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Braucht es in Zug einen Innovationspreis?

Ja: 28%
Nein: 67%

Die Debatte ist abgeschlossen. Das Endresultat steht fest.

Der Kanton Zug verleiht jährlich einen Innovationspreis. Dieser hat zum Ziel, Unternehmen zu unterstützen, die mit volkswirtschaftlich, sozial und ökologisch sinnvollen und innovativen Modellen neue Arbeitsplätze schaffen oder bestehende Arbeitsplätze erhalten. Derzeit läuft das Bewerbungsverfahren für den Innovationspreis 2013. Im vergangenen Jahr hat die Verleihung hohe Wellen geworfen. Denn der Preis, dotiert mit 20'000 Franken, ging an die Cham Paper Group, die kurz zuvor über 200 Stellen gestrichen hatte. Deshalb stellt sich die Frage: Soll der Kanton Zug weiterhin eine solche Auszeichnung verleihen? 

Matthias Michel

Die Schweiz überlebt dank Innovation!

Neben den klassischen Produktionsfaktoren Arbeit, Kapital und Boden gewinnt heute der vierte Faktor «Innovation» an Bedeutung. Da in der Schweiz Arbeit und Boden relativ teuer sind, können wir nur bestehen, wenn wir besonders innovativ sind.

Innovative Leistungen besonders hervorzuheben und auszuzeichnen, das ist der Sinn des Zuger Innovationspreises. Dieser Preis wurde 1993 in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit gestartet. Gerade der derzeitige wirtschaftspolitische Druck von aussen zeigt, dass wir nicht ohne Anstrengung und insbesondere nicht ohne Innovation unsere Wirtschaftskraft und damit unsere Arbeitsplätze erhalten können.

Und genau darum geht es bei diesem Preis. Wichtiger als das Preisgeld ist die Reputation, welche mit dem Gewinn des Preises verbunden ist. Und die Anerkennung und den Ansporn für die Mitarbeitenden. Obwohl seit Jahren anerkannt, wird nun Kritik geäussert, weil die letztjährige Preisgewinnerin nicht mehr alle Arbeitsplätze in der Schweiz halten kann. Aber dank eines innovativen Produkts gelingt es der Cham Paper Group immerhin, gegen 100 Arbeitsplätze am Standort Zug zu bewahren. Ohne das grosse innovative Engagement von Management und Mitarbeitenden wäre dies nicht möglich.

Dass man sich mit jeder Auszeichnung eben auch exponiert, liegt auf der Hand. Der Regierungsrat hat sich mit einer Antwort auf eine kritische Interpellation der teilweise geäusserten Kritik gestellt. Deswegen nun aber den Preis als solchen in Frage zu stellen, wäre ein total falsches Signal. Erfahrungsgemäss sind unter den Preisgewinnern viele kleine oder mittlere Unternehmen.

Der Innovationspreis ist somit auch eine Anerkennung unserer innovativen KMU. Und vielfach wurden Unternehmen des produzierenden Sektors ausgezeichnet. Dieser Preis bringt somit auch die Unterstützung der für eine vielfältige Volkswirtschaft so wichtigen Industrie zum Ausdruck.

Wenn es den Zuger Innovationspreis nicht gäbe, so wäre er neu zu erfinden!

Barbara Gysel

Innovationspreis für Stellenabbau? Nein danke!

Die Schweiz ist weltweit der allerhöchste Innovator: Wir belegen den ersten Platz beim Global Innovation Index 2012. Und auch beim European Innovation Scoreboard 2013 ist die Schweiz der Primus. Diese Innovationen beruhen auch auf der Arbeitskraft der Schweizer Wirtschaft und sie sollten allen zugutekommen.

Im Kanton Zug wäre der mit öffentlichen Geldern finanzierte Preis explizit für einheimische Firmen gedacht, die «mit innovativen und volkswirtschaftlich, sozial oder ökologisch sinnvollen Modellen neue Arbeitsplätze geschaffen haben oder bestehende Arbeitsplätze erhalten konnten».

Wie die letztjährige Vergabe des Preises an die Cham Paper Group jedoch zeigt, schert sich die Preisjury einen Deut um diese Vorgaben. Geradezu zynisch war es, diesen Preis einer Firma zu verleihen, die kurz zuvor 220 Stellen gestrichen hat – was 70 Prozent der Beschäftigten entsprach. Die Entlassungen erfolgten nicht etwa aufgrund einer Absatzkrise, bei der Verlagerung der Arbeitsplätze nach Italien ging es viel mehr darum, Lohnkosten zu sparen. Von Erhalt bestehender Arbeitsplätze keine Spur. Sozial unverträgliches Vorgehen zu unterstützen, ist nicht die Aufgabe der öffentlichen Hand.

Wenn die Zuger Regierung einen Innovationspreis vergeben will, dann wenigstens im Sinne eines echten nachhaltigen Wohlstandes für alle. Stellenabbau im grossen Stil hat damit nichts zu tun. Dabei gäbe es durchaus Firmen in Zug, die einen solchen Weg einschlagen.

Ricardo in Steinhausen bietet eine innovative Alternative zum Internetgiganten Ebay und schafft damit Vielfalt. Die Geschäftsidee der Firma ist ein wahrhaft ökologisches Modell in der heutigen Wegwerfgesellschaft: Sie fördert die Wiederverwendung von Gebrauchtem.

Andererseits ginge es zugunsten des Gemeinwohls bei der Vergabe eines Innovationspreises auch darum zu überprüfen, ob eine Firma ihre Steuern regulär und progressiv bezahlt. Dieses Mindestmass an sozialem Gewissen ist leider keine Selbstverständlichkeit mehr. Da diese Kriterien bei der Preisvergabe aber keine Rolle spielen, können wir den Zuger Innovationspreis getrost abschaffen. 

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