Die Badeplätze im Quartier «Seefeld» in der Gemeinde Risch sind nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. (Bild: anm)
Gesellschaft Umwelt Raumplanung

Die Badeplätze im Quartier «Seefeld» in der Gemeinde Risch sind nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. (Bild: anm)

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Der Zugang zum Zugersee bleibt der Öffentlichkeit vielerorts durch private Liegenschaften verwehrt. In Ennetsee reihen sich grosse Villen aneinander. zentral+ reiste dem Ufer entlang und strandete an überwachten Zäunen und Verbotsschildern. Der Staat, Landbesitzer und Umweltschützer streiten darüber, wo der See allen gehören soll.

In der Gemeinde Risch wird die Suche nach Seezugang zur Odyssee. Von Küssnacht (SZ) herkommend führt die Reise um den Zugersee nach der Halbinsel Chiemen nahe dem See entlang. Tolle Aussicht und grüne Seeplätze zum Verweilen sind hier jedoch Mangelware.

Erster Halt: Gut Aabach. Das Grundstück sorgte kürzlich aus zwei Gründen für Schlagzeilen. Einerseits erstellt die Novartis dort nun doch kein Ausbildungszentrum. Andererseits kaufte Ex-Konzernchef Daniel Vasella einen Teil des Grundstücks (zentral+ berichtete) von der «Eiola AG» und vergrösserte damit seinen Landbesitz am Zugersee um rund 50'000 Quadratmeter.

Viele Gesetze, keine Einigung

Auf gesetzlicher Ebene gäbe es rund um die Diskussion um die Zugänglichkeit zum Seeufer drei Aspekte zu beachten, sagt Heinz Tännler, Baudirektor Kanton Zug. Erstens fordert das eidgenössische Raumplanungsgesetz (RPG), dass die See- und Flussufer freigehalten und der öffentliche Zugang und die Begehung erleichtert werden sollen. Gleichzeitig fordert das RPG, dass die natürlichen Lebensgrundlagen wie Wasser oder Landschaft zu schützen seien. Drittens sagt der Baudirektor: «Das Eigentum an Grund und Boden ist in der Bundesverfassung garantiert.»

Die Eiola AG, eine Tochtergesellschaft der Novartis, besitzt den übrigen Teil des Guts, seit sie es 2001 von Ernst Göhner gekauft hatte.

Eiserne Eingangstore in Risch

Die grüne Anlage ist dicht bewachsen, einzig ein kleines Gartenhäuschen ist von der Strasse her sichtbar. Dort sitzen einige Guts-Angestellte und machen Kaffeepause an der Sonne. Sie sind wahrscheinlich für die Landschaftspflege zuständig. Der Rundgang geht weiter entlang des Zauns zum Eingangstor. Dieses wird videoüberwacht und nur schon ein verstohlener Blick auf das Klingelschild mit der Aufschrift «Eiola AG» beschert ein unangenehmes Gefühl. Hier gibt es kein Verweilen am See.

Wie die Gemeinde Risch auf Anfrage mitteilt, wird sich daran auch nichts ändern. Es fänden keine Gespräche mit dem Eigentümer statt, in denen ein Zugang für die Öffentlichkeit geprüft werde, bestätigt die Gemeindekanzlei. Mit dem Tagungszentrum wäre gemäss Heinz Tännler, Baudirektor des Kantons Zug, eine «gelenkte Zugänglichkeit» erreicht worden.

Nächster Halt: Aabachstrasse 1, «Im Park». Hier säumen Säulen aus Stein die Hauptstrasse, sie begrenzen das Anwesen von Unternehmer Eugen Hänggi. Der Eisenzaun zwischen den Steinsäulen ermöglicht beinahe freie Sicht auf den Zugersee und die Villa, die auf einer Wiese steht, die an einen Golfplatz erinnert. Auch hier besteht das Eingangsportal aus einem grossen Eisentor. Auch hier hat es eine Überwachungskamera. Wer es wagt, neben dem Anwesen auf die kleine Mauer zu steigen, erblickt die lachsfarbene Villa von Erwin Conradi, einst Chef des Handelskonzerns Metro. Unweit davon liegt das Haus von Daniel Vasella, das von der Strasse gut abgeschirmt ist und nur vom See her ersichtlich wäre. Von einer Pause am Seeufer träumend wird die Fahrt wieder aufgenommen.

 

Das Anwesen «Im Park» gehört dem Unternehmer Eugen Hänggi. (Bild: anm)
Das Anwesen «Im Park» gehört dem Unternehmer Eugen Hänggi. (Bild: anm)

Das Zuger «Seefeld» ist privat

Immer noch in der Gemeinde Risch, biegt eine Strasse rechts ab Richtung See. Zubringerdienst sei gestattet. Nach wenigen Metern im «Seefeld», wie das Quartier heisst, findet man sich aber zwischen zwei Verbotstafeln mit der Aufschrift «Privat» wieder. Umkehren.

In Buonas sieht es besser aus. Die Kirche St. Verena ist ein eindrücklicher Aussichtspunkt und gleich daneben führt ein Weg hinunter zum See zur Anlegestation für Schiffe. Schliesslich taucht wenige Meter weiter Richtung Zug das Tagungszentrum der Roche («Roche Forum Buonas») auf. In der Einfahrt steht ein Schild mit der Aufschrift: «Main Entrance, Privat, Kein Zutritt.» Ein anderes Schild lädt zum Besuch am Tag der offenen Tür ein. An drei Tagen im Jahr darf die Halbinsel des Schlosses Buonas besucht werden. Leider suchte zentral+ den falschen Tag aus.

