Da darf man nicht mehr drüber: Die kurze Sicherheitslinie vor dem Bahnhof Luzern. (Bild: bra)
Gesellschaft Verkehr Stadt Luzern

Da darf man nicht mehr drüber: Die kurze Sicherheitslinie vor dem Bahnhof Luzern. (Bild: bra)

Verwirrung um Sicherheitslinie

4min Lesezeit 4 Kommentare

Ab sofort ist die Durchfahrt von der Pilatusstrasse her Richtung Bahnhof nur noch für Busse da. Aber zahlreiche Autofahrer fuhren gestern Morgen trotzdem geradeaus und übersahen die neue Sicherheitslinie. Dies, weil kaum Signalisationen vor Ort angebracht sind. Ein Verkehrsdienst musste die Falschfahrer stoppen. 

Gestern Montag, ein Augenschein vor Ort am Luzerner Bahnhof: Im Sekundentakt stehen orientierungslose Autofahrer quer in der Spur. Verdutzt schauen sie hinter dem Steuer hervor. Ein Mann mit leuchtend gelber Weste, ein Mitarbeiter der «DARU-Wache», versperrt ihnen den Weg. Hier geht es für Autos nicht mehr weiter. Die Lenkerinnen und Lenker haben, von der Pilatusstrasse her kommend, eine neue Sicherheitslinie übersehen. Für Autos gilt ab sofort: KKL und Inseliquai sind nur noch über die Zentralstrasse zu erreichen.

Der Mitarbeiter der DARU-Wache muss hier ganzen Körpereinsatz leisten. Während die Ampel kurz auf Rot schaltet, nutzt er die Verschnaufpause und zieht ein erstes Fazit: «Seit heute morgen fahren pro Stunde sicher 40 bis 50 Fahrzeuge über die Linie», sagt er. Kaum gesagt, geht er wieder zielstrebig auf die Strasse, breitet seine Arme weit aus und erntet Gehupe und verworfene Hände. Danach reihen sich die Fahrzeuge widerwillig nach links ein.

Signalisation zu undeutlich? 

Pilatusstrasse-Bahnhof nur noch für Busse

Autofahrende, die vom Kasernenplatz zum Bahnhof und zum KKL Luzern gelangen wollen, müssen über die Moosstrasse und den Bundesplatz fahren. Damit die Verkehrssicherheit trotz der Mehrbelastung in diesem Abschnitt gegeben ist, sind im Sommer 2014 der Bundesplatz und die Kreuzung Bundes-/Moosstrasse umgestaltet worden. Zudem wurde auf der Moosstrasse Tempo 30 eingeführt. 

Die Pilatusstrasse wird zu den Hauptverkehrszeiten täglich von mehr als hundert Bussen pro Richtung befahren. In Richtung Bahnhof stehen die Busse zu den Stosszeiten nicht selten im Stau, da sie ab der Morgartenstrasse keine eigene Busspur haben und im Bereich Bahnhofplatz von Fahrzeugen, die einen Spurwechsel machen müssen, behindert werden.

Die kurze neue Sicherheitslinie: Besonders für Gewohnheitsfahrer ist sie geradezu unsichtbar. Das ist offensichtlich. Bis Mittwochmorgen soll der Einsatz der DARU-Wache noch dauern. Aber was kommt dann? «Keine Ahnung, wie es nachher hier weiter geht», sagt der Verkehrswächter mit Blick auf die Strasse. Ordnung sieht etwas anders aus. Braucht es hier nicht eine deutlichere Signalisation?

Laut Luzerner Polizei sind momentan keine weiteren Massnahmen geplant. «Wir hätten die Ressourcen nicht, um vor Ort den Verkehr zu regeln», sagt Sprecher Kurt Graf. Die Polizei käme erst in einer zweiten Phase, nach der Einführung des Verkehrsregimes, zum Zug. Vorher ist die Stadt Luzern in Absprache mit dem Kanton dafür zuständig, dass alles reibungslos verläuft. 

Vier Informationstafeln wurden für die Autofahrer am vergangenen Montag aufgestellt. Allerdings fallen an der Kreuzung vor dem Bahnhof keine besonderen Signalisationen auf. Martin Urwyler, Ressortleiter Verkehrsplanung der Stadt Luzern, sagt: «Die Signalisation bleibt so, wie sie ist.» Eine Analyse über die Wirkung der Massnahmen werde im November durchgeführt. «Dann analysieren wir die Verkehrsflüsse». 

Ist die unübersichtliche Situation nicht gefährlich? «Ein Einsatz für die Verkehrsregelung wird bei Bedarf verlängert», sagt Urwyler. Und der Verkehrsplaner zeigt ein gewisses Verständnis für die Falschfahrer: «Es dauert eine Weile, bis man sich umgewöhnt hat. Besonders, wenn man 30 Jahre immer geradeaus gefahren ist.» Jede Verkehrsregime-Änderung brauche erfahrungsgemäss rund einen Monat, bis sie akzeptiert werde. «Bis alles wirklich reibungslos verläuft, dauert es mindestens ein Jahr». 

Busse begrüssen das neue Regime

Für die Zentralschweizer Busbetriebe ist die neue Situation viel komfortabler. Sie freuen sich über die eingeführte Neuerung. «Für den öffentlichen Verkehr und für zahlreiche Pendler ist die Bedeutung der Pilatusstrasse sehr hoch», schreiben die Busunternehmen in einer gemeinsam verfassten Mitteilung. «Die Busspur Pilatusstrasse ist angesichts der Länge ein kleiner Schritt, für die Zuverlässigkeit des öffentlichen Verkehrs in der Stadt Luzern aber ein grosser Sprung», sagt Beat Wiget, Leiter der Region Zentralschweiz von PostAuto Schweiz AG.

Täglich fahren rund 53'000 Personen mit öffentlichen Verkehrsmitteln über die Pilatusstrasse in Richtung Bahnhof Luzern. Mit über 100 Bussen in den Abendspitzenstunden ist die Pilatusstrasse nicht nur der meistbefahrene Busabschnitt in Luzern, sondern auch einer der meistfrequentierten Abschnitte der ganzen Schweiz.

Ihre Meinung interessiert uns! Als Community-Mitglied können Sie diese mit der Kommentar-Funktion mitteilen.

x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Gesellschaft