Das Kernkraftwerk Gösgen liegt nicht weit von Luzern und Zug entfernt. (Bild: AKK)
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Das Kernkraftwerk Gösgen liegt nicht weit von Luzern und Zug entfernt. (Bild: AKK)

Darf ein AKW nur in der Freizeit explodieren?

3min Lesezeit

Fast alle Zuger und Luzerner Haushalte haben in den letzten Tagen Jodtabletten erhalten. Dies für den Fall, dass aus einem Atomkraftwerk im Umkreis von 50 Kilometern Radioaktivität austritt. Die Tabletten sollen die Schilddrüse schützen. Doch was, wenn der «AKW-Wums» während der Arbeitszeit passiert?

Es ist wie ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk – vom Bundesrat persönlich. Vor kurzem fanden viele Schweizer ein kleines Paket mit Jodtabletten in der Post. Für den Fall einer AKW-Katastrophe wurden sie vorsorglich in alle Haushalte verteilt. Für die meisten Zuger und Luzerner ist es sogar das ersten Mal, dass sie so eine nette Aufmerksamkeit aus Bundesbern in den Händen halten (zentral+ berichtete).

Im Falle eines AKW-Wums in der Nähe sollen mit der Einnahme der Tabletten wenigsten unsere Schilddrüsen geretten werden. Nur eben wurden sie in alle Haushalte verteilt, am Arbeitsplatz haben wir keine Tabletten (ein Mitarbeiter unserer Redaktion hat die Tabletten noch immer nicht in seinem Briefkasten. Er fühlte sich ein wenig vernachlässigt. Wir haben sie für ihn bestellt). Wie dem auch sei, die Frage sei erlaubt: Was wäre, wenn ein Unfall während der Arbeitszeit passiert, so zwischen 8.00 bis 18.00 Uhr? Darf eine AKW-Explosion nur früh am Morgen oder spätabends stattfinden? 

Arbeitsplätze werden ausgerüstet

Man stelle sich vor, die schilddrüsenrettende Packung Jodtabletten wäre in Luzern, das Büro in Zug. Dass dieser Fall im Moment sehr ungünstig wäre, bestätigt auch Tony Henzen, der verantwortliche Koordinator für die Verteilaktion des Bundes. Je nachdem, wie nah man an einem AKW dran ist und wie stark der Wind weht, sollte das Einnehmen der Tabletten schnell erfolgen.

Die Lösung? «Die Geschäfte innerhalb des 50-Kilometer-Radius werden im kommenden Januar mit Tabletten versorgt», sagt Tony Henzen. Die Firmen im 20-Kilometer-Radius seien bereits jetzt schon ausgerüstet.

Hoffen wir nur, dass bis dahin kein AKW-Unfall passiert. Das wäre besonders für die kommende, ruhige und besinnliche Adventszeit ein grosses Anliegen. Und wer dennoch auf Nummer sicher gehen will, sollte sich entsprechend ausrüsten. Beispielsweise mit einem AKW-Kitt-Bauchtäschchen, um allzeit bereit zu sein für die Atomkatastrophe. 

Die Verteilung in der Schweiz

Viele Luzerner und Zuger Gemeinden sind im Umkreis der AKW's Gösgen und Leibstadt.
Viele Luzerner und Zuger Gemeinden sind im Umkreis der AKW's Gösgen und Leibstadt. (Bild: kaliumiodid.ch)

Die Verteilung an die rund 4,9 Mio. Einwohnerinnen und Einwohner im Verteilgebiet fand zwischen Ende Oktober und Ende November 2014 statt. Im ersten Quartal 2015 folgt die Verteilung an die Betriebe und öffentlichen Einrichtungen. Kurz vor der Neuverteilung erhalten alle betroffenen Haushalte ein Informationsblatt.

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