Bereits im Juni 2012 war das «Café des Visions» in Zug zu Gast – hier auf dem Postplatz. Anna Graber war mit ihrer Installation auch schon in Wädenswil und Barcelona. (Bild: zvg Stadt Zug)
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Bereits im Juni 2012 war das «Café des Visions» in Zug zu Gast – hier auf dem Postplatz. Anna Graber war mit ihrer Installation auch schon in Wädenswil und Barcelona. (Bild: zvg Stadt Zug)

Utopien, eine Charta, und dann?

6min Lesezeit

Im mobilen «Café des Visions» wird die Zuger Bevölkerung eingeladen, ihre Wünsche für die Zukunft des öffentlichen Raums kundzutun. Nach 2012 skizzieren Passanten jetzt zum zweiten Mal ihre Ideen für die Nutzung von Plätzen mit Farbe auf den Boden. Bleibt es bei Utopien, obwohl diese vielfach gar nicht schwer umsetzbar wären?

Ein «mobiler Dorfplatz» fordert die Bevölkerung der Stadt Zug zum Spinnen auf. Das «Café des Visions», welches bereits 2012 in Zug unterwegs war, tourt im Juni von Platz zu Platz in der Innenstadt und lädt die Passanten zum Verweilen – und vor allem zum Träumen ein.

Das Projekt «Café des Visions: Mapping Zug» ist eine Installation der Künstlerin Anna Graber. Sie besteht aus weissen Lounge-Sesseln und Tischchen, die sich ineinander stapeln lassen und allesamt Platz in einem Fahrradanhänger finden. Dieser dient auch als Cafébar. Mit diesem Gefährt zieht die Künstlerin von Ort zu Ort und befragt die Zuger zum jeweiligen Standort und will von ihnen wissen, welche Visionen sie für diesen sozialen Raum haben.

Ein Bagger, der den Asphalt wegreisst

Anna Graber sagt: «Ich erkläre den Leuten das Projekt und wenn sie wollen, lade ich sie ein, ihre Wünsche mitzuteilen.» Diese könnten sie entweder einfach erzählen, oder aber direkt eine Skizze der Vision mit weisser, wasserlöslicher Farbe auf den Boden malen. «Es handelt sich dabei um eine Wunschsammlung», sagt Graber. Die Geste des Einschreibens soll Idee und Ort verbinden. Damit entsteht auf der Strasse ein gemaltes «Raumtatoo».

Die Tour durch Zug

Die Reise des «Café des Visions» geht durch die Altstadt, die Neustadt, die Gartenstadt, zum Loreto, ins St. Michael-Quartier, in die Metalli und die Herti. Die gebaute und gelebte Stadt soll dabei behandelt werden wie ein weisser Fleck auf der Landkarte.

Das Kartographieren erfolgt mittels Zeichnungen und wird schliesslich zusammengefasst auf einer grossen Wunschkarte der Stadt. Diese wird in der Publikation des Projektes «Lost in Tugium», welches 2012 von der Stelle für Kultur initiiert wurde, veröffentlicht.

Die Tour findet nur bei trockenem Wetter statt. Der Zeitplan ist auf www.cafe-des-visions.ch ersichtlich. Vorgesehener Start ist am Samstag, 14. Juni, beim Viadukt an der Poststrasse und am Sonntag, 15. Juni, am Alpenquai bei der Schützenmatt, jeweils von 15-20 Uhr.

Als diese gestalterische Mitwirkung erstmals 2012 in Zug stattfand, kamen teilweise sonderbare Ideen zusammen. Zum Beispiel diejenige eines orientalischen Pavillons mit einem Brunnen und türkischen Tulpen und einem Fest, bei dem Schildröten Kerzen auf ihren Panzern tragen. Oder auch das Labyrinth aus Trockenmauern, bewachsen mit einheimischen Blumen, beleuchtet nur von den Sternen, mit einem abdeckbaren Brunnen, der auch als Konzertbühne dienen kann. 

Andere wünschten sich ganz einfach nur einen Bagger, der den Asphalt wegreisst, damit Gras gesät werden kann. In diese Richtung gingen die meisten Anregungen, wie Anna Graber sagt: «Die meisten Wünsche sind sehr einfach, viele Leute hätten gerne mehr Grünflächen, Wasser, oder einfach nur bequeme Sitzgelegenheiten.» Meistens gehe es darum, dass man die Stadt spontan erleben will, dass Kleinkultur möglich ist und die Plätze damit sozialer werden, so Graber, «für viele Vorschläge wären keine grossen Umbauten nötig, es geht vielmehr darum, dass die Leute miteinbezogen werden.»