Umweltschutz oder Freizeitvergnügen?

Etwas näher bei Hünenberg ist die Uferzone besser zugänglich. Radwege führen dem See entlang, das Seebad Zweiern ist öffentlich. Laut Heinz Tännler, Baudirektor des Kantons Zug, gelang es der Gemeinde Hünenberg in diesem Gebiet – Dersbach – kleinere Grundstücke am See zu erwerben. Ziel sei es, hier den öffentlichen Seezugang zu verbessern. Der Abschnitt ist aber auch auf der Agenda des Umweltschutzvereins Pro Natura Zug. Präsident André Guntern sagt: «Besonders wertvoll und deshalb heute unter Naturschutz sind die Abschnitte Choller-Alpenblick und Dersbach.» Als Lebens- und Brutgebiete für Wasser- und Riedvögel seien diese Gebiete bedeutend.

 

Zwischen Buonas und Hünenberg liegt das Gebiet Dersbach. Hier stellt sich die Frage: Umweltschutz oder öffentlicher Zugang? (Bild: anm)
Zwischen Buonas und Hünenberg liegt das Gebiet Dersbach. Hier stellt sich die Frage: Umweltschutz oder öffentlicher Zugang? (Bild: anm)

Auf die Frage, wie man dem Bedürfnis nach mehr Seezugang gerecht werden könnte, sagt Guntern: «Sicher soll dies nicht dort geschehen, wo wir heute noch ruhige, naturnahe Abschnitte haben.» Der Zugang könne in den bereits bebauten, und wenig empfindlichen Abschnitten verbessert werden. Als Beispiele nennt er die Stadt Zug, den Süden von Cham, Buonas und Risch. «Uferwege über private Liegenschaften sind aber ohne ein griffiges Seeuferweggesetz kaum realistisch.» (siehe Box)

Die Diskussion, wie weit die Ufer von Seen, Flüssen oder Bächen öffentlich zugänglich gemacht werden sollen, bewege sich in einem Spannungsfeld, sagt Tännler. Der Zuger Richtplan sieht vor, dass der Zugang zum See in Siedlungsgebieten für Erholung und Freizeit attraktiv gestaltet werden soll. Ausserhalb der Siedlungszone würden Natur und Landschaft im Zentrum stehen. «Für Lösungen zur Steigerung der Zugänglichkeit sind partnerschaftliche Lösungen mit den Eigentümern zu suchen», so der Baudirektor.

Braucht es für den Seeuferweg eine Enteignung?

Genau das versucht die Stadt Zug in einem Fall schon seit Jahren – ein Ende ist nicht absehbar. Der Streitpunkt heisst «Oeschwiese», eine Grünfläche zwischen Hafen und Strandbad. Seit 1975 liegt sie in der Zone von öffentlichem Interesse (OeIB). Das bedeutet, dass dort nur im Interesse der Öffentlichkeit gebaut werden darf. Besitzerin dieser Wiese ist die Erbengemeinschaft Oesch, die im Zuge der Ortsplanungsrevision eine Beschwerde gegen die Zonierung einreichte. Die Erben möchten das Grundstück in die Bauzone überführen und private Liegenschaften erstellen. Schon 1989 stimmten die Stadtzuger jedoch der Seeufergestaltung zu.

 

Die Stadt Zug muss die Oeschwiese zwischen Hafen und Strandbad kaufen, damit der durchgehende Seeuferweg realisiert werden kann. (Bild: anm)
Die Stadt Zug muss die Oeschwiese zwischen Hafen und Strandbad kaufen, damit der durchgehende Seeuferweg realisiert werden kann. (Bild: anm)

Diese sieht vor, dass vom Casino ein durchgehender Seeuferweg bis zum Strandbad führt, also über die Oeschwiese. «Unsere Abklärungen haben gezeigt, dass ein Bedarf für die Erweiterung des Strandbads besteht und der Seeuferweg über die Oeschwiese fortgesetzt werden soll», teilt das Baudepartement der Stadt Zug mit. Die Eigentümer sind damit nicht einverstanden, wie André Wicki, Bauvorsteher, mitteilt: «Das Verfahren ist zur Zeit vor dem Verwaltungsgericht hängig». Die Stadt hat aufgrund der Zonenplanrevision den Volksauftrag, das Grundstück für die Strandbaderweiterung und auch den Uferweg zu nutzen und will das Projekt vorantreiben. «Sollte es keinen Konsens geben, so werden wir die Schätzungskommission anrufen müssen, damit diese das Enteignungsverfahren einleitet», so Wicki. 

Bei Interessenskonflikten mit Eigentümern gäbe es noch eine andere Lösung, sagt André Guntern von der Pro Natura: «Ein anderer Ansatz ist, vor den Liegenschaften im See ein Weg aufzuschütten oder einen Steg zu bauen.» Dies sei jedoch auch nur möglich, wenn dadurch nicht die ökologisch wichtige Flachwasserzone zerstört werde.

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