Die Läufer geben Gas beim Zuger Chriesisturm. (Bild: stadtschulenzug.ch)
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Die Läufer geben Gas beim Zuger Chriesisturm. (Bild: stadtschulenzug.ch)

«Es wird eine echte Herausforderung»

6min Lesezeit

Die Zuger Regierungsräte Stephan Schleiss und Beat Villiger zelebrieren den uralten Brauch «Chriesisturm» und rennen zusammen am Luzerner Stadtlauf mit. Im Interview sprechen die zwei «Sportler» über ungewohntes Terrain, Lampenfieber, was sie in Hochform bringen wird und dass Zuger Kirsch nicht auf der Dopingliste steht. 

Einer hinten, einer vorne. Nach dem Startschuss packen sie die acht Meter lange Holzleiter und rennen los, als gebe es kein Halten mehr. Der «Zuger Chriesistrum» gastiert am kommenden Samstag am Luzerner Stadtlauf und wird seinen altehrwürdigen Brauch in der Leuchtenstadt präsentieren. Mit dabei sind die Zuger Regierungsräte Stepahn Schleiss (SVP) und Beat Villiger (CVP). Die beiden bilden zusammen ein sportliches Duo und freuen sich sehr auf den Lauf, wie sie sagen. Doch wirkliche «Wettkampferfahrung» fehlt ihnen noch. Sie haben noch nie an einem Chriesisturm teilgenommen. Sind sie fit genug?


 

Beat Villiger
Beat Villiger (Bild: zvg)

zentral+: Herr Schleiss, Herr Villiger, Sie machen beide das erste Mal an einem Chriesisturm mit. Und zudem noch an einem, der durch ungewohntes Terrain, durch die Luzerner Altstadt führt. Sind Sie nervös?

Stephan Schleiss: Ein wenig schon, es wird eine echte Herausforderung. Zu zweit mit einer schweren Holzleiter herumzurennen braucht vor allem viel Koordination. Aber der grosse Zuschaueraufmarsch wird für ein gesundes Lampenfieber sorgen. Ich bin sicher, die Zuschauer werden uns zu sportlichen Höchstleistungen antreiben. 

zentral+: Und Sie, Herr Villiger? Aufgeregt?

Beat Villiger: Schon ein bisschen. Es wird so etwas wie ein Auswärtsspiel. Da ist man immer etwas mehr nervös.

zentral+: Was ist das Ziel? Werden Sie für ihren Kanton Zug alles geben?

Stephan Schleiss
Stephan Schleiss (Bild: zvg)

Villiger: Es ist mein Naturell, dass ich immer alles gebe. Das Schöne an der Sache ist, dass mich mein Kollege Schleiss nicht abhängen kann und wir beide miteinander ins Ziel kommen (müssen). Das ist wie ein Spiegelbild der Politik. Auch der gesamte Regierungsrat muss so arbeiten, damit er gemeinsam die Ziele erreicht.

Schleiss: Ziel ist es vor allem, gesund anzukommen. Und zu zweit (lacht). Im Ernst: Ich habe schon üble Stürze beim Chriesisturm beobachtet. In einer scharfen Kurve kann man schon mal ausrutschen. Besonders, wenn es nass ist.

zentral+: Trauen Sie sich, Ihre Laufzeit schon vor dem Rennen bekannt zu geben?

Villiger: Nein. Aber meine Fitness sollte reichen, damit ich um 18 Uhr wieder in Zug sein kann, für einen nächsten Anlass.

zentral+: Sie werden auf fremden Boden unterwegs sein. Haben Sie die Rennstrecke in der Luzerner Altstadt bereits genügend analysiert?

Schleiss: Das Terrain ist sehr gut zu vergleichen mit der Zuger Altstadt: Pflastersteine, scharfe Ecken, enge Gassen. Es wird enorm anspruchsvoll und anstrengend.

Villiger: Ich kenne die Luzerner Altstadt sehr gut. Das sollte kein Problem sein. Vielleicht werden Schleiss und ich auch etwas Gas wegnehmen, um die Altstadt noch etwas intensiver zu geniessen.
 
zentral+: Wie haben Sie sich vorbereitet, wie oft haben Sie trainiert?

Villiger: Ich war dieses Jahr schon ein paar Mal auf dem Bike. Aber wirklich trainiert habe ich nicht. Und wir beide konnten auch keinen Termin für ein Trainingslager in Luzern finden (lacht).

Schleiss: Ich fahre jeden Tag mit dem Velo zu Arbeit und sollte also fit genug sein. Vielleicht werden wir vorher einen Zuger Kirsch trinken. Im Mass genossen, wird der unsere Leistung steigern. Kirsch steht zudem nicht auf der Dopingliste.

zentral+: Wie ist das Duo Villiger-Schleiss eingestellt?

Villiger: Wir haben sehr viel miteinander zu tun und ziehen oft auch am selben Strick. Wie wir aber schlussendlich unter diesen harten Chriesisturm-Bedingungen harmonieren, wird sich noch herausstellen.

Schleiss: Wir beide freuen uns auf Luzern. Das alleine bringt uns in Hochform. Wie werden tiptop harmonieren.

Uralter Brauch

Der ursprüngliche Brauch des «Chriesisturms» geht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Vor sechs Jahren wurde die Tradition wiederbelebt. Sobald die Kirschen im Frühsommer reif waren, wurde mittags um 12 Uhr die grösste Glocke der katholischen Kirche St. Michael in der Stadt Zug geläutet. Daraufhin ging der traditionelle «Chriesisturm» los. Alle Zugerinnen und Zuger hatten auf dieses Zeichen hin das Recht, mit Leitern, Haken, Krätten und Rückkörben bewaffnet auf die Allmend zu eilen, um dort selber Kirschen zu pflücken. Mit dem Schwinden der Kirschbäume ging der Brauch ein, wurde aber 2009 durch die IG Zuger Chriesi wiederbelebt.

Der Kanton Zug gastiert am 37. Luzerner Stadtlauf. Unter dem Motto «Zuger Chriesisturm» wird der Nachbarkanton Luzerns seinen traditionellen Brauch in der Leuchtenstadt präsentieren. Das Organisationskomitee des Luzerner Stadtlaufs rechnet gemäss einer Mitteilung mit der Teilnahme von rund 1000 Zugerinnen und Zugern.

 

 

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