Die Künstlerin als freier Satellit

Und wie viel davon wurde in der Zwischenzeit umgesetzt? Das Projekt «Café des Visions» findet dieses Jahr in Zusammenarbeit mit der Kulturabteilung der Stadt Zug statt. 2012 wurde es mit dem Projekt «Freiraum Zug» von der Stadtentwicklung vernetzt und war somit Teil des Mitwirkungsverfahrens, bei welchem in Zusammenarbeit mit der Bevölkerung eine Charta entwickelt wurde. Die Charta dient laut Stadt Zug «als konkretes Nutzungsleitbild zur Verbesserung des Lebens im öffentlichen Raum.» Die Verwaltungsstellen nutzen die Charta als «Richtschnur für Bewilligungen und Projekte». Sie soll aufzeigen, worauf bei der zukünftigen Entwicklung des öffentlichen Raums fokussiert werden müsse.

Regula Kaiser von der Stelle für Stadtentwicklung sagt: «Das ‹Café des Visions› war im Jahr 2012 die Masterarbeit der Künstlerin an der Hochschule für Kunst und Design Luzern, welche ihre Abschlussprojekte in Zug realisierte. Dieses Projekt wurde damals mit ‹Freiraum-Zug› vernetzt und von uns in diesem Zusammenhang unterstützt, um weitere Erkenntnisse der Bewohner über die öffentlichen Plätze zu gewinnen.»

Departemente sind zuständig für die Umsetzung

Auf Anfrage von zentral+, ob gewisse Anstösse aus dem Projekt von 2012 nun realisiert worden seien, sagt Kaiser: «Die Voten flossen in die Charta für den öffentlichen Raum der Stadt Zug ein. Die Umsetzung erfolgt in den dafür zuständigen Departementen.» Für den Bau und die Gestaltung von öffentlichen Anlagen sei das Baudepartement zuständig.

Die Aussage der Künstlerin Anna Graber, dass viele Ideen einfach umsetzbar seien, relativiert Regula Kaiser: «Die Ideen sind ‹relativ› einfach umsetzbar wenn es sich um Möblierung handelt. Bei Bäumen ist es unterschiedlich – je nach Nutzung, Untergrund und Nachbarschaften.» Etwas schwieriger sei die Bewilligung von «Kleinkultur» im öffentlichen Raum, weil Veranstaltungen dort von «öffentlichem Interesse» sein müssten.

«Es ist auch eine gewisse politische Akzeptanz nötig.»

Regula Kaiser, Stelle für Stadtentwicklung

«Das heisst, es ist auch eine gewisse politische Akzeptanz nötig», so Kaiser. Wichtig sei aber zu ergänzen, dass die Teilnehmer des «Café des Visions» nicht immer zwingend repräsentativ für jeden Ort seien, «manchmal sind übergeordnete öffentliche Interessen oder nachbarschaftliche Interessen höher zu gewichten.»

Umsetzung hat nicht oberste Priorität

In diesem Jahr findet die Installation zwar nicht mehr unter dem Projekt «Freiraum Zug» statt, dennoch ist für Jaqueline Falk, Kulturbeauftragte der Stadt Zug, klar: «Es ist eine logische Weiterentwicklung des Projekts. Im Jahr 2012 konnte man noch nicht so viele Quartiere befragen.» Damals war die Installation zu Gast auf dem Arenaplatz, dem Bundes- und dem Postplatz. Deshalb habe die Stadt auch entschieden, das Projekt zu unterstützen, so Falk. Über das gesprochene Budget kann das Amt für Kultur zum jetzigen Zeitpunkt keine Angabe machen.

«Einen Wunsch zu äussern, ist ein erster Schritt für Veränderungen.»

Anna Graber, Künstlerin, Initiantin «Café des Visions»

Die Künstlerin Anna Graber erhofft sich, dass wie schon 2012 viele Passanten bei ihrem Projekt mitmachen werden. Sie selbst sieht ihre Rolle nicht primär darin, sich für die Umsetzung der Ideen bei der Verwaltung einzusetzen. Sie habe zwar immer auch an Diskussionen teilgenommen, bewegte sich jedoch 2012 als «freier Satellit» innerhalb des Projekts. Es gehe darum, die Leute anzuregen, ihre Stadt selbst zu gestalten: «Einen Wunsch zu äussern, ist ein erster Schritt für Veränderungen», so Graber.

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