provokation.» Wer an einem öffentlichen Weg solche Aktionen durchführe, wo an einem Sonntag viele Spaziergänger entlanggehen, wolle auffallen, schockieren, Präsenz markieren und reine Propaganda betreiben. 

Politisch ja, aber nicht drohend

Seit gestern Abend ist das Video nun online. Die Wirkung ist im wahrsten Sinne des Wortes «Ansichtssache», der Tonfall für Nicht-Muslime eher schwierig einzuordnen. Die Bildsprache allerdings ist martialisch. Wie muss man das Video verstehen? Andreas Tunger, Religionsforscher der Universität Luzern, hat sich die Sequenzen angesehen. Er kommentiert: «Der Film ist als solches vergleichsweise nicht dramatisch. Hier wird nicht der Islamische Staat ausgerufen.»

Die politische Botschaft werde am Schluss des Videos klar ausgedrückt: «Dieses Land ist auch unser Land.» Hier finde ein Kampf um Anerkennung statt. Die Aufmachung sei zwar bewusst offensiv, aber dennoch sei alles politisch korrekt gehalten und nicht aggressiv. «Im Vergleich mit dem, was Schweizer Jugendliche sonst via Medien konsumieren, dünkt mich dies harmlos.»

Was man wissen sollte

Islamische Organisation

Der Verein IZRS (engl. Islamic Central Council of Switzerland ICCS) ist eine islamische Organisation in der Schweiz. Er ist als Verein mit Sitz in Bern im Handelsregister eingetragen. Der Verein vertritt einen Islam nach saudischem Vorbild. Er stand in den Jahren 2010/2011 unter Beobachtung des Nachrichtendienst des Bundes. Nach eigenen Angaben ist der IZRS offen für alle Strömungen innerhalb der Orthodoxie: Traditionalisten, Literalisten und Mystiker. 

Auf der inszenierten weissen Fahne steht das islamische Glaubensbekenntnis. «Es gibt keine Gottheit ausser Gott, und Mohammed ist der Gesandte Gottes.» Das Glaubensbekenntnis sei Teil des täglichen Gebetes und auch zentraler Bestandteil des Übertritts zum Islam, sagt Tunger. 

«Die Fahne mit dem Glaubensbekenntnis wirkt hart durch das schwarz-weiss-Schema», so Tunger weiter. Sie ist aber nicht die Negativkopie der Fahne des Islamischen Staates, wie sie in jüngster Zeit immer wieder in den Medien gezeigt werde. Dort sind die Farben anders verwendet und der Text völlig anders verteilt. Übrigens finde sich das Glaubensbekenntnis auch auf der Flagge Saudi-Arabiens.

Der Regisseur habe vermutlich für den Film bewusst Bilder verwendet, die hierzulande irritieren können: So etwa die weitgehende Vermummung der Hauptdarsteller oder das Einrammen der Fahne in den Boden, das als eine Art Landeinnahme gedeutet werden kann. Später zeigen viele der Statisten aber offen ihr Gesicht. 

Das Werbe-Video des IZRS mit Luzerner Szenen

 

